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Envy - Eunoia

Envy- Eunoia

Pelagic / Cargo
VÖ: 11.10.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alles ist gut

Drei Dekaden harte Arbeit, ein abtrünniger Lead-Sänger, ein Land im Umbruch: Japans Post-Hardcore-Architekten Envy haben vieles überstanden, sich dabei jedoch immer einen positiven Blickwinkel auf die Dinge bewahrt. Während Stücke wie "Rhythm" die zerbrechliche Seite des Sextetts auf "The fallen crimson" bereits immens in den Vordergrund rückten, konnten die Szene-Legenden das Filigrane seitdem noch weiter verfeinern und mit die leichtesten und schwerelosesten Kompositionen ihrer Karriere vorbereiten. "Eunoia" bündelt die letzten vier Jahre dieses kreativen Schaffensprozesses. Nach schleppendem Beginn haut "Imagination und creation" zwar noch kurz in die Vollen, lässt Frontmann Tetsuya Fukagawa zwischen seinen Trademark-Shouts und den altbekannten Vorträgen in einer für die meisten Hörer*innen ungewohnten Sprache allerdings auch die Zeit für einen ungemein besinnlichen Refrain finden. Es ist sofort wieder da, das alte Envy-Gefühl: die perfekte Mischung aus Härte, Sanftmütigkeit und Euphorie. Es war nie weg.

Und gerade Sanftmütigkeit bestimmt zunächst das Geschehen auf dem nunmehr achten vollständigen Werk der Screamo-Instanz aus Tokio. "The night and the void" lässt eine freundlich mäandernde Gitarrenlinie von der Leine, die einen großen Brocken purer Zärtlichkeit einleitet. Dieser pendelt sich zwischen Postrock und waschechten Pop-Tendenzen ein, die perfekt zur Untermalung eines friedlichen "Slice of life"-Animes taugen würden. So klingt ein sonniger Frühlingsmorgen, an dem man nicht zur Schule muss. Alles ist gut. Und es geht wundervoll sonnig weiter: Das fröhliche Riff von "Beyond the raindrops" macht beinahe dem nahen Verwandten im nach wie vor göttlichen "Footsteps in the distance" Konkurrenz. Auch hier packt Fukagawa wieder den Clean-Gesang aus und gleitet auf großen Melodiebögen davon.

Die zweite Hälfte von "Eunoia" lässt es dann allerdings doch zunehmend krachen: In seiner Verschrobenheit wird "Whiteout" zum Fremdkörper und würgt seine Hardcore-Riffs gleich wieder ab, um hektischen Spoken-Word-Passagen Platz zu machen, die wiederum in Mathcore-Gewusel ausbrechen, bevor wieder alles zum entspannten Postrock zurückfindet. Und dann noch mal von vorn. Ach, wer braucht schon Genres! Envy führen vor, dass klare Versatzstücke egal werden, sobald man einen derart eigenen Sound findet, wie es das Quintett schon vor Jahrzehnten geschafft hat. Der Zwilling aus "Lingering light" und "Lingering echoes" führt über ein Horrorfilm-Intro in die "shiranai sekai", die "unbekannte Welt", in der nichts ist, wie es einmal war. Zu einer bedrückenden Grusel-Atmosphäre dürfen die Gitarren sich hier sogar an groovy Nu-Metal-Riffs heranwagen.

Keine Untertitel bedeutet eben auch: keine unnötigen Kopfsachen. Nicht nur wegen der japanischsprachigen Lyrics, die bandtypisch sehr viel Raum einnehmen, funktionieren Envy komplett auf intuitiver und emotionaler Ebene. Wie sehr sie sich jetzt in genau welchen Details weiterentwickelt haben und exakt welcher Track welchen Albums gerade rotiert, ist eigentlich nicht von Belang. Auch "Eunoia" ist eine Envy-Platte par excellence, der man höchstens vorwerfen kann und muss, dass sie mit ihrer halben Stunde wirklich verdammt kurz geraten ist. Aber was macht das am Ende schon aus? "January's dusk", der achte Song des achten Albums, lässt eine gespenstische, elektronisch verzerrte Frauenstimme zuversichtliche Abschiedsworte raunen, während Fukagawa den "atarashii asa" beschwört. Den neuen Morgen. Seid unbesorgt. Alles ist gut.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • The night and the void
  • Beyond the raindrops
  • Lingering echoes

Tracklist

  1. Piecemeal
  2. Imagination and creation
  3. The night and the void
  4. Beyond the raindrops
  5. Whiteout
  6. Lingering light
  7. Lingering echoes
  8. January's dusk

Gesamtspielzeit: 30:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Magoose

Postings: 91

Registriert seit 15.06.2013

2024-11-24 00:05:08 Uhr
Da geht sie hin, meine Begeisterung für meine einstige Lieblingsband.

Das fing mit Recitation an, ging mit Fallen Crimson weiter. Eunoia ist der neue Tiefpunkt. Sehr unausgegoren für mich.

Klar sind die Gitarrenlinien noch unverkennbar da, aber ich finde sie schwanken ziellos auf der Suche nach einer neueren, offenen, positiveren Stimmung hin und her. Vielleicht finden sie diese noch auf einem der nächsten Alben, aber das hier ist sicher nicht der große Wurf.

Beefy

Postings: 542

Registriert seit 16.03.2015

2024-10-19 20:34:08 Uhr
Überraschend kompakt, finde ich erfrischend. Und die Gitarrenmelodien suchen in diesem Genre ihresgleichen!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30700

Registriert seit 08.01.2012

2024-10-07 20:11:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 11959

Registriert seit 23.07.2014

2024-07-24 17:23:45 Uhr
Am ehesten habe ich die postrockigeren Sachen der „Recitation“ im Kopf, wobei der Song nochmal eine ganze Ecke sanfter ist. Die Gitarren sind deutlich weniger heavy, von Tetsuya gibt es auch kein Geschrei.

Ich finds aufs erste Ohr etwas lahm, auf das Album bin ich aber trotzdem gespannt.

zolk

Postings: 2880

Registriert seit 15.01.2024

2024-07-23 14:30:26 Uhr
Kostet dafür bei bandcamp auch nur 7,99 Euro als Download. Das scheint ja erst mal ein fairer Preis zu sein...
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  • Envy (26 Beiträge / Letzter am 17.07.2020 - 19:03 Uhr)

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