The Walkabouts - Train leaves at eight

The Walkabouts- Train leaves at eight

Glitterhouse
VÖ: 29.05.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alle Achtung an der Bahnsteigkante

Ein Mann mit Trenchcoat und dunklem Hut kniet auf einer Brücke und schaut in den Nebel. Düster und unbehaglich, aber von melancholischer Wärme erfüllt, wirkt dieses Bild. Ähnlich atmosphärisch wie schon das Covermotiv ist auch "Train leaves at eight" gelungen. Dies ist es also, das Album der Walkabouts, auf dem sie ausschließlich Songs von europäischen Künstlern covern. Die ganz eigene Stimmung von "Train leaves at eight" hat in der Tat etwas sehr europäisches an sich. Die bittersüße Verzweiflung, die sanfte Hingabe und die verträumte Melancholie sind tatsächlich gänzlich unamerikanisch. Statt einfach irgendwelche Lieblingssongs zu bearbeiten (wie auf "Satisfied mind") begibt sich der Fünfer aus Seattle also auf glattes Eis. Um so erfreulicher ist es, daß man keine Angst um das nötige Fingerspitzengefühl haben muß. Bei dieser Band kann man sich eben immer auf das gewisse Quentchen mehr an Sorgfalt verlassen.

Schaut man sich die Liste der Originalinterpreten an, fallen sofort Namen wie Jacques Brel, Scott Walker, Mikis Theodorakis, Stina Nordenstam oder dEUS ins Auge. Mit Blumfelds "So lebe ich" (hier als "That's how I live") und "Leb' wohl" von Neu! sind gleich zwei Stücke deutscher Herkunft vertreten. Mit der gleichen Sorgfalt, die auch bei der Songauswahl benutzt wurde, transportierte man alle Stücke liebevoll in den eigenen Kosmos und ließ die Texte behutsam übersetzen. So unterschiedlich die jeweiligen Herkünfte auch sein mögen, so vertraut erscheinen sie doch, wenn sie hier erklingen. Die zurückhaltenden Arrangements einer Band, die von Gästen wie Peter Buck (R.E.M.), Dan Tyack (Asleep At The Wheel) und Steve Berlin (Los Lobos) unterstützt wird, erlauben den sehnsuchtsvollen Stimmen von Chris Eckman und Carla Torgerson, genug Raum für Gefühle zu lassen. Geschichten sollen eben auch mal geflüstert werden dürfen.

Das Motiv des Zuges, der im Albumtitel erwähnt wird, erklärt die musikalische Reise, auf die uns die Walkabouts mitnehmen. Auch das gleichnamige Stück Mikis Theodorakis' weist den Weg in eine wohlige Traurigkeit. Zwischen den Klängen von Akkordeon und Zigeunergeigen dürfen die Zuhörer an den ganz persönlichen Erfahrungen teilnehmen, die die Band auf ihrer Reise machte. "Songs from continental Europe" hätte ebenfalls Titel dieses Albums sein können. Wie Chris Eckman aber treffend feststellt, wäre dieser gänzlich unsentimentale Titel dem Album keineswegs gerecht geworden. Zu viele Fragen werden aufgeworfen, als daß ein solch leidenschaftsloser Titel passen würde. "Warum hält der Zug immer an den gleichen Stellen? Warum scheinen unsere musikalischen Geschichten immer in nur eine Richtung zu reisen? Warum erscheint unser Gepäck so abgetragen zu sein, wenn wir eigentlich nirgendwo hin gelangen?" Um die Antwort auf diese Fragen zu finden, muß man sich schon auf diese musikalische Reise einlassen. Mit jeder weiteren Fahrkarte wird es denn auch spürbar wärmer ums Herz.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Man from Reno
  • That black guitar
  • Wake me up before I sleep

Tracklist

  1. The train leaves at eight
  2. Man from Reno
  3. That black guitar
  4. Disamistade
  5. Silenci
  6. Hard winds blowin'
  7. Everyone kisses a stranger
  8. People such as these
  9. Wake me up before I sleep
  10. Solex in a slipshod style
  11. That's how I live (So lebe ich)
  12. And she closed her eyes
  13. Death's threshold step #2
  14. Leb' wohl

Gesamtspielzeit: 66:53 min.

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