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Lary - Stereo noir

Lary- Stereo noir

Supow / Universal
VÖ: 10.05.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Liebe in Zeiten des Weltuntergangs

Was haben Veronika Fischer, Omega, Frank Schöbel, The Doors und Ludwig van Beethoven gemeinsam? Die Checker unter unseren Lesern wissen sofort: Sie alle wurden von Larissa Sirah Herden kunstvoll musikalisch zitiert. Erstere in "Problem" vom starken Debüt "FutureDeutscheWelle", auf dem Lary mit wuchtigen Tracks, satter Produktion und ganz eigenem Stil nachhaltig ihre erste musikalische Marke setzte. Die beiden Nächstgenannten in "Sand" auf dem Nachfolger "Hart fragil", der etwas trippiger unterwegs war und zugleich die Songs in wärmere Sounds kleidete. Und nun Jim Morrison und die The-Doors-Orgel im Opener von "Stereo noir". Zu Beethoven kommen wir später.

Der Auftakt verschreckt den Kenner der bisherigen Veröffentlichungen allerdings erst einmal. Denn was ist da mit der so ausdrucksstarken Stimme der gebürtigen Gelsenkirchenerin passiert, die es nach längerer Berlin-Phase mittlerweile nach Paris verschlagen hat? Da nuschelt die Protagonistin in akustisch schwer verständlichem Deutsch etwas von "Scheiß Drinks, scheiß Drogen, scheiß Streit" und klingt auch nach entsprechendem Zustand. Doch Vorsicht: Lary hat sich mittlerweile in "Jerks", "King of Stonks", "Para" oder "Bad Banks" auch als Schauspielerin einen Namen gemacht und schlüpft hier in eine Rolle. Die wandlungsfähige Stimme ist spätestens beim lässig groovenden "Junge" wieder da. Und die Zeile "Ironisch, dass man mit 'nem Lebemann wirklich alles außer leben kann" ist nur einer von vielen Beweisen, dass Lary auch als Texterin eine Menge auf dem Kasten hat.

Musikalisch lässt die Künstlerin sich weiterhin nicht festlegen, vielleicht sogar noch weniger als zuvor. Als kleiner Kritikpunkt wäre anzumerken, dass "Stereo noir" etwas weniger konzis wirkt als die Vorgänger. Und den Einfluss von Patrice, der nicht nur auf zwei Songs – dem nicht so packenden "Sinn", aber auch dem grandios düsteren Titeltrack – direkt mitwirkt, sondern auch an der Produktion nicht unwesentlich beteiligt war, muss man auch mögen. Viel mehr gibt es allerdings nicht auszusetzen an einer Platte, die viele bemerkenswerte Stücke enthält.

"Draußen" zum Beispiel, in dem ein fetter Synth-Bass den Ton angibt, während Lary wie häufiger auf dem Album das zwischenmenschliche Glück in einer untergehenden Welt sucht. Oder "Krieger", in dem Schillers "Ode an die Freude" aus Beethovens Neunter in einen intensiven Gedankenfluss zu Zeilen wie "Nur der Krieg macht Krieger, aber lieber macht er Verlierer" mündet. In "Einzelteile" gastieren Jazz-Star Theo Croker und seine Trompete, doch auch ein leichtfüßig wippendes Liebeslied wie "Planet" findet seinen Platz. Und dann ist da mit "Stella" natürlich der offensichtliche Hit der Platte, dem das Kunststück gelingt, französischen Chanson (passenderweise findet sich auch noch eine französische Version am Ende des Albums), frühe Rosenstolz und pure Eingängigkeit zu vereinen. Es gibt wenig musikalische Grenzen für diese begabte Künstlerin, egal, ob in Monobunt, Dolby-Atmos-Beige oder eben "Stereo noir".

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Junge
  • Draußen
  • Stella
  • Stereo noir (feat. Patrice)

Tracklist

  1. Scheiß Drinks
  2. Junge
  3. Weniger allein
  4. Draußen
  5. Stella
  6. Kein Mensch (feat. Kalim)
  7. Einzelteile (feat. Theo Croker)
  8. Sinn (feat. Patrice)
  9. Krieger
  10. Planet
  11. Für immer Dein Jetzt
  12. Stereo noir (feat. Patrice)
  13. Stella (Version française)

Gesamtspielzeit: 42:09 min.

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Armin

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2024-05-21 18:48:36 Uhr - Newsbeitrag
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