Velvet Belly - Lucia

Velvet Belly- Lucia

BMG
VÖ: 03.04.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Norwegen - mal anders

Was erwartet man, wenn als Vorabinfo zu einer Band zu lesen ist: "Die Band kommt aus Norwegen, das Album ist von der dortigen Musikpresse hochgepriesen, aber bisher sind sie außerhalb des nördlichen Europas kaum aufgefallen"? Die Vermutung liegt nahe, ein weiteres Album aus der Rockschiene um Motorpsycho, vielleicht auch eine Ecke härter, aber auf jeden Fall etwas zwischen Poser-Rock und Hymnen-Metal, zu erhalten; schwer Verdauliches also. Genau mit dieser Einstellung ging auch ich an die neue Velvet Belly-Scheibe und konnte gar nicht falscher liegen. Bereits beim Anblick des Covers, welches eine bleiche Frontfrau im Kreise verträumter Herren zeigt, wird klar, daß wir es hier wohl mit etwas anderem zu tun haben. Vergleiche zu den Cargigans drängen sich auf. Tatsächlich machen Velvet Belly einen sehr verträumten und sphärischen Pop, der irgendwo zwischen den erwähnten Schweden und Björk ansiedelt.

"Lucia" stellt das dritte Album dieser Formation dar und konnte den norwegischen Grammy als bestes Album 1999 gewinnen. Die Scheibe ist reich an extrem ruhigen Popsongs, die aufgrund der intensiven Stimme von Anne Marie ihren ganz eigenen Touch erhalten. Die glasklare Produktion erweckt eine eher schwebende, fast leichtfüßige Atmosphäre. Musikalisch bewegt man sich in leider eher seichten Synthpop-Fahrwassern. Die Songs werden trotz verspielter Arrangements schnell eintönig und bieten wenig Überraschungen. Vorhandene Ideen blitzen zwar auf, werden aber zu oft wiederholt und dadurch langweilig. Hinzu kommt, daß der Band leider kein potentieller Hit gelungen ist. Die Songs sind zwar meist ganz nett, aber mit Nettigkeit hat noch selten jemand etwas gewonnen.

Wirklich hervorstechen kann keines der Stücke, die zwar schnell ins Gehör gehen, aber auch genau so schnell wieder entschwinden. Am ehesten weiß noch das auf radiotauglich getrimmt wirkende "Easy" zu gefallen. Man wünscht sich förmlich, Velvet Belly würde es gelingen, ein wenig mehr Abwechslung in ihre Songs zu bringen und vielleicht die eine oder andere Kante stehen zu lassen. Das brächte den Songs einiges an Profil und der Band selbst ein eigenes Gesicht. Potential dazu scheint vorhanden. Trotz aller Kritikpunkte bleibt nämlich zu vermerken, daß der Band durchaus noch eine große Zukunft bevorstehen kann, auch wenn es mit "Lucia" keineswegs für den großen Wurf gereicht hat. Ein Würfchen ist es geworden. Velvet Belly bleiben auf jeden Fall unter meiner Beobachtung.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Easy

Tracklist

  1. Trick
  2. Easy
  3. Oystercatcher
  4. Standstill
  5. Fast and far away
  6. The station
  7. Drift
  8. Unreal
  9. Restless
  10. Our Happiness
  11. The man with the child in his eyes

Gesamtspielzeit: 43:59 min.