Knarf Rellöm with The Shi Sha Shellöm - Einbildung ist auch ne Bildung

Knarf Rellöm with The Shi Sha Shellöm- Einbildung ist auch ne Bildung

Zick Zack / What's So Funny About / Indigo
VÖ: 02.02.2004

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gnudlib en hcua tsi Gnudlibnie

"With this name you've got absolutely no chance", sagt eine Radiostimme. Ach, hieße er doch Anna Otto oder Negerregen: Dann würde der anagrammische Verdreher seines Vornamens keinem auffallen und "Knarf Rellöm", im wirklichen Leben "Frank Möller", dürfte quietschfidel vor sich hinmusizieren. So aber klingt auch sein neues Werk "Einbildung ist auch ne Bildung" wie ein sperriges Kontraprodukt zur dominierenden Popkultur, wie eine dringliche Schelte gegen den Mainstream. Die Frage ist fast so alt wie die Popmusik selbst: Darf man rebellieren von innen? Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Ist das hier noch integre Popmusik oder tatsächlich schon subversiver Sound? Und: "Wer ist hier denn jetzt eingebildet?"

"Ich bin echt, ich bin pur": Das neue Rellöm-Album beginnt zunächst einmal mit Kollegenschelte für jene Künstler, die ihr Gegenteil im Namen tragen. Dazu elektronischer Sound von DJ Patex. "Change is gonna come": aus allen Boxen ertönt laut die Melodie des neuen Systems. Doch die Zuschreibung zwischen Gut und Böse will hier nicht so recht einleuchten. Was macht er schon anders? Es ist ein schmaler Grad zwischen Nonstop Nonsens und dialektischer Aufklärung. Vergnügtsein heißt Einverstandensein! Musikalisch schwankt er zwischen Welt und Zwischenwelt, ohne zu crossovern. Da laufen Rock'n'Roll, Mod und Elektronik knallhart auf verschiedenen Spuren nebeneinander. Bei "Little big city" gibt es gar diesen gräßlichen Vocodergesang, bisher bekannt von Cher, Madonna und Eiffel 65. Und als Surplus das ganze noch einmal im Goldenboy-Remix.

Neuerdings hängt sich Knarf - begleitet von der Rhythmusfraktion Viktor Marek und DJ Patex - den wunderhübschen Beinamen "with the Shi Sha Shellöm" an. Ein neues Kapitel also: Musikalisch dokumentiert in der Mischung aus Soul, Punk und Groove. Gitarre=Western war gestern. Heute ist das glatte Musik, die an manchen Stellen ausbricht aus der Bequemlichkeit. Mit dem Sound der Popkultur gegen selbige ankämpfen. Kontroverse und wütende Texte, verpackt in tanzbarer und vetrackter Rhythmik. Irgendwo hört man da Diestelmeyers leises Plädoyer für den Spaß im Unvergnügen. Fehler is immer noch King im Schaffen des zwischenzeitlichen Zürichers, der seiner Intermezzometropole gleich in mehreren Liedern ("Little big city", "Movin") eine Würdigung erweist.

Immer klingt das alles wie haarscharf vorbeigezielt am richtigen Popsong. Doch das Unfertige macht so menschlich, ehrlich, echt. Aber darf man bei sowas noch "Scheiß Kapitalismus" rufen? Vom Mainstream der Minderheiten gefangen. "Ja", sagt Rellöm und behauptet ganz kühn, Pop sei zwar grundsätzlich kapitalistisch, ganz selten, aber mit großer Freude, dürfe er jedoch manchmal mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden. "Selbst die schönste Verweigerung wäre Spießerkram, wenn man nicht zu ihr tanzen könnte", sagt das Platteninfo am Ende. Manchmal gibt es im Pop-Geschäft gleich zwei Wahrheiten. Wo ist hier? Vielleicht ist dieser Text hier schon gänzlich anachronistisch. Hinterher weiß man immer mehr!

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Little big city
  • Einbildung ist auch ne Bildung
  • How I wrote Mark E. Smith

Tracklist

  1. Der Name
  2. Change is gonna come
  3. Roc-Stars
  4. Little big city
  5. Bring the beat back, Victor Marek
  6. Null Eins
  7. Einbildung ist auch ne Bildung
  8. How I wrote Mark E.Smith
  9. Cultural terror force
  10. Party people in the house
  11. Get down on your knees and pray
  12. I wish I was him
  13. Bring the beat back, Viktor Marek
  14. Are you! Ready?
  15. Movin
  16. Tony Curtis
  17. Goldenboy's LBC

Gesamtspielzeit: 44:55 min.

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