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Coldplay - Moon music

Coldplay- Moon music

Parlophone / Warner
VÖ: 04.10.2024

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Visions of La

"Now all I wanna say is / La-la-la-la-lay / La-la-la-la-lay / La-la-la-la-lay"

Was gibt's auch sonst noch groß zu sagen bei Coldplay? "Music of the spheres" war lyrisch schon schwer in der Seifenkiste unterwegs, und da "Moon music" als Teil zwei der Sause angekündigt wurde, gibt es keinen Anlass zu höheren Erwartungen. Und doch beginnt das Album mit seinem besten Moment. Nach einem sphärischen Intro, das von Jon Hopkins wohl mehr als nur unterstützt wurde, gibt Chris Martin zu sanftem Klavier ehrlich den Zweifler: "Maybe I'm just crazy, I should just be a brick in the wall / Sit and watch the TV, blame everyone else for it all / But I'm trying to trust in the heavens above / And I'm trying to trust in a world full of love." Der ewige Optimist, gefangen in seinem Mindset. "If there's anyone out there, I'm close to the end / If there's anyone out there, I just need a friend." Danke, Introspektion, du kannst ab hier Feierabend machen.

"I know, la-la-la-la-la-la-la-la-la / I know, la-la-la-la-la-la-la-la"

Leider ist die erste Single "Feelslikeimfallinginlove" nicht schlauer als ihre Titelschreibweise und eine lasche Form der letzten Hitsingles. "We pray" geht ein Stockwerk tiefer und klingt wie eine noch beschissenere Version eines Imagine-Dragons-Songs, garniert mit verschenkter Feature-Flut und ungelenkem Anbiedern an wirklich alles Mögliche. Auch das akustische "Jupiter" möchte irgendetwas für Dich sein, vielleicht mit den Zeilen "I love who I love / The message from above / Is 'Never give up, love who you love'" die nächste Regenbogen-Hymne. Geht halt einmal links rein und rechts raus.

"La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, we pray, we pray / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, we pray, we pray / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, la-la / La-la-la, la-la, we pray, we pray, we pray"

"Moon music" macht es sich aber keinesfalls zu einfach. Coldplay widmen erstaunlich viel Zeit instrumentalen Klanglandschaften sowie kurzen Zwischenspielen nach den eigentlichen Tracks, wobei letztere leider den Fluss meist eher stören als bereichern. Nicht nur das Cover erinnert in gewisser Weise an Sigur Rós' "Atta", die Band versucht sich bei Soundscapes wie "Alien hits / Alien radio" – eigentlich mit einem Rainbow-Emoji betitelt, rollen Sie bitte jetzt mit den Augen – oder dem Closer "One world" ganz klar an der orchestralen Grandezza der Isländer. Klingt gar nicht übel. Man wünscht sich sowieso des Öfteren, Martin würde lieber auf Isländisch oder in Vonlenska singen.

"Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo / Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo / Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo, oh / Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo / Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo / Ah-la-la, la-la, lo-lee-lo, oh"

Immerhin ist "Aeterna" Coldplays bisher am besten funktionierender Ausflug ins EDM-Genre, weil ihm eine solide Melodie zugrundeliegt, die den Track antreibt. Gut, die ersten Sekunden aus dem Vocoder sollte man ignorieren, aber danach wird es durchaus schmissig. "IAAM" steht für "I am a mountain" und klingt auch so, als hätte man Biffy Clyros "Mountains" in der Käsefabrik aufgenommen. Besser als die absolut gehaltfreie Pianonummer "All my love" ist das jedoch immer noch. "Whether it rains or pours / I'm all yours", singt Martin und die Musik klingt passend zu den Reimen unfassbar basic.

"La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la / La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la / La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la / La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la / La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la / La-la, la-la / La-la, la-la, la-la-la"

Wenn sich Martin gerade nicht zu irgendwelchen Texten hinreißen lässt, überströmt er seine Zeilen mit "oh oh oh" und "la la la" geradezu inflationär. Er sucht ständig die "Good feelings", wie zu einer penetrant slappenden Bassline im gleichnamigen Track, der sich wie Sommerpop mit Sonnenbrand anfühlt und in dem Moment, in dem ich diesen Satz tippe, in irgendeiner Werbung läuft. "All the good feelings for one another / As we danced to the radio." "Moon music" hat dort zumindest "Feelslikefallinginlove" untergebracht, dürfte mit seiner Unentschlossenheit zwischen plattem Euphorie-Pop und künstlerischem Anspruch aber wie sein Vorgänger langfristig im Niemandsland versanden.

"La, la, la-la-la-la-la / La, la-la, la-la / La-la, la, la-la-la-la-la / La-la, la-la, la-la / La, la, la-la-la, la / La-la, la, la-la-la / La, la-la, la-la-la, la / La-la, la-la, la-la / La-la, la-la, la / La-la-la, la-la, la / La-la, la-la-la / La, la-la / La-la-la, la-la-la / La-la-la, la-la-la / La, la-la, la-la-la-la / La-la, la-la, la-la"

Nach zwölf Alben solle Schluss sein bei Coldplay, so Martin in seiner ungefähr 23. Ankündigung in diesem Stil. Vielleicht gehört es zum Zweiflerdasein dazu, sich ständig zu fragen, ob es noch etwas zu sagen gibt. "Moon music" hat durch seine Ambient-Anleihen einen leicht anderen Touch, bleibt am Ende aber eine etwas bedeckt gehaltene Version von "Music of the spheres": weniger aufdringlich, aber auch ärmer an bleibenden Momenten. Coldplay rufen mit ihrem Streben nach Grandiosität oft den Vergleich mit U2 auf den Plan, müssen aber aufpassen, nicht eher zu Maroon 5 zu werden – samt öffentlichkeitssüchtigem Frontmann plus gesichtlosen, austauschbaren Musikern. Dabei stimmt Drummer Will Champion höchstselbst sogar im Hidden Track gemeinsam mit Martin die ausklingenden La-La-Lagerfeuer-Gesänge an. Was bleibt da noch zu sagen?

"La-la, la-la, la, lay / That's all, all I can say"

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Moon music (feat. Jon Hopkins)
  • Alien hits / Alien radio
  • Aeterna

Tracklist

  1. Moon music (feat. Jon Hopkins)
  2. Feelslikeimfallinginlove
  3. We pray (feat. Little Simz, Burna Boy, Elyanna & Tini)
  4. Jupiter
  5. Good feelings (feat. Ayra Starr)
  6. Alien hits / Alien radio
  7. IAAM
  8. Aeterna
  9. All my love
  10. One world

Gesamtspielzeit: 44:00 min.

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