Fil Bo Riva - Modern melancholia
Vertigo / Universal
VÖ: 20.09.2024
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Wehmütiger Stillstand
Es scheint, als würde Fil Bo Riva hauptberuflich Trübsal blasen. Warum sollte auf sein Debüt "Beautiful sadness" sonst "Modern melancholia" folgen? Beide Alben sind mit ähnlich niederschmetternden Songtiteln übersät. Und auch inhaltlich gibt es nicht viel zu lachen. Der deutsch-italienische Songwriter singt über Selbstreflexion und schwierige Phasen im Leben. Musikalisch bewegt er sich weiterhin zwischen Indie-Rock und Alternative-Pop. Damit schlägt er eine große Brücke zu seinem Debütalbum: Für einen lauen Festivalnachmittag ganz nett, aber wirklich neu oder inspiriert klingen die Sounds auch auf "Modern melancholia" nicht. Zwar variiert Fil Bo Riva, der bürgerlich Filippo Bonamici heißt, mit Rhythmus und der allgemeinen, emotionalen Dynamik in seinen Songs. Das Soundgerüst wiederholt sich allerdings und ist somit schon nach kurzer Zeit abgenutzt. Unterscheiden sich die Songs am Ende nur in ihrem Tempo? Beim Opener "Modern melancholia" und "Black & blue" scheint es so. Während der Titelsong für wenige Sekunden mitreißen kann, lehnt Fil Bo Riva sich bei "Black & blue" zurück und schiebt E-Gitarren-Sounds in den Vordergrund. Im Gedächtnis bleibt allerdings keins der beiden Stücke.
Ein Problem, das sich während der vierzehn Songs des Albums durchzieht. Sich musikalisch und lyrisch in eine Wolldecke der Melancholie hüllen, kann überraschend angenehm sein. Aber wo moderne Betrübtheit versprochen wird, bleibt es sprachlich eher oberflächlich und melodisch zu bemüht. Am Ende scheint der Hit-Druck die emotionalen Nuancen zu ersticken. Doch auch die Hits müssen erst einmal genau herausgehört werden. "Lost in life" ist immerhin ein erfrischender Ausbruch. Der Song ist weniger gitarrenbetont und dank Keyboard-Einsatz poppig, wenn nicht sogar tanzbar. Lyrisch bleibt Fil Bo Riva hier abermals generisch: "Take me through the night / I got a million reasons / I gotta make it right", heißt es etwa im Refrain, der immerhin einer der packendsten auf "Modern melancholia" ist. Auch "Young & free" klingt nicht nach Alternative-Songwriter-Routine: Die Basslinie erinnert hier an das Niveau von The xx. Doch ausgerechnet hier versteckt sich ein Wermutstropfen: Der Sound ist so überladen, dass der Bass unter aufbauschenden Gesang und einer sich plötzlich von anhaltender Trägheit fortbewegenden Gitarre versteckt wird.
Wo bleibt die Weiterentwicklung? Während Fil Bo Riva auf "Modern melancholia" weiterhin seine altbewährten musikalischen Mittel ausschöpft, fehlt es an Überraschungen. Zwar gelingt es ihm, emotionale Schichten anzudeuten, doch dem Album mangelt es an echter Tiefe. Vielleicht wäre weniger Melancholie und mehr Mut zur klanglichen und textlichen Veränderung ein nächster logischer Schritt für Fil Bo Riva.
Highlights
- Lost in life
Tracklist
- Modern melancholia
- Black & blue
- Everything's illusion
- Heaven won't cry
- Lost in life
- Lucy
- I like you
- Caroline
- Wasteland
- Couldn't be there for you
- Running in circles
- Young & free
- Never before
- God is a freak
Gesamtspielzeit: 57:06 min.
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