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Pond - Stung!

Pond- Stung!

Spinning Top / Cargo
VÖ: 21.06.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Human beeings

Anfang bis Mitte der 2010er-Jahre war Australien eine kleine Hochburg des modernen Psychedelic Rock. Mittlerweile hat sich die Szene etwas verwässert, vor allem, weil die Big Player in anderen Gewässern planschen. Tame Impala? Hüftschwingt sich durch die Disco und hat die Gitarre an der Garderobe abgegeben. King Gizzard & The Lizard Wizard? Drehen sowieso in allen möglichen und unmöglichen Genres komplett frei. Ein Glück für alle Traditionalist*innen, dass es Pond gibt. Die von Beginn an mit Kevin Parker verbandelte Band mag sich zwar auch in Richtung weniger Garagen-Fuzz und mehr Stilvielfalt entwickelt haben, hält dabei aber tapfer die Basics aufrecht. Ihr bereits zehntes und an einem australischen Surf-Hotspot aufgenommenes Album "Stung!" veranstaltet streckenweise eine Classic-Rock-Fete, die ihr Publikum ganz ohne die Risikofaktoren eines echten Sonnenstichs ins Delirium schickt.

Zu Beginn dient der ewige Sommer allerdings noch als Metapher für einen nicht enden wollenden Herzschmerz. "I loved someone / But they didn't love me", singt Nick Allbrook in "Constant picnic", einer nur perkussiv aufgeweckten Synth-Ballade. Die Party geht erst mit "(I'm) stung" los, das seine regenbogenfarbenen Riffs im Refrain explodieren lässt, bevor es mit Mellotron und Slide-Gitarren zur Ruhe kommt. Textlich sieht es jedoch immer noch düster aus, wenn Allbrook die Liebe mit einem verlorenen Boxkampf vergleicht: "What I feel don't matter, baby / As long as you're having fun." Der natürlich nur mit vokalen Prince-Verbeugungen vorgetragene Schwitzkasten-Funk von "So lo" faltet das Leid in existenzialistische Dimensionen auf: "All this suffering is all part of being / Making sense at all seems so Sisyphean." Da groovt man sich lieber gleich im zwischen Glam-Rock und Led Zeppelin aufgespannten "Neon river" ins Gitarren-Nirwana, während allerlei Soundeffekte durch den Nebel schneiden.

Dass "Stung!" in einer laut eigener Aussage schwierigen Lebensphase für Allbrook entstanden ist, hört man ihm nur selten an – "And as for the head / Well, it's still depressed", heißt es ungewohnt deutlich im mysteriösen "Elephant gun". Die Musik fängt die dunklen Gedanken stets auf, auch wenn sie dafür etwas Zeit braucht: "Black lung", eine Black-Sabbath-Huldigung mit schwerem Synth-Bass, lässt sich etwa im Schlussakt euphorisch nach oben reißen. Das von Blurs "Beetlebum" inspirierte "O, UV ray" überführt an anderer Stelle akustische Melancholie in eine von Konserven-Streichern und Bläsern umhüllte Wohlklangsblase. Und auch der Closer "Fell from grace with the sea" nutzt sein Grand Piano nicht zum Runterziehen, sondern dazu, der trotz einer handelsüblichen Länge von 54 Minuten als Doppelalbum ausgewiesenen Platte eine würdige, cineastische Schlussnote zu verpassen.

Dass nicht jeder Moment auf allerhöchstem Niveau zündet und etwa "Sunrise for the lonely" ganz schön in den Seilen hängt, lässt sich angesichts der Highlights schnell verzeihen. Allen voran ist hier die Klimawandel-Abrechnung "Edge of the world pt. 3" zu nennen: ein achtminütiges Psych-Prog-Epos mit Kirchenglocken, Saxofon, Jazz-Flöten, spacigen Elektro-Trips und fliegenden Schweinen im Finale. Ganz anders, aber genauso gut ist der kompakte Power-Pop von "Boys don't crash", der jede Lethargie zwischen seinen Saiten verschwinden lässt. Mit ähnlicher Energie rast "Last Elvis" vorwärts, eine zweifelhafte Hommage nicht an den King selbst, sondern an seine zahlreichen aufmerksamkeitssüchtigen Imitatoren: "The last Elvis in Madison Square / Billboards sparkle off his liquorice hair / Last year's papers blow 'round his flairs / At his cassette's crescendo he kicks at the air / No one's clapping / So he whips 'round his crotch / Hearing only an echo saying, 'Thank you very much.'" Bis dahin ist es für Pond zum Glück noch ein weiter Weg.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • (I'm) stung
  • Edge of the world pt. 3
  • Boys don't crash
  • O, UV ray

Tracklist

  1. Constant picnic
  2. (I'm) stung
  3. Neon river
  4. So lo
  5. Black lung
  6. Sunrise for the lonely
  7. Elf bar blues
  8. Edge of the world pt. 3
  9. Stars in silken sheets
  10. Boys don't crash
  11. O, UV ray
  12. Last Elvis
  13. Elephant gun
  14. Fell from grace with the sea

Gesamtspielzeit: 54:32 min.

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Registriert seit 25.09.2014

2024-07-08 12:08:31 Uhr
Ich fand sie live auch sehr gut. Im Oktober sind sie in Europa (Köln, Berlin, Hamburg, Dresden, Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Paris und UK), falls das jemanden interessiert.

In das neue Album wird morgen reingehört :)

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2024-07-07 18:30:14 Uhr - Newsbeitrag
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  • Pond (11 Beiträge / Letzter am 21.10.2014 - 12:36 Uhr)

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