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Griff - Vertigo

Griff- Vertigo

Warner
VÖ: 19.07.2024

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Überfliegerin

Es gibt einfach Menschen, die deutlich mehr PS unter der Haube haben als andere. Manch einer ist schon vollumfänglich damit ausgelastet, morgens unfallfrei aus dem Bett zu finden, mittags eine 5-Minuten-Terrine (Nudeln mit Rahmsauce) zuzubereiten und abends Netflix-Serien zu bingen. Und dann gibt es da noch diese Überperformer*innen, die schon in der Jugend mit Einser-Abi und Jugend-forscht-Preis glänzen, um dann später hochdotiert Unternehmen zu beraten, nebenher die Bratsche in einem gut beleumundeten Orchester zu bedienen und zu dann auch noch ein Ehrenamt zu bekleiden. In diese zweite Kategorie gehört definitiv Sarah Faith Griffiths, kurz Griff: authentisch erscheinende Lobeshymnen in Sunday Times, Rolling Stone und dem NME, ein fetter Warner-Plattenvertrag, eine rund 40 Premium-Venues umfassende Welttournee am Start. Das alleine wäre schon erstaunlich genug, aber die gute Dame ist gerade mal Jahrgang 2001; also wirklich: Da muss einem doch schwindelig werden (man achte auf den Albumtitel)!

Wem es definitiv angesichts solcher Meriten schwindelig werden dürfte, das sind arrivierte Superstars wie Taylor Swift (wobei diese, wie man fairerweise zugeben muss, derzeit eine ihrer großen Förderinnen ist). Denn ob man diese Art von Popmusik nun mag oder nicht, Griff wirft stimmliche Qualitäten in die Waagschale, die sie unmissverständlich als Ausnahme- und Naturtalent auszeichnen: strahlend-klar wie Beyoncé Knowles, hochenergetisch wie eine Whitney Houston zu ihren allerbesten Zeiten, phrasierungsstark und rhythmisch traumwandlerisch sicher. Und das alles hört man exemplarisch auf dem einzigen Livetrack des Albums ("So fast") – hier performt sie nur mit einer Akustikgitarre und zeigt die volle Bandbreite ihres stimmlichen Könnens. Unglaublich ausdrucksvoll gesungen, eine Stimme wie flüssiges Gold, es ist schlicht und einfach wunderschön.

Und jetzt kommt – leider – das große "Aber": Man möchte wirklich wissen, wer Griff hinsichtlich der Konzeption dieses Albums beraten hat. Die 13 anderen Tracks sind nämlich kompositorisch per se überwiegend ähnlich stark (vor allem das balladeske "Astronaut"), doch leider krankt der Spannungsbogen des Albums an einer zwar technisch exzellenten, aber auch viel zu perfekten und glattgebügelten Produktion. Man wollte offenbar in jeder Hinsicht auf Nummer sicher – also Chartskompatibilität um jeden Preis – gehen; die eigentlich ungemein ausdrucksstarke Stimme von Griff wird mit brutalstmöglicher Audiokompression gnadenlos auf ein- und denselben Pegel mit null Dynamik zusammengeschoben. Alles wirkt wie am Reißbrett entworfen, es glitzert und funkelt zwar, die Synthies strahlen, die Bässe wummern, die Drums sind perfekt programmiert. Doch alles wirkt viel zu perfekt, zu nivelliert, zu oberflächlich.

Und so bleibt am Ende ein riesengroßes Fragezeichen. Warum wurde hier so viel Potenzial verschenkt? Wir sind sicher und fest überzeugt: Wer Griff auf einem der vier Deutschlandkonzerte (Köln, Hamburg, Berlin, München) sehen wird, der wird einen absolut fantastischen Abend mit Drive und Power, mit Emotion und Herzschmerz, mit Tanz und Groove erleben. Wer hingegen nur das Album zur Verfügung hat, der wird es möglicherweise nach ein bis zwei Durchgängen ad acta legen, weil der eigentliche Spirit, den die junge Dame mitbringt, einfach nicht verfängt – nicht verfangen kann. Aber wer weiß, vielleicht ist ja auch das Kalkül. Wenn "Griff" schlau ist, sackt sie in den nächsten acht Monaten so viel Geld ein, dass sie nie mehr nach jemandes Pfeife tanzen muss – und macht dann wieder Musik, wie sie es will und wo sie es will. Man sollte sie im Auge behalten, die Überfliegerin.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • So fast
  • Astronaut

