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The Wesleys - The Wesleys

The Wesleys- The Wesleys

Little Village
VÖ: 12.04.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alle Regler nach rechts

Nun aber: Der Winter hat sich endlich zurückgezogen, die grauen Tage sind vorbei, die eigene Gemütskostümierung sowie die der Mitmenschen werden zunehmend besser. Eine gute Gelegenheit, auch die Musikauswahl einem Frühjahrsputz zu unterwerfen und trübselige Sounds in die Asservatenkammer zu schieben. Was wir jetzt brauchen, ist Musik für laue Nächte, fürs Festival – oder das ziellose Cruisen im abgerockten Cabrio. Bühne frei für die Wesleys, eine vierköpfige Band aus Montreal, die in den Liner Notes unter anderem auf The Clean, Teenage Fanclub und die Pixies als Inspirationen verweist.

Was uns freut: Das ist kein hohles Marketing-Gewäsch oder fehlgeleitetes Namedropping. Ganz im Gegenteil – die neun Tracks mit einer Gesamtspielzeit von einer guten halben Stunde geben allesamt Vollgas und machen sensationell gute Laune. Geschickt gewählt ist "Make it my way" als Opener. Volle 70 Sekunden lang reiten die Gitarren auf ein- und demselben Ton herum; erst allein, dann steigt der Drummer mit stakkatoartigem Geprügel ein – und gerade, als man sich fragen will, ob da jetzt noch was anderes kommt, gibt's urplötzlich perlende Gniedelgitarren mit traumschön-harmonischen Akkordfolgen, und die Sonne geht auf. Sehr stark auch "A lot to lose" – hier trifft ein The-Strokes-artiges, leicht angezerrtes Schlagzeug auf knorrig-singende Bassläufe und routiniert-treibende Stromgitarren – und "I've been waiting", das tatsächlich auch direkt aus der Feder von Teenage Fanclub stammen könnte. Den größten Gassenhauer präsentiert die Uptempo-Nummer "25", die einen an die seligen Wipers in ihrer absoluten Blütephase ("Land of the lost") erinnert – mit sägenden Fuzzgitarren, hymnischen Refrains und einem larmoyanten Scheißegal-Gesang als Kontrapunkt.

Neben den zuvor erwähnten Hauptzutaten setzen die Wesleys aber auch auf sparsam dosiertes, aber damit umso effektiveres musikalisches Glutamat – in Form von hier und da eingestreuten Piano- und Farfisaorgel-Sounds, dem einen oder anderen nicht ausgebügelten Verspieler – oder auch dem reichlich vertrackten Rhythmus im Rausschmeißer "Death by the bite". Selbst altgediente Musiklehrer dürften sich beim ersten Hören verzweifelt fragen, wo denn hier bitteschön die "Eins" ist, ungefähr beim dritten Durchlauf versteht man dann, dass es sich hier um einen 11/8-Takt handelt. Nach Verklingen des letzten Tons ist einem demzufolge auch so richtig schön schwindelig. Die Wesleys verbinden die Schnoddrigkeit von Pavement mit der treibenden Kraft der Wipers und der melodiösen Akkordarbeit von Teenage Fanclub – und ein winziges Körnchen Surf- und Psychobilly ist auch dabei. Da gibt's nur eins: Verdeck hochklappen, Musik an und alle Knöppe nach rechts drehen.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Make it my way
  • 25
  • Radio circus

Tracklist

  1. Make it my way
  2. A lot to lose
  3. I've been waiting
  4. Fucked up
  5. 25
  6. Better believe it
  7. Radio circus
  8. Great big smile
  9. Death by the bite

Gesamtspielzeit: 31:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Jochen Reinecke

Postings: 22

Registriert seit 22.12.2023

2024-05-17 12:40:55 Uhr
@Herr: Ich hab auch lang hin- und her-überlegt, weil ich das Komplettwerk der Wipers auf Vinyl habe. Finde in der Gesamtschau "Land of the lost" am reifsten, weil da die Soundstrukturen am dichtestens sind. Die frühen Alben sind ja im Grunde sehr sehr geradlinig und auch zornig, Land of The Lost hat das gewisse Etwas, ist schön fuzzy und verloren.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26581

Registriert seit 08.01.2012

2024-05-16 22:28:05 Uhr
Schön, dass hier ein schmaler, kleiner, unter den 7/10-Rezensionen versteckter Geheimtipp mit doch schon etwas zurücklegendem VÖ so viel positive Resonanz bekommt. Hat Jochen aus diversen Reinhör-Alben rausgetrüffelt.

Herr

Postings: 2334

Registriert seit 17.08.2013

2024-05-16 21:23:10 Uhr
Ja tatsächlich mit „Land of the Lost“.
Somit gebührt dem Herrn Reinecke besonderer Dank für die Wegweisung vorwärts und zurück in den Zeiten.

Herr

Postings: 2334

Registriert seit 17.08.2013

2024-05-16 19:04:19 Uhr
Für mich auch die Top Neuentdeckung. Sehr schön, so schrammelig; der Rezensent hat auch ganz passend referenziert.

Ob The Wipers „Land of the Lost“ deren bester Output