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Julie Christmas - Ridiculous and full of blood

Julie Christmas- Ridiculous and full of blood

Red Crk / Cargo
VÖ: 14.06.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schriller die Glocken

"Die sich gestern so schlecht benommen hat, war die andere." Feine Sache, so ein böser Zwilling, dem man unliebsame Dinge in die Schuhe schieben kann. Einen solchen hat Julie Christmas zwar nicht, aber immerhin eine Schwester – und mit dieser zusammen ersann die New Yorkerin zu oben genanntem Zweck eine imaginäre Freundin, nach der sie sogar ihren ersten Longplayer "The bad wife" benannte. Ganz schön schlimme Fingerin, dieses Alter Ego: als Sludge-Ungetüm zur Welt gekommen, im Post-Metal-Bootcamp gestählt, mit Songs von Jacques Brel und Willie Nelson beschallt, die auf dem Debüt als Coverversionen vertreten waren. Was bei ihren vorigen Bands Battle Of Mice und Made Out Of Babies wohl kaum in die Tüte gekommen wäre – auf ihren eigenen Alben hingegen hat die Frau aus Brooklyn das alleinige Sagen. Und dann wieder irgendwie doch nicht.

Für "Ridiculous and full of blood" setzt sie nämlich auf namhafte Mitstreiter*innen. Etwa auf KEN-Mode-Stammproduzent Andrew Schneider, mit dem sie auch "The bad wife" zusammenschweißte und der zudem die ungemütlich rumorenden Bassläufe beisteuert. Oder auf Johannes Persson von Cult Of Luna, mit denen sie bereits auf "Mariner" ins Weltall entschwebte. Ob es nun der Schwede ist, der den Opener "Not enough" zu rütteligen Industrial-Percussions mit rotglühenden Leads versieht oder doch Laura Pleasants von Kylesa oder Candiria-Mann John LaMacchia, tut im Grunde jedoch gar nicht so viel zur Sache: Hauptinstrument in diesen zehn oft aufgeworfenen und ruinös schabenden Songs ist ohnehin jederzeit die Stimme der 48-Jährigen. Keifen, barmen, schmirgeln, jammern – dieses Organ schafft ein, zwei, drei, ganz viele Stimmungslagen.

Auch in der polternden Vorabsingle "Supernatural", die man sich erarbeiten muss, bis sie sich plötzlich einem erlösenden Power-Riff öffnet und eine Ahnung davon vermittelt, wie es klingen könnte, wenn sich Big | Brave einmal kurz fassen würden. Eine Assoziation, die sich flugs erledigt hat, wenn Persson samt raspelnden Growls zur Stelle ist – etwa bei "End of the world", das sich mit bangen Reverbs, gebremsten Drums und "I just wanted to see you again"-Flüstern als rauer Torch-Song anschleicht und schließlich in einem Fegefeuer aus stimmlichen Extremfällen und rabiat vor sich hergeprügelter Metal-Symphonik verpufft. Ähnlich bringt sich "The lighthouse" in Stellung – mit Synthie-Fläche und erstaunlich grazile Haken schlagendem Gesang, ehe sich Christmas und Persson einmal mehr so bis aufs Messer bekämpfen, dass sich der Begriff Duett von selbst verbietet.

Schriller die Glocken nie klingen, um den fälligen Bezug zum zweiten Vornamen der Künstlerin anzubringen. Doch Julie Christmas kann's noch eine Spur vernichtender, wie vor allem die kürzeren Stücke belegen: Für die fest angezogenen New-Metal-Schrauben und den bösartigen Brachial-Groove des großartigen "Thin skin" benötigt man im Gegensatz zum Titel jedenfalls ein ziemlich dickes Fell. Auch das räudige "Blast" zieht in nur zwei Minuten alles auf links, was Low auf "Hey what" von der plärrenden Lärm-Installation "More" übriggelassen haben, ehe "Five days" dieses herrlich widerborstige Album mit einer aus den Fugen gerateten Swamp-Rock-Gitarre ohne allzu verwegene Stimmband-Verrenkungen beschließt. Doch Vorsicht: Julie Christmas vermag sich sicher noch etwas mehr danebenzubenehmen als auf "Ridiculous and full of blood".

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Supernatural
  • Thin skin
  • End of the world
  • The lighthouse

Tracklist

  1. Not enough
  2. Supernatural
  3. The ash
  4. Thin skin
  5. End of the world
  6. Silver dollars
  7. Kids
  8. The lighthouse
  9. Blast
  10. Seven days

Gesamtspielzeit: 42:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Mawi09

Postings: 110

Registriert seit 27.10.2022

2024-07-12 13:55:22 Uhr
Kannte mir ihr bislang nur Battle of Mice und das war mir damals zu viel und zu schräg.

Das hier ist hat aber Potential. Sicher auch etwas in das man sich erst rein hören muss, aber mit genug Stellen zum andocken. Ihr vielseitiger Gesang und Ausdruck ist schon stark und die Musik dazu gefällt auch.

Durch das Album bin ich auf die Mariner Platte mit Cult of Luna aufmerksam geworden, das Ding ist ein richtiges Brett!

Magoose

Postings: 87

Registriert seit 15.06.2013

2024-07-07 22:44:37 Uhr
Verfolge Julie Christmas schon seit ihrer Battle Of Mice/Made Out Of Babies Zeiten.

Bin nicht immer in Stimmung für das was sie macht aber es kommt immer extrem viel Energie und Intensität rüber. Das aktuell Album ist beinahe ihr zugänglichstes für mich. Wieder gut, und mit Not Enough und End Of The World zwei herausragenden Tracks.
In Summe aber etwas schwächer als Mariner, die Kombination mit Cult of Luna war einfach extrem stark.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26943

Registriert seit 08.01.2012

2024-07-07 18:27:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

manfredson

Postings: 435

Registriert seit 14.06.2013

2024-06-20 11:24:08 Uhr
Das Album ist der Wahnsinn, eins der besten des Jahres bisher finde ich. Muss mich endlich mal mehr mit ihr beschäftigen, bisher kannte ich auch nur "Mariner".

doept

Postings: 734

Registriert seit 09.12.2018

2024-06-19 22:41:11 Uhr
Keine Ahnung ob es hier noch rezensiert wird, aber vor ein paar Tagen wurde das zweite Soloalbum der großartigen Julie Christmas veröffentlicht: "Ridiculous And Full Of Blood"

Vielleicht ist sie einigen durch die Cult of Luna-Kooperation bekannt (Mariner), das Album geht jedenfalls wieder mehr mehr auf ihren eigenen Stil zurück den sie auf ihrem Solo-Album (The bad wife) sowie den Bands Battle of Mice und Made Out of Babies hatte.
Aber ja, Johannes Persson (Cult of Luna) hat auch Auftritte auf dem Album.

Mir gefällt es nach zwei Durhcläofen richtig gut, vielleicht hat ja der ein oder andere auch noch Spaß daran!
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