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Lenny Kravitz - Blue electric light

Lenny Kravitz- Blue electric light

BMG / Warner
VÖ: 24.05.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sax sells

Satte 35 Jahre ist es her, dass Lenny Kravitz die Tanzbodenszene mit dem Album und der gleichnamigen Hitsingle "Let love rule" aufmischte, einem raffiniert abgeschmeckten Gebräu aus Soul und Rock mit psychedelischen Anleihen – und dem vermutlich längsten Saxofonsolo der Musikcharts nach Gerry Raffertys "Baker Street". Nach zwei weiteren recht starken Alben ("Mama said" und "Are you gonna my way") wurde der Kravitz-Sound in den kommenden Jahren zunehmend beliebiger, so richtig vom Hocker konnte die Musik nicht mehr reißen. Innovation: Fehlanzeige. Umso schöner, dass "Blue electric lights" nach fast sechs Jahren Schaffenspause ein überraschend reifes, vielseitiges und lebensbejahendes Comeback darstellt, bei dem die Stärken die Schwächen deutlich überwiegen.

Musikalisch und auch klanglich zerfällt das Album in zwei Welten: die Sechziger mit hausgemachtem Soul und Funk – und die Achtziger mit eher stumpfem Haudrauf-Rock und/oder unterkühlten Synthie-Sounds. Der Opener ist dann auch gleich einer der stärksten Songs: Bluesig, funky und lässig kommt er daher, besonders gefällt das virtuos-dynamische Bass-Spiel, bei dem die Töne wie bunte Flummis in den Raum springen. Dazu kommen Strophe und Hookline, die einen unmittelbar in den Bann ziehen, an diesem Honigtopf dürften auch überkritische Menschen gern klebenbleiben. In eine ähnliche Richtung geht "Honey", bei dem offensichtlich Al Green und Bill Withers Pate(n) standen und bei dem ein sanft perlendes Wurlitzer-Piano für reichlich Sixties-Feeling sorgt. Aber auch die eher platte Funkrocknummer "TK421" gefällt, weil das Genre nicht ohne Selbstironie sauber abgeliefert wird – inklusive dem öligen Saxofonsound, der fast schon als Kravitz' Markenzeichen durchgehen kann. Dass auch relativ simple, aber gut gemachte Gitarrenmusik Spaß machen kann, beweist "Paralyzed", wo ein herrliches Schweinerock-Gitarrensolo zum sofortigen Luftgitarrespielen anregt. Und bei "Spirit of my heart" gelingt es Kravitz, das Intro von "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin sehr geschickt zu zitieren, um es dann aber in eine völlig andere Richtung weiterzudrehen.

Die Achtziger wiederum feiern Wiederauferstehung in "Human", wo Tears-For-Fears-Drums mit nassem Hall auf exzessiven Einsatz gesampelter Cowbells und magmatisch blubbernde Moog-Synthbässe treffen – oder auch in der schwülstigen Sexnummer "Let it ride". Kravitz überspannt den Bogen aber hier so drastisch mit seinem schmachtenden Sprechgesang und eiskalten Drumprogramming, dass ein gerüttelt Maß Humor durchschimmert. Schwache Stücke gibt es aber leider auch: Das reichlich tumbe "Bundle of joy" lässt einen Ferrari-Auspuff und quietschende Reifen vernehmen und wirkt auch ansonsten wie Circus Roncalli auf Speed. "Love is my religion" und das komplett überproduzierte "Heaven" wiederum sind ähnlich rumpelig und uninnovativ wie Huey Lewis & The News zu schlimmsten Zeiten.

Viel, viel Gnade muss man leider auch bei der Beurteilung der Lyrics walten lassen. Hier geht es fast ausschließlich um hedonistische Freuden und die hymnische Lobpreisung des anderen Geschlechts. Typische Zeilen sind: "Can you feel my heart / It's racing down deep inside" oder auch "I got a girl and the girl is mine / I got a girl and she's so fine". Wesentlich mehr kommt da intellektuell leider nicht um die Ecke – hier hätte vermutlich selbst ChatGPT etwas gehaltvoller getextet. Na gut, am Ende zählt, dass "Blue electric light", das Lenny Kravitz übrigens über weite Strecken alleine und mit nur wenigen Gastmusikern eingespielt hat, überwiegend musikalisch erfrischend und erstaunlich funkelnd daherkommt. Und ist das nicht schon mehr als man nach den letzten Alben erwartet hätte?

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • It's just another fine day (in this universe of love)
  • Honey
  • Human
  • Spirit in my heart

Tracklist

  1. It's just another fine day (in this universe of love)
  2. TK421
  3. Honey
  4. Paralyzed
  5. Human
  6. Let it ride
  7. Stuck in the middle
  8. Bundle of joy
  9. Love is my religion
  10. Heaven
  11. Spirit in my heart
  12. Blue electric light

Gesamtspielzeit: 55:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jayfkay

Postings: 948

Registriert seit 26.06.2013

2024-06-04 17:12:04 Uhr
tracklist klingt extrem langweilig.

höre mir nicht einen song davon an. Again ist allerdings timeless classic

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26758

Registriert seit 08.01.2012

2024-05-29 21:19:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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