Stereolab - Margerine eclipse

Stereolab- Margerine eclipse

Elektra / Eastwest / Warner
VÖ: 01.03.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kosmetische Sternenmusik

Während die Klangwerker Stereolab mit krausen Pop-Alben wie "Mars audiac quintet" oder dem eindrucksvollen "Emperor tomato ketchup" allerlei Münder offenstehen ließen, sorgte ein gänzlich unmusikalisches Ereignis für Atemstillstand bei Band und Fans. Ende 2002 wurde die Keyboarderin, Gitarristin und Sängerin Mary Hansen bei einem Fahrradunfall getötet. Ein Schock. Doch statt sich in depressiver Aufarbeitung dieses Unglücks zu verlieren, überraschen die frankophilen Briten auf dem butterweichen "Margerine eclipse" mit beinahe luftigem Gesäusel.

Tim Gane hatte schon vor Hansens Tod als Reaktion auf den eher spannungsarmen Vorgänger "Sound-dust" einen Haufen positiver, fast fröhlicher Songs skizziert. Ein live im Studio eingespieltes Album sollte es werden, direkter und unmittelbarer als zuletzt. Doch alles blieb anders, und ein experimentelleres Konzept trat auf den Plan, mit dem Stereolab ihren retrofuturistischen Namen mehr denn je verwirklichen können. Von Ganes ursprünglichen Gedanken blieb nämlich nur ein Kanal übrig. Den anderen der beiden Stereokanäle bevölkern unabhängig davon skizzierte Arrangements, die vornehmlich dem Computer und anderen elektronischen Gerätschaften entlockt wurden.

So weit, so spannend. Doch leider entblößen die parallel fluoreszierenden Ringelreigen von "Margerine eclipse" einige Macken. Gut, das gehört prinzipiell so im Indie-Helden-Kontext, aber hier entpuppt sich dies als Nachteil. So verpufft die so schick angedachte Kanaltrennung durch ihre oft nur zu erahnende Gegensätzlichkeit. Zudem wird der fehlende Zwang der Melodien gerne mit harmlosen Tralala kaschiert, welches nach den komplex gemeinten, manchmal verquasten Entwürfen der letzten Jahre im leichten bis seichten Easy-Listening-Fach wühlt. Das notwendige Gegengewicht zu all dieser Süßlichkeit denkt man jedoch nur versonnen um die Ecke, statt wirklich zur Tat zu schreiten. Man ahnt, daß das Freejazz sein will oder auch mal augenzwinkernder Moog-Lounge. Doch zu sehr wird gewünscht statt einfach zu sein.

Ähnlich versucht sich Chanteuse Laetitia Sadier an den hohen Passagen, die einst Hansen vorbehalten waren, und verzielt sich um das eine oder andere Hertz. Die entfernte Ähnlichkeit mit Wohlklang ist aber natürlich weiterhin Bestandteil des Konzepts. Die fiese Farfisa aus "Vonal declosion" oder der entrückt mäandernde SciFi-Bossa "Cosmic country noir" schweben erhaben über allen Zweifeln. Der kaputte Stampfer "Margerine Rock" sorgt sogar richtig für Laune. Und am Ende driftet das schelmische Epos "Dear Marge" auf einem durchgeknallten Disco-Beat davon. Irgendwo ins All, wo sich Mary Hansen Pril-Blumen ins Haar steckt und mit Austin Powers flirtet.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Vonal declosion
  • Cosmic country noir
  • Margerine rock

Tracklist

  1. Vonal declosion
  2. Need to be
  3. "... sudden stars"
  4. Cosmic country noir
  5. La demeure
  6. Margerine rock
  7. The man with 100 cells
  8. Margerine melodie
  9. Hillbilly motobike
  10. Feel and triple
  11. Bop scotch
  12. Dear Marge

Gesamtspielzeit: 53:40 min.

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