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Beak> - >>>>

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Invada
VÖ: 28.05.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf einmal mit Gefühl

Gefühle und ihre Ausbrüche sind oft im sprachlichen Sinne warm oder gar heiß, während ihre Abwesenheit gerne mal als "Gefühlskälte" beschrieben wird. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Nehmen wir mal als Beispiel Ed Sheeran: Dessen Musik lässt sich gut und gerne als warmherzig und gemütlich beschrieben, hat aber meist mit echten Gefühlen so viel zu tun wie Fischstäbchen mit echten Meeresbewohnern. Portishead sind in dieser Hinsicht der Anti-Sheeran – maximal nah am emotionalen Zusammenbruch, dabei temperaturtechnisch aber stets im Drei-Sterne-Tiefkühlfach zuhause. Wenn Geoff Barrows Projekt Beak>, das er zusammen mit Billy Fuller und Will Young (nicht der "Pop idol"-Gewinner) pflegt, die Krautrock-Orgien auf dem vierten Longplayer plötzlich mit einer emotionalen Schwere durchtränkt, kommt das also nicht völlig aus heiterem Himmel, sondern hat seine Wurzeln in der musikalischen Historie. Der Auslöser dafür: Alfie ist verstorben.

Alfie war jener Hund, der laut Barrow das Trio seit dem Beginn begleitet hat, und der nun die drei vor der Kulisse der Clifton Suspension Bridge in Bristol mit Laserstrahlen auf dem wirklich grandiosen Albumcover erleuchten darf. ">>>>" heißt das Werk, was zumindest in dieser Hinsicht für Konstanz sorgt. Und grundsätzlich hat sich an der Melange aus spontan zusammengezimmerten Grooves und repetitiven Mantras auf dem bereits während der Corona-Pandemie aufgenommenen Album nichts geändert. Schon der Opener "Strawberry line" beginnt jedoch mit einer Orgel, die auf jeder Beerdigung für die passende Stimmung sorgen würde. Alfie bekommt also ein Denkmal in Albumform. In den folgenden acht Minuten passiert alles erst nach und nach: der Gesang, der sich kaum heraustraut, das Schlagzeug, das trödelnd nach der Hälfte einfadet, der wortlose Chor, welcher dem Track die Klimax beschert. "Take your bone / And sit down / Fall asleep / So we begin", singt Barrow in Erinnerung an den vierbeinigen Begleiter.

Trotzdem bleibt auf ">>>>" alles cool im eigentlichen Sinne. Ein Song wie "Hungry are we" begnügt sich damit, als Ruhepol zwischen zwei aufbrausenderen Stücken Kreise zu beschreiben. "So hungry and hopeless / And we cannot see them." Lyrics bleiben wie gewohnt meist kryptisch und ohnehin ist der Gesang nur ein Teil im Ganzen. Wen interessiert schon, was im stur tanzbaren "Secrets" gemurmelt wird, wenn der Rhythmus so viel Laune macht? Auch das bereits 2021 veröffentlichte "Ah yeh" – hier nur leicht gekürzt enthalten – ist noch genauso feist groovend wie damals und fügt sich widerstandlos in die Abfolge ein. Vor allem auf Kopfhörern macht die zunehmend durchdrehende Percussion Laune. Mit "The seal" und dem knapp gehaltenen "Windmill hill" haben Beak> sogar recht konventionelle Strukturen in immerhin unkonventionellen Klängen geschaffen. "You know the seal will light us" – ob es sich um ein Siegel, einen Seehund oder eine Abdichtungsmanschette handelt, ist wie so oft offen für Interpretation gehalten.

Der Closer "Cellophane" nimmt die Bedrückung des Openers auf, schleppt und klagt sich durch eine ähnliche Länge, die Wolken sammeln sich noch mal zum Angriff. Kurz vor Schluss kommt unerwartet verzerrter, energetischer Rock zum Vorschein, der dann doch an einer Plattenrille hängenbleibt und zum Loop verdammt ist. Was daraus nun wieder zu entnehmen ist? Vielleicht: Das Leben geht weiter, auch wenn es manchmal hängt? ">>>>" kann davon mit krautigen Songkonstrukten und hinter einem Vorhang versteckt ein paar Lieder singen. Nicht nur die (Ex-?)Bandkollegin Gibbons hat sich also nach fünf Jahren beeindruckend zurückgemeldet, auch Beak> schöpfen aus einem Schicksalsschlag ungewohnt viel Kraft. Danke Alfie, für alles.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Strawberry line
  • Ah yeh
  • Secrets

Tracklist

  1. Strawberry line
  2. The seal
  3. Windmill hill
  4. Denim
  5. Hungry are we
  6. Ah yeh
  7. Bloody miles
  8. Secrets
  9. Cellophane

Gesamtspielzeit: 51:33 min.

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User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 9821

Registriert seit 26.02.2016

2024-06-29 19:20:58 Uhr
Wenn jemand im Zuge von Beak> von "Nebenprojekt" sprach, ist er auf Twitter meist ausgerastet

Ja, schon recht, ich habe das "Neben-" mal aus der Rezi getilgt, weil's ja auch vom quantitativen Output her Quatsch ist.

carpi

Postings: 1581

Registriert seit 26.06.2013

2024-06-27 22:59:24 Uhr
*Barrow*

carpi

Postings: 1581

Registriert seit 26.06.2013

2024-06-27 22:47:01 Uhr
Mal hoffen, dass Geoff Barrows nicht mitliest. Wenn jemand im Zuge von Beak> von "Nebenprojekt" sprach, ist er auf Twitter meist ausgerastet, da das ja schon seit vielen Jahren seine Hauptband sei:).
Das Album überzeugt durchaus, Tendenz zur 8 nach 4-5 Durchgängen auf jeden Fall vorhanden.

Herr

Postings: 2483

Registriert seit 17.08.2013

2024-06-27 22:40:19 Uhr

Ich hatte das Album tatsächlich schon knapp nach Veröffentlichung gehört, getriggert eben durch diesen Thread.
Die Rezension bestätigt mein Empfinden und ist treffend geschrieben.

Im Grunde ist Beak, natürlich in seinem musikalischen Oeuvre, durch seine Art der Kompromisslosigkeit aktuell mit dem neuen Album von Shellac vergleichbar.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2024-06-27 22:18:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


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