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Beatsteaks - Please

Beatsteaks- Please

BeatRec / Warner
VÖ: 28.06.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Irgendwo in Berlin

Bock auf Abriss? Seit Ende der Neunziger regelmäßig ein Kinderspiel für die Beatsteaks. Nach dem bunten und üppigen Sammelsurium namens "Yours" wurde es ruhiger um die Berliner Live-Lieblinge. Klar lud der Fünfer hin und wieder zum Klassentreffen mit den Fans, zum Beispiel in die heimische Berliner Wuhlheide. Sonst liefe man schließlich Gefahr, die tausend strahlenden Gesichter aus den Augen zu verlieren. Irgendwo aber darf man die vergangenen Jahre schon als Pause einordnen, als eine Art Zur-Ruhe-Kommen, Sich-Sammeln. Was geht noch im Beatsteaks-Kosmos, was vielleicht nicht mehr? Oder was jetzt erst recht?

Zunächst einmal setzte die Band ein Zeichen, lud zur kleinen Clubtour in die kleinsten Läden, um die autonomen Läden, die antifaschistischen Jugendzentren des Landes zu supporten. Wissen, wo man herkommt. Wer sich zum Re-Start der Hauptstädter nun daher ein lautstarkes Knallbonbon erhofft hat, wer etwa den "Smack smash"- oder "Limbo messiah"-Sound gerne auferstanden hätte, zuckt zunächst ungläubig mit den Achseln. Rhythmisch und launig durchaus, aber irgendwie keiner wirklichen Linie folgend, kommt die Musik der Kreuzberger anno 2024 daher. Beispiele? Als Opener verwirrt "Goodbye" auf ganzer Linie, das Stück gerät pumpend und dann intensiv, macht die Post-Punk-Schublade auf, schielt ein wenig gar in Richtung Industrial. Und steht damit völlig für sich alleine, weil das rumpelige und surfrockende, aber sonnige "Detractors" folgt. Kurzerhand wird es Offbeat-selig mit der Vorab-Auskopplung "Dead man", gefolgt vom etwas windschief durch seinen Vorgarten riffenden "Katharina". So weit, so querbeet. "Please" ist anfangs wenig greifbar. So in etwa, als würde man jemand Ortsfremdes irgendwo in Berlin rauslassen, ohne Karte, Handy oder Google Maps, und sagen: "Kiek Dir't ma an, wa?!"

Das bringen Arnim Teutoburg-Weiß und Co. in einem einzigen Song vielleicht sogar auf den Punkt – oder eben nicht: "Traumschiff" klingt originell, kann sich aber irgendwie nicht entscheiden, ob es auf einem The-Clash-Riffing nach vorn preschen oder mit einem Prince-Hüftschwung eher zur Seite tanzen will. Hinten raus kommt ein fluffiges Stück Rockmusik, dem aber irgendwie auch etwas fehlt. Oder, genauer: Das hätte mehr zupacken können. Und während das luftig-poppige "A love like that" noch irgendwie als sommerlicher Schwoof über die sonnengetränkte Haut perlt, müssen sich Beatsteaks-Die-Hards bei "The lunatics (have taken over the asylum)" ob des exotischen Rhythmus-Ansatzes beherrschen, nicht mal eben die Skip-Taste zu drücken. Andererseits zeigt jene Huldigung des 1982er-Songs von Fun Boy Three, wie die Truppe einfach macht, statt auch nur den Hauch eines Gedankens zu opfern, wie auch immer wer das wohl findet. Irgendwo auch DNA dieser Band, die niemals in ihrer Karriere irgendein Kalkül walten ließ.

Zumal mit "Why & because" eine kleine Gitarren-Perle wartet, die mit ihrem Umarm-Chorus versöhnt und sich in die extrem launige Live-Show der Berliner gut einfügen könnte. Und ja, ähnlich stabil wie beim vorab ausgekoppelten "Detractors", das auch fein kantige Clash-Vibes in den Strophen spendiert, bewegt sich der Fünfer auf dem Indie-Rock-Floor, statt in der verranzten Garage zu den Sex Pistols die Ellenbogen zu schärfen. Am meisten Feuer aus den wilden Beatsteaks-Tagen findet sich im energischen "Against all logic". Und neben dem euphorisch-luftigen "Tonight", das als Closer dann doch erheblich Bock auf mehr macht, ist das wunderbar nach vorn galoppierende "Magic feel" ebenso ein kleines Highlight der mitunter seltsamen, aber sicherlich absolut soliden neunten Beatsteaks-LP. An dieser Stelle darf aber auch die Frage erlaubt sein, wer zu "Please" nicht nur aus Zuneigung "Danke, Jungs!" sagen wird.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Detractors
  • Magic feel
  • Tonight

Tracklist

  1. Goodbye
  2. Detractors
  3. Dead man
  4. Katharina
  5. Traumschiff
  6. Against all logic
  7. Love like that
  8. The lunatics (have taken over the asylum)
  9. Why & because
  10. Magic feel
  11. Tonight

Gesamtspielzeit: 36:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

sizeofanocean

Postings: 1377

Registriert seit 27.01.2020

2024-07-03 10:10:36 Uhr
"So viel ist schon mal klar: die 6/10 wird dem Album nicht gerecht."

absolut richtig, für diese Mittelmäßigkeit in Reinform wären höchstens 5/10 angebracht.

fakeboy

Postings: 5076

Registriert seit 21.08.2019

2024-07-03 08:59:41 Uhr
Volta scheint die Band einfach generell nicht zu mögen - was ja völlig ok ist. Und ich bin ihm sogar dankbar für den Hinweis auf die Reflektor-Episoden mit Arnim, denn das Gespräch hat mir sehr gefallen und mir einen vertieften Zugang zum Album verschafft.

jo

Postings: 6159

Registriert seit 13.06.2013

2024-07-03 08:38:36 Uhr
Ich habe in Podcasts ja schon so manche Gespräche gehört, in der mir der Gast dann durchaus unsympathisch wurde. Aber hier kann ich auch nichts Schlimmes raushören. Und das sage ich, obwohl ich die Beatsteaks jetzt generell nicht unbedingt als Obersympathen empfinde.

fakeboy

Postings: 5076

Registriert seit 21.08.2019

2024-07-03 00:14:16 Uhr
Am Schluss wünscht er sich dann noch Camera Obscura - Sugar Almond, Ata Kak - Ooba Sima und John Cooper Clarke - I Wanna Be Yours. Sehr sympathische Songauswahl.

fakeboy

Postings: 5076

Registriert seit 21.08.2019

2024-07-02 23:23:39 Uhr
Noch was zu den englischen Ausdrücken, die Arnim gelegentlich verwendet: seine Frau ist Schottin. Er wird zuhause wohl viel Englisch reden.
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