Tracklist

  1. Vertigo
  2. Miss me too
  3. Into the walls
  4. 19th hourAstronaut
  5. Anything
  6. Pillow in my arms
  7. Cycles
  8. Tears for fun
  9. Hiding alone
  10. Hole in my pocket
  11. Everlasting
  12. So fast (live @ earth)
  13. Where did you go

Gesamtspielzeit: 44:29 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26943

Registriert seit 08.01.2012

2024-07-07 18:29:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26943

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-26 19:01:06 Uhr - Newsbeitrag
Griff kündigt Debütalbum „vertigo“ an

Albumveröffentlichung am 19. Juli 2024
Neue Termine für die „vertigo“-Welttour bestätigt


Stimmen zur aktuellen Single „Miss Me Too”

“Griff exists in the lineage of Lorde’s hyper-specific and emotional lyricism, as well as Taylor Swift’s knack for a killer hook” - Rolling Stone

"Magnificently bombastic...the British pop star's best yet" - The Guardian
“A magnified, full-bodied sound that has progressed in step with Griff’s own growth…sends Griff’s voice to the stars” - NME
“Recalls Robyn in its devastating one-two of euphoria and melancholy” - Sunday Times



Der große Moment ist gekommen: Nach bisher drei EPs und einem Mixtape hat eines der größten Talente Großbritanniens der letzten Jahre sein Debütalbum angekündigt. Die Rede ist von Griff, die ihr Album „vertigo“ am 19. Juli über Warner Music veröffentlichen wird. Das komplette Tracklisting des Albums enthüllte Griff in Form eines riesigen Kleides von CSM-Designerin Eden Tan, auf das die Songtitel aufgesprüht sind.

Neben der Albumankündigung hat Griff zudem eine Reihe von weltweiten Konzerten bestätigt, mit denen sie ihre „vertigo“-Welttournee fortsetzt. Auch Deutschland ist wieder mit von der Partie, mit vier Shows (Köln, Hamburg, Berlin, München) in größeren Venues im November. Nach den ausverkauften Shows im März gibt es also auch im Herbst wieder die Chance, die Musikerin live zu erleben. Ein weiteres Highlight der Tour dürfte Griffs Konzert im Londoner Alexandra Palace am 13. November werden. Eine Übersicht über alle Termine gibt es unten.



Griff kommentiert: „Das Album handelt von ‚vertigo‘ als Emotion und dem gar nicht mal so unähnlichen Gefühl bei Liebeskummer: man fühlt sich schwindelig und auf eine Art, als würde man kopfüber hängen. Ich wollte dieses Projekt in Teilen herausbringen – Vol.1 handelte davon, sich isoliert und niedergeschlagen zu fühlen, Vol. 2 war von verzweifelter Euphorie geprägt und jetzt, mit Vol. 3, gibt es die ganze Geschichte“.



Lange bevor Griffs Debütalbum einen Namen hatte, ja, noch bevor die erste Single erschienen war, hatte es bereits ein Gefühl: „Vertigo“, Schwindel. Dieses Gefühl in der Magengrube, dass sich die Welt schneller dreht, als man mithalten kann. Dass sich der eigene Platz darin alles andere als sicher anfühlt. Mit ihrem Album nimmt uns Griff mit auf eine Reise der Selbstfindung. Aufgebaut als dynamische, dreiteilige Geschichte, lässt sie das Projekt quasi in Echtzeit vor unseren Augen und Ohren entstehen. Entlang des „vertigo“-Erzählbogens führt der Weg über Melancholie und Herzschmerz hin zu Heilung und Freude. „vertigo“ ist ein Coming-of-Age-Album für unsere komplexe Zeit, ein Werk, mit dem Griff neue kreative Höhen erklimmt, ohne dabei die handgemachte Magie zu verlieren, die sie in den letzten Jahren zur aufregendsten und modernsten Stimme des britischen Pop gemacht hat.



Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Griff so viel mehr ist als „nur“ eine Sängerin und Songwriterin. Von der Produktion über Mode und Design bis hin zu den Spiralmotiven, die als verbindende Klammer ihre Projekte dienen, und ihrer unverwechselbaren Frisur: Griff praktiziert einen ganzheitlichen Ansatz. Und so verwundert es kaum, dass sie die Turbulenzen des Erwachsenwerdens in eine Quelle der Kraft umzuwandeln vermag. Die aktuelle Single „Miss Me Too" vermittelt einen guten Eindruck davon. Der hymnische Track handelt von der (viel zu selten thematisierten!) Ironie, dass man mit zunehmendem Alter oft das Vertrauen in sich selbst verliert, obwohl es doch eigentlich heißt: „Mit dem Alter kommt die Weisheit.“ Der ebenso euphorische wie existenzialistische Song wurde von einem wunderschön choreografierten Video begleitet, das mit seinen mitreißenden Choreografien jeglichen Anflug von Melancholie vertreibt. Ein weiterer wichtiger Einfluss des Albums ist der ungewöhnliche Werdegang der BRITs „Rising Star“-Gewinnern, die als Tochter chinesisch-jamaikanischer Eltern in einer englischen Kleinstadt ganz automatisch Außenseiterstatus hatte und später in den engen vier Wänden ihres Schlafzimmers eine internationale Musikkarriere startete. So talentiert Griff auch ist und so viel reifer als ihre 23 Lebensjahre – ihre Musik klingt so, wie sie lebt: frei von Erwartungen. Für Griff gibt es nicht den einen, vorgezeichneten Weg, ein Album zu machen oder man selbst zu sein.



Unten gibt es das komplette Tracklisting von „vertigo“ und die Termine der kommenden Tour in der Übersicht. Weitere Neuigkeiten von Griff folgen in Kürze.



Vertigo Album-Tracklist:



1. ‘Vertigo’

2. ‘Miss Me Too’

3. ‘Into The Walls’

4. ‘19th Hour’

5. ‘Astronaut’

6. ‘Anything’

7. ‘Pillow In My Arms’

8. ‘Cycles’

9. ‘Tears For Fun’

10. ‘Hiding Alone’

11. ‘Hole In My Pocket’

12. ‘Everlasting’

13. ‘So Fast’

14. ‘Where Did You Go’
Termine der Headlinertour



13.08.24 || Brisbane || Princess Theatre

15.08.24 || Sydney || Enmore Theater

17.08.24 || Melbourne || Northcote Theater

19.08.24 || Auckland || Powerstation

13.09.24 || Washington || 9:30 Club

16.09.24 || Philadelphia || Theatre of Living Arts

17.09.24 || New York || Terminal 5

20.09.24 || Boston || House of Blues

21.09.24 || Montreal || Beanfield Theater

22.09.24 || Toronto || Danforth Music Hall

24.09.24 || Detroit || St Andrew's Hall

26.09.24 || Chicago || The Vic Theatre

27.09.24 || Minneapolis || First Avenue, Mainroom

29.09.24 || Denver || Ogden Theatre

30.09.24 || Salt Lake City || Das Depot

02.10.24 || Vancouver || Der Commodore Ballsaal

03.10.24 || Seattle || Showbox SoDo

04.10.24 || Portland || Crystal Ballroom

06.10.24 || San Francisco || Regency Ballroom

07.10.24 || Los Angeles || The Wiltern

09.10.24 || San Diego || Das Observatorium North Park

10.10.24 || Tempe || Das Van Buren

08.11.24 || Glasgow || O2 Academy

09.11.24 || Birmingham || O2 Academy

10.11.24 || Bristol || O2 Academy

12.11.24 || Manchester || Academy

13.11.24 || London || Alexandra Palace

16.11.24 || Paris || Élysée Montmartre

18.11.24 || Köln || Carlswerk Victoria

19.11.24 || Amsterdam || Paradiso

20.11.24 || Antwerpen || De Roma

22.11.24 || Hamburg || Docks

24.11.24 || Berlin || Huxleys

25.11.24 || Kopenhagen || Vega

27.11.24 || München || Theaterfabrik

29.11.24 || Lausanne || Les Docks

30.11.24 || Mailand || Magazzini Generalli

02.12.24 || Barcelona || Razzmatazz

03.12.24 || Madrid || La Riviera

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