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Kiasmos - II

Kiasmos- II

Erased Tapes / Indigo
VÖ: 05.07.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mehr Licht

Fast zehn Jahre sind vergangen seit dem selbstbetitelten Debüt von Kiasmos, dem gemeinsamen Projekt von Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen. Eine lange Zeit, in die so manche Geschichte passt. Und leider auch eine Pandemie. Diese entpuppte sich für das Schaffen der beiden Musiker jedoch als Glücksfall: Da an Tourneen nicht zu denken war, verbarrikadierten sie sich in ihren Tonstudios und arbeiteten an Entwürfen für neue Tracks. Nach einigen weiteren Jahren des Feinschliffs erblicken diese nun das Licht der Welt. Auf "II" zeigen Arnalds und Rasmussen ein weiteres Mal, dass sie wahre Meister des Sounddesigns sind. Noch immer ist ihre Musik vom Dubstep britischer Prägung inspiriert und selbstverständlich hört man an vielen Stellen jene unverkennbaren Streicherparts, für die Arnalds berühmt ist. Selbst bei den Tracktiteln bleibt sich das Duo treu: Alles außer englische Verben im past participle ist strengstens verboten.

Wer sich gerne in produktionstechnischen Details verliert, dürfte mit "II" sehr viel Spaß haben. Jeder Track wartet mit überraschenden Ideen auf, wobei besonders die äußerst geschmackvoll konstruierten Beats ein Fest für die Ohren darstellen. Hektik? Fehlanzeige. Die Musik ruht in sich selbst, was sich auch in den Melodien widerspiegelt. Diese bleiben stets minimalistisch und lassen viel Platz für harmonische Modulationen. In Hall getauchte Piano-Arpeggios treffen auf kunstvoll verfremdete Samples, während Drums und Bass stoisch ihr Werk verrichten. Besonders auf Kopfhörern ist "II" ein Genuss: Jedes noch so unscheinbare Element hat seinen Platz im Mix. Dass dabei auch genug Raum für kleinere Experimente wie beispielsweise die leicht dissonanten Keyboards in "Laced" bleibt, ist den Musikern hoch anzurechnen.

Auch wenn es aufgrund der klanglichen Homogenität des Albums schwerfällt, einzelne Tracks hervorzuheben, verdienen einige dennoch eine ausführliche Beschreibung: Zunächst ist da "Burst" zu nennen, das mühelos den Spagat zwischen Tanzfläche und Traumreise hinbekommt. Ebenfalls grandios gerät "Bound", das klar in zwei Hälften geteilt ist: Zunächst dominiert ein schneidender Synth-Bass das Geschehen, während sich aus dem Hintergrund langsam die Streicher nach vorne tasten. Was dann passiert, ist schlicht spektakulär: Die Musik verstummt für einen Augenblick, ehe ein mächtiger Drop den zweiten Part einleitet. Der Bass grummelt zwei Etagen tiefer, die Geigen kratzen im Obergeschoss an den Wolken.

Schließlich gehört noch "Told" erwähnt, das ähnliche Gefühle wie ein Spaziergang bei Sonnenaufgang erzeugt. Alles schimmert und glänzt, mit jedem Schritt werden die Gedanken greifbarer. Aus nächtlicher Ungewissheit schält sich die Idee, dass der kommende Tag ein guter werden möge. Kiasmos machen Stimmungsmusik, aber glücklicherweise nicht jene, bei der sich Menschen bierselig anschreien. Vielmehr hat die Musik von Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen zum Ziel, die Räume zwischen Gemütszuständen zu füllen. Aus dem Diffusen Greifbares zu machen, darum geht es. Vielleicht auch darum, den Maschinen Schönheit abzutrotzen. Exemplarisch hierfür ist der Schlusstrack "Squared", der mit tieftraurigen Streicherakkorden beginnt, bevor die Elektronik das Ruder übernimmt. Immer dichter werden die Sounds, immer drängender die Akkorde. Der Zukunft entgegen, in Hoffnung vereint.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Burst
  • Bound
  • Told
  • Squared

Tracklist

  1. Grown
  2. Burst
  3. Sailed
  4. Laced
  5. Bound
  6. Sworn
  7. Spun
  8. Flown
  9. Told
  10. Dazed
  11. Squared

Gesamtspielzeit: 53:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fakeboy

Postings: 5076

Registriert seit 21.08.2019

2024-07-06 12:37:56 Uhr
Bin sehr grosser Fan vom ersten Kiasmos-Album, das ist atmosphärisch einfach unglaublich dicht, hervorragend produziert und sehr sorgfältig arrangiert. Das neue Album ist nicht wirklich anders, aber holt mich doch weniger ab. Es wirkt irgendwie beliebiger. Vielleicht hab ich es aber auch einfach noch nicht im richtigen Moment gehört.

ichreitepferd

Postings: 867

Registriert seit 22.04.2021

2024-06-28 06:55:00 Uhr
"vom Dubstep britischer Prägung inspiriert"

was

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2024-06-27 22:20:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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