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Alcest - Les chants de l'aurore

Alcest- Les chants de l'aurore

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 21.06.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einfach schön

Genau genommen war Metal schon immer ziemlich eskapistisch veranlagt. Ob nun wie in den Anfangstagen der Ausbruch aus den Konventionen im Vordergrund stand oder aber die Vertonung von Schlachten und Fantasy-Geschichten – womit sich lustigerweise Manowar und Blind Guardian ähnlicher sind als sie vielleicht wahrhaben mögen –, an irgendeiner Stelle kann oft ein Protest- oder Fluchtpotenzial hinein interpretiert werden. Wenn auch manchmal zugegebenermaßen mehrere Ecken erforderlich sind, das nur am Rande. Nun ist die Welt aktuell für so manchen kein allzu schöner Ort, Klimakrise, wachsender Populismus und Hass überall, you name it. Man könnte also meinen, dass sich die Blackgaze-Vorreiter Alcest wahlweise noch stärker auf ihre Black-Metal-Wurzeln beziehen, um eine intrinsische Wut zu kanalisieren, oder aber sich komplett in den Post-Metal-Kokon zurückziehen.

Was für eine Fehleinschätzung. Denn das französische Duo macht auf seinen neuen Album "Les chants de l'aurore" das genaue Gegenteil. Es gibt genug Hass, da draußen ist so viel Schönes, lasst es uns zeigen. Und entdecken. Denn hinter dem relativ spröden Titel des Openers "Komorebi" verbirgt sich sinngemäß der poetische Ausdruck für "Licht, das durch die Blätter der Bäume scheint". Dabei bietet der Song viel mehr als nur mal Luftholen im Wald, ruhige, stimmungsvolle Passagen wechseln sich mit flirrenden Riffs ab, die zwar irgendwo aus dem Black Metal stammen, aber auf jegliche Kälte verzichten, dazwischen scheinen gar poppige Momente durch, während über allem Neiges ätherischer Gesang schwebt. Und selbst wenn Alcest noch nie eine Band waren, die sich über Hooks definiert, frisst sich der Refrain unweigerlich fest.

Das folgende "L'envol" schafft hingegen das Kunststück, just einen kurzen Schritt vor der Kitschgrenze in eine punktgenaue Eskalation abzubiegen, doch es ist "Améthyste", das wie ein Startschuss wirkt. Plötzlich werden die Riffs durch treibenden Post-Metal unterstützt, während Neige zu dezent asiatisch klingenden Harmonien die Arme ausbreitet, damit gegen seine eigenen Schreie anarbeitet und letztlich die Oberhand gewinnt. Einen ähnlichen – und eigentlich verbietet sich der Begriff bei Alcest – Pop-Appeal bietet "Flamme jumelle", welches überhaupt nicht erläutert werden will. Warum auch, wenn man sich hier ganz einfach davon tragen lassen kann? Manchmal liegt die Schönheit eben im Einfachen.

Wie bereits erwähnt, sind Alcest keine Song-Band. Hier ist das Album der Star, hier benötigt die Atmosphäre Raum, sich zu entfalten. Und dann ist da plötzlich "L'enfant de la lune". Siebeneinhalb Minuten, die wie eine Essenz wirken, die alles verdichten, was die Franzosen ausmacht. Das mag nach einer "Wir kippen mal alles rein, was so geht, und rühren dann mal um"-Kakophonie klingen, ist aber letztlich schlicht begeisternd, eine faszinierende Entdeckungsreise. Nur dass Neige und sein Schlagzeuger clevererweise nur die Antwort liefern, die Fragen muss man schon selbst stellen, um ans Ziel zu kommen. Die erste Gelegenheit bietet sich beim Outro "L'adieu", mit dem die Platte langsam ausperlen darf. Der größte Nachteil: Irgendwann müssen dann doch die Kopfhörer wieder abgesetzt werden. Zurück in die kälter gewordene Welt. Schade eigentlich.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Améthyste
  • Flamme jumelle
  • L'enfant de la lune

Tracklist

  1. Komorebi
  2. L'envol
  3. Améthyste
  4. Flamme jumelle
  5. Réminiscence
  6. L'enfant de la lune
  7. L'adieu

Gesamtspielzeit: 43:41 min.

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User Beitrag

Martinus

Postings: 593

Registriert seit 13.01.2014

2024-06-27 22:42:18 Uhr
Fantastisches Album und mein persönlicher 3. Platz der Alcest Alben.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26961

Registriert seit 08.01.2012

2024-06-27 22:17:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


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