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Ghostface Killah - Set the tone (Guns & roses)

Ghostface Killah- Set the tone (Guns & roses)

Mass Appeal / Orchard
VÖ: 10.05.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kanonen auf Rosen

Nach dem gelungenen "Ghostface Killahs" (2019) ließ sich Dennis David Coles für sein zwölftes Studioalbum verhältnismäßig Zeit. Nun erscheint mit "Set the tone (Guns & roses)" ein üppiges Doppelalbum, aufgeteilt in jeweils eine "Guns"- und eine "Roses"-Seite. Das auffälligste – und nicht beworbene – Merkmal dieser Platte ist allerdings ihr Mangel an Solo-Tracks. Denn bis auf vier je nicht einmal einminütige Skits hat hier einfach jeder Song ein Feature. Dadurch klingt das Album zwar nicht schlechter, es fehlt ihm aber durchgängig an Profil. Na gut, der eigentliche Clou zweier gegensätzlicher Hälften kommt im Sound schon sehr gut rüber, es klingt auch alles mindestens solide. Trotzdem fällt der Qualitätsunterschied beider Teile doch recht deutlich auf, zum Vorteil des ersten Abschnitts.

Dort sticht die Lead-Single "Scar tissue" hervor, bei der mit unkomplizierten 90s-Samples und schön platzierten Crowd-Effekten die Parts von Ghostface und Nas eine knisternde Konzertatmosphäre erzeugen. Sie steht exemplarisch für den "Guns"-Teil, welcher dem Namen getreu schwere Geschütze abfeuert. "Cape fear" steht im Zeichen des Alter-Ego Tony Starks, welcher auf eleganten Piano-Instrumentals so liebenswert wie eh und je protzt: "Cargo coke come through, Dough bought 'em all / Full link furs, Russian hats from Berlin / Two-tone Wallows, the cranberry dyed, I swirl it / Come on your block like n****s waving sticks like Merlin." Noch höher dürften die Oldschool-Herzen bei "Pair of hammers" schlagen, wenn mit Raekwon und Ghostface Killah eines der ikonischsten Duos der HipHop-Geschichte auf Beats im G-Funk-Stil und neben R'n'B-Sänger October London glänzt wie zu besten Zeiten. Um manche der vielleicht schon in die Jahre gekommenen Wu-Tang-Fans ob der zweiten Hälfte der Platte schon auf dem Weg dorthin zu besänftigen, gibt sich Method Man für "Pair of hammers" die Ehre. Dann ist da noch "No face", nüchtern betrachtet wahrscheinlich sogar der beste Track, aber Musik von und mit Kanye West ist aus ganz bestimmten Gründen nicht normal zu bewerten. Daran ändert sich auch durch "I tried to meditate / I tried to medicate" erstmal nichts.

Passend zum Konzept beginnt der "Roses"-Teil mit dessen Höhepunkt, "Plan B", das fortan den Sound vorgibt. Plötzlich erleben wir Ghostface Killah auf viel sanfteren Synth-Arrangements und mitunter sogar Cloud-Beats. Nun wird auch so richtig klar, wofür die ganzen Features da sind, nämlich für möglichst poppige Hooks. Am häufigsten kommen diese von Harl3y, einem noch sehr unbekannten Sänger, der aber auf dieser großen Bühne gleich fünf soweit ganz ordentliche Auftritte genießen darf. Was aber bei "Plan B" noch interessant und erfrischend klingt, wirkt spätestens bei "Shots" etwas deplatziert, denn nun hören wir plötzlich eine halbmoderne Dancehall-Nummer, die selbst einen Busta Rhymes unglücklich in den Hintergrund stellt. Noch ärgerlicher ist es um Ja Rule, der in "Bad bitch" scheinbar Liebeslieder verlernt hat ,und hinter "Touch you" versteckt sich eine Neuinterpretation von Marios "Let me love you", aber betont unromantischer. Das alles ist keine schlechte Musik, im Gegenteil eigentlich, es klingt halt nur gelegentlich unfreiwillig albern und wenig ausgefeilt.

Wenn ein NYC-Veteran wie Coles plötzlich Ausflüge nach Dirty South ("Trap phone") oder überhaupt zur Massentauglichkeit unternimmt, wirkt das manchmal so, als würde ein Metalcore-Sänger in voller Montur bei einer hauchzarten Indiepop-Band aushelfen. Somit erfüllt das Konzeptalbum zwar schon einen Effekt, allerdings nicht unbedingt den gewünschten. Ein Großteil aller anderen Rapper wäre mit solchen Voraussetzungen vermutlich auf die Fresse geflogen, ein Ghostface Killah schafft es aber immerhin, das als musikalisches Experiment verkaufen zu können – ein Vabanquespiel, welches zwar im Laufe des Albums an Stärke verliert, aber durch die dahinterstehende Einzigartigkeit sowie Erfahrung immerhin sanft landet.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Scar tissue (feat. Nas)
  • No face (feat. Kanye West)
  • Cape fear (feat. Fat Joe & Harl3y)
  • Plan B (feat. Harl3y)

Tracklist

  1. 6 Minutes (feat. Jim Jones, Sheek Louch & Harl3y)
  2. Pair of hammers (feat. Method Man)
  3. Skate odyssey (feat. Raekwon & October London)
  4. Scar tissue (feat. Nas)
  5. Kilo in the safe (feat. Iceman)
  6. Skit 1
  7. No face (feat. Kanye West)
  8. Champion sound (feat. Beniton)
  9. Cape fear (feat. Fat Joe & Harl3y)
  10. Skit 2
  11. Plan B (feat. Harl3y)
  12. Bad bitch (feat. Ja Rule & Trevor Jackson)
  13. Locked in (feat. AZ & Bee-B)
  14. Skit 3
  15. Touch you (feat. Shaun Wiah)
  16. Shots (feat. Busta Rhymes, Serani & Harl3y)
  17. Trap phone (feat. Chucky HollyWood)
  18. Outro skit
  19. Yupp! (feat. Remy Ma)

Gesamtspielzeit: 52:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kojiro

Postings: 3530

Registriert seit 26.12.2018

2024-05-29 21:54:41 Uhr
Das Beste am Album ist die Supreme Clientele II Ankündigung am Ende. Wie Eiersalat sagt: Das erste wirklich schlechte Ghostface-Release. Der Mann stand eig. für Jahre für Konstanz, aber das Album ist mit Blick auf die Beats, Features und auch seine inzwischen lädierte Stimme leider ziemlich mies. 3/10 höchstens.

Vor allem angesichts seiner Stimme sollte er von einem SC II Abstand nehmen. Vor 10 Jahren hätte ich's begrüßt.



Eiersalat

Postings: 803

Registriert seit 08.01.2024

2024-05-29 21:44:54 Uhr
Das erste schlechte Album von Ghostface. Kommt ausgerechnet hier sogar noch zu gut weg.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26758

Registriert seit 08.01.2012

2024-05-29 21:18:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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