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Death Lens - Cold world

Death Lens- Cold world

Epitath / Indigo
VÖ: 03.05.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Einfach machen

Dass es manchmal diese Tage gibt, an denen alles scheiße ist und jede*r nervt, an denen man alles hasst, wusste schon ein Rotkäppchen namens Fred Durst. Was er aber auch wusste: Umso besser, wenn man dann Gitarrenmusik liebt und anstatt zum Vorschlaghammer zu harter Mucke greift. Ganz ähnlich machen das Death Lens aus Los Angeles. Und wer hier für eine Sekunde New Metal befürchtet hat, der sei sofort beruhigt. Das Quintett ist viel näher an anderen Einflüssen, kann sich dabei zwar nicht so ganz entscheiden, wo ihr Herz nun am meisten hängt, bleibt aber konsequent bei der Ausführung, und so wird "Cold world" zu einem überraschend warmen Album.

Sich selbst bezeichnen Death Lens als "five brown people", die mit Diskriminierung zwischen Polizei und Gangs zu überleben gelernt haben. Aber erst mal ist Sänger Brian Torres von was anderem genervt und lässt das schon in den ersten Zeilen des Openers "Fucked up" raus: "Better to be all alone / I wanna live the life I live / Twenty seconds of this bullshit / I already found a reason to quit." Es wird mit der Liebe abgerechnet und mit nach saftigem Live-Song klingendem Punkrock gestartet. "Go on, go on, go on!", wird es sicher einige Mal aus hunderten Kehlen hallen. Danach wird es ähnlich wütend, aber etwas aktivistischer, wenn Death Lens in bester Turnstile-Manier per Catchphrase-Hook zum zivilen Ungehorsam aufrufen: "Disturb the peace!". Ähnlich wie das spätere "Not enough", das sich mit hoher Geschwindigkeit gegen die eigene Rolle am Rande der Gesellschaft wehrt und sich mit seiner Hardcore-Punk-Attitüde und Tempowechsel auch sehr in der Nähe von Turnstile bewegt: "I'm not the problem / I'm trying to solve it." "Limousine" bricht hingegen am deutlichsten mit dem Klangbild, lässt eine Gitarre in schnellem Tempo hin und hersägen. Ein Basslauf simuliert schnellen Herzschlag, weil der Puls bei lügenden Politiker*innen im TV steigt. Hier hat jemand auch mal in die Idles-Alben reingehört.

Ein bisschen älter klingt "Bruised", das mit Piano und Strings beginnt, die aber nur ein Intro für Post-Grunge sind, wie er in den Neunzigern auch auf einem Weezer-Album einen Platz hätte finden können. Ähnlich wie das nostalgische "Memory hotline", das die alten Zeiten vermisst und sich erinnert, wie man früher von der Schaukel gefallen ist. Die beiden Vorzeigesongs findet man aber an anderer Stelle. Zum einen ist da "Vacant", das sich mit seinen straighten Lyrics, die tief die Meerluft der Westküste inhaliert haben, über Teenage Angst auslässt, die selbst als Erwachsener noch nicht weg ist: "Tired of this bullshit / I'm sick of everything / Tired of living like I'm still a kid at 17." Hier greifen von den Drums bis zu den Backing-Vocals alle Elemente harmonisch ineinander und werden zum Inbegriff einer runden Sache. Zum anderen ist da der Titelsong "Cold world", der sich fast ein bisschen zu groß für dieses nahbare Album anfühlt. Atmosphärische Keyboards und ein bisschen Hall verleihen Weite. Ein epischer Song, der vor 20 Jahren das Zeug zur Skater-Hymne gehabt hätte und am Ende die Faust stolz in die Luft streckt.

Wenn man denn meckern möchte, dann könnte man verlangen, dass die Jungs sich mal entscheiden sollen, wo die Reise denn nun hingehen soll. "Lo que será" nimmt als Rausschmeißer die Distortion von der Gitarre und hat dafür noch mal milde Strings und etwas zu viel Pathetik im Text, der man wegen der zurückgenommenen Instrumentierung mehr Aufmerksamkeit schenkt. Das lässt sich aber sehr leicht verkraften. Am Ende passt das auch nur konsequent zu einem Album, das ganz viel will, weil die Band offensichtlich ganz viel auszudrücken hat. Da lohnt es nicht, den Vorschlaghammer rauszuholen, sondern "Cold world" verdient eine warme Umarmung.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Fucked up
  • Vacant
  • Cold world

Tracklist

  1. Fucked up
  2. Disturb the peace
  3. Turnout
  4. Limousine
  5. Nothing’s forever
  6. Vacant
  7. Bruised
  8. Memory hotline
  9. Not enough
  10. Cold world
  11. Lo que será

Gesamtspielzeit: 32:40 min.

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User Beitrag

fakeboy

Postings: 4973

Registriert seit 21.08.2019

2024-05-26 17:00:18 Uhr
Spielen nächste Woche bei mir um die Ecke. Werd ich mir wohl anschauen, auch wenn ich sie Ende Juni als Support von Bad Religion sowieso sehen werde. Album geht ziemlich gut rein - energetischer, melodischer Midtempo-Punkrock mit leichtem Hardcoreeinschlag.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26758

Registriert seit 08.01.2012

2024-05-21 18:46:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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