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Crowded House - Gravity stairs

Crowded House- Gravity stairs

BMG / Warner
VÖ: 31.05.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Prosit der Gemütlichkeit

Wenn Weinkenner*innen bei der Verkostung von Rebensäften ins Schwadronieren geraten, dann können andere nur schnell die Flucht antreten angesichts der zahlreichen windschiefen Metaphern, die da so bemüht werden, um den Geschmack zu beschreiben. Da hat ein Gewächs schon mal einen opaken Kern, in der Nase finden sich Anklänge von Interkontinentalflug, Tabak und Leder, aber auch vegetabil-grasige Aromen, gut ausgebaute Strukturen und Tannine – und natürlich nicht zu vergessen den langen Nachhall oder gar auch einen schroffen Abgang. Eine Metapher hingegen darf auch der Unbedarfte fast immer als unmissverständliches Qualitätssiegel werten: wenn nämlich von einem "guten Trinkfluss" die Rede ist. Das heißt auf Deutsch nichts anderes, als dass der Wein gut reinläuft, zum Weitertrinken animiert, mithin einerseits interessant, andererseits aber auch unkompliziert genug ist, um mit ihm einen langen Abend zu verbringen und sicherheitshalber schon mal ein paar Flaschen für den weiteren Verlauf zu dekantieren.

Der musikgewordene Trinkfluss ist das neue Crowded-House-Album. Was die Herren rund um Songwriter Neil Finn ein ums andere Mal – leider fast immer unter dem Radar der Charts – abliefern, ist exzellent gemachte Popmusik, die eigenständig genug ist, um sich nicht in Klischee und Kopien anderer Bands zu verlieren, dabei aber stets gut konsumierbar ist und im besten Sinne nicht weh tut. Popmusik also, die einfach nur ihrem Selbstzweck genügen möchte – und das Versprechen aber auch verlässlich einlöst. Superstark auf ihrem neuen Album ist zum Beispiel der Opener "Magic piano", wo es ohne Vorgeplänkel gleich in eine wunderbar harmonische und sauber komponierte Melodielinie hineingeht – und nach einer kurzen Bridge schon der erste strahlend-blitzblanke Refrain mit zart an- und abschwellender Hammondorgel wartet. Auch das nachfolgende "Teenage summer" mit seiner rundum positiven Energie ist ein Stück, das einfach nur großen Hörspaß bereitet. Worauf sich mit "The howl" dann gleich noch ein weiterer erstklassiger Dreampop-Song anschließt, der auch aus der melodisch-poppigen Schaffensphase von Nada Surf stammen könnte (ja, selbst die Gesangsstimme klingt hier erstaunlich nach Matthew Caws).

Nach diesem überwiegend von Wohlklang geprägten Einstieg folgen zwei etwas schwächere Nummern – wobei das immer noch Jammern auf hohem Niveau ist. Denn selbst ein anfangs etwas gleichförmig dahinplätscherndes "Oh hi" wird im weiteren Songverlauf den einen oder anderen rhythmischen und melodischen Widerhaken auspacken. Ja, was im Grunde alle Stücke eint, ist ein durchgehender Flow (Trinkfluss!), eine Spielfreude und auch ein handwerkliches Qualitätslevel, dem man sich am Ende nur schlecht entziehen kann. Da verzeiht man Crowded House auch in "Some greater plan (for Claire)" den gehörig ktischigen Bouzuki-Einstieg, der in einen ZDF-Fernsehgarten-Sechsachtel-Schunkeltakt überleitet. Denn selbst sowas hat seine Berechtigung, dürfte dieser Track doch einen Segeltörn durch die Kykladen bei einer kommoden Windstärke 5 formvollendet musikalisch begleiten.

Es gibt bestimmt Alben, die innovativer, experimentierfreudiger, wagemutiger sind als dieses, keine Frage. Aber trotzdem ist "Gravity stairs" am Ende eine überzeugende Sammlung aus elf Stücken, die man mit Lust und Vergnügen, aber auch mit etwas Melancholie und Sehnsucht immer wieder hören kann. Und nicht nur das: Man will die Titel auch immer wieder hören, weil sie bei jedem Durchgang noch ein bisschen reifen und immer wieder versteckte kompositorische Finten offenbaren. Kurz: Wäre das Album ein Wein, könnte man guten Gewissens gleich einen ganzen Karton kaufen. Die ersten Bouteillen werden sofort mit guten Freunden auf dem Balkon weggeschlabbert, die anderen kommen in den Weinkeller, denn sie werden in Würde altern und können gewiss auch noch in ein paar Jahren überzeugen. Captain Kork, übernehmen sie!

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Magic piano
  • Teenage summer
  • The howl

Tracklist

  1. Magic piano
  2. Teenage summer
  3. The howl
  4. All that I can ever own
  5. Oh hi
  6. Some greater plan (for Claire)
  7. Black water, white circle
  8. Blurry grass
  9. I can't keep up with you
  10. ThirstyNight song

Gesamtspielzeit: 40:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

swallow

Postings: 8

Registriert seit 29.10.2020

2024-06-28 19:58:42 Uhr
Sehr erfrischende Rezi. Das Album versprüht gute Laune und liefert eine Vielzahl von gut arrangierten Popsongs mit schönen Gesangsparts. Die Stimme von Neil Finn ist immer noch faszinierend.

Saschek

Postings: 500

Registriert seit 23.07.2018

2024-06-27 23:46:19 Uhr
Schöne Rezi. Schönes Album. Schöne Sache.

MickHead

Postings: 1258

Registriert seit 21.01.2024

2024-06-27 22:56:49 Uhr
Das war ja mal eine originelle Rezension.
Prost Herr Reinecke!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2024-06-27 22:19:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 1258

Registriert seit 21.01.2024

2024-06-07 20:21:31 Uhr
Ganz aktuell:

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UK Independent Albums Chart # 3
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Scottish Albums Chart # 6
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