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Loma - How will I live without a body?

Loma- How will I live without a body?

Sub Pop / Cargo
VÖ: 28.06.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwischen Räumen

"How will I live without a body?" Vielleicht musste Emily Cross diese Frage schon oft beantworten, arbeitet sie schließlich hauptberuflich als Sterbebegleiterin. Der Gedanke einer körperlosen Existenz passt allerdings auch wunderbar zum transzendentalen Charakter ihrer Band Loma. So diffus, wie das Trio aus Cross, ihrem Ex-Mann Dan Duszynski und Shearwater-Kopf Jonathan Meiburg seinen Art-Pop in die Luft malt, wähnt man sich beim Hören im stetigen Kontakt zu einer Zwischenwelt. Reflexionen über Vergänglichkeit prägen nicht nur den Titel des dritten Loma-Albums, für das sich die inzwischen in Berlin, Dorset und Texas verstreuten Bandmitglieder in einem kleinen Steinhaus zusammenfanden, das einst eine Sargschreinerei war – inklusive eines als Gesangskabine herhaltenden ausgepolsterten Sargs. Der ungewöhnliche Proberaum erdete ihre Musik in erster Linie, wodurch "How will I live without a body?" mehr auf fragmentierte Rockband-Arrangements als auf die Synths des Vorgängers "Don't shy away" setzt. Daran ändert auch die Kooperation mit Laurie Anderson nichts, die eine mit ihrem Schaffen gefütterte KI als Teilzeit-Texterin zur Verfügung stellte – nur ein weiteres Beispiel dafür, wie Loma mit dem Ungreifbaren kommunizieren.

"Please, come in" lautet die titelgebende Einladung des Openers, der sich von Vogelgezwitscher umrahmen lässt. Dazwischen rollt ein felsiges Schlagzeug vorwärts, während Cross' Vocals immer weiter nach oben steigen und sengende Tasten und Saiten wie Feuerfontänen ins Idyll brechen. Es ist nicht das einzige Mal, dass Loma ein wenig wie Low klingen, bevor diese damit angefangen haben, ihre Tapes in den Schredder zu stecken. "Watch them growing, maybe / Blooming in the blank terrain", heißt es im Slowcore-Folk von "Unbraiding", das nach anfänglicher Akustikgitarren- und Piano-Begleitung wahrlich aufblüht und Streicher auf Feedback-Krach treffen lässt. In "I swallowed a stone" muss man bei Bildern ertränkter "darlings" gleich in der ersten Szene schlucken, doch Cross zeigt sich von der atmosphärischen Schwere unbeeindruckt – vielleicht, weil die von Meiburg geschriebenen Worte nicht ihre eigenen sind. Loma können es jedoch auch bedeutend leichter: Von der Percussion eines deutsch-brasilianischen Ensembles unterstützt, ertastet "Arrhythmia" in Trance die Beschaffenheit der Welt, bevor "A steady mind" trotz bedrohlichen Untertons mit Stakkato-Viola und Radiohead-Gitarren einen mitreißenden Groove entwickelt.

"Another day like any other day / Another well-worn answer / With a face worn over time / Held up, exposed to light", singt Cross hier. Die Ruhe zu bewahren im Angesicht erdrückender Alltagslasten – ein Manöver, das Loma regelmäßig abzubilden scheinen, wenn etwa "Pink sky" seinem unheimlichen Bass- und Holzbläser-TripHop mit einer mehrstimmigen Refrain-Beschwichtigung begegnet. Auch die Single "How it starts" beherrscht die fragile Balance zwischen Anspannung und Erlösung perfekt, hebt in der zweiten Hälfte von Synth-Arpeggios getragen ab und kitzelt aus Andersons KI eindrückliche Poesie heraus: "Faith is a rhyme / Like weather / Knows to name you / Knows to feel you." Ebenso großartig auf dramaturgischer Ebene ist das achtminütige, schlafwandlerische Art-Folk-Epos "Broken doorbell", an dessen Ende nur noch die Wellengeräusche der südenglischen Küste übrigbleiben. Die perfekte Einstimmung für ein hoffnungsvolles Albumfinish: Erst bummelt der JazzHop von "Affinity" entspannt durchs Grün, dann kommt das von einer zarten Violine angehauchte "Turnaround" ganz zur Ruhe. "All the gulls in England are calling / Like thoughts of somebody else" – um die stummen Botschaften der Welt um einen herum zu empfangen, gibt es kaum bessere Signalverstärker als die Musik von Loma.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Unbraiding
  • How it starts
  • Broken doorbell

Tracklist

  1. Please, come in
  2. Arrhythmia
  3. Unbraiding
  4. I swallowed a stone
  5. How it starts
  6. Dark trio
  7. A steady mind
  8. Pink sky
  9. Broken doorbell
  10. Affinity
  11. Turnaround

Gesamtspielzeit: 45:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 6133

Registriert seit 20.06.2013

2025-01-29 07:53:05 Uhr
Für mich ihr bestes, ich höre es auch nach wie vor sehr gerne. Neue Shearwater scheint auch in Arbeit

honkhank

Postings: 8

Registriert seit 07.12.2019

2025-01-28 22:06:30 Uhr
Läuft bei mir seit Ende des Jahres in Dauerschleife. Lange her, dass mich ein Album so abgeholt hat. Die atmosphärische Dichte: Gänsehaut.
Loma hatte ich bis jetzt nicht auf dem Schirm. Ich hab nur reingehört wegen der Referenzen wie Daughter/EX:RE hier bei Plattentests.

MickHead

Postings: 11287

Registriert seit 21.01.2024

2024-07-22 23:21:41 Uhr
Hallo Armin!
Gibt schon einen Thread!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30514

Registriert seit 08.01.2012

2024-07-22 20:26:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 11287

Registriert seit 21.01.2024

2024-06-26 17:21:01 Uhr
Neuer Song "Affinity"

https://youtu.be/_dl16a3jPm4?si=ENM3j205iL7esP28
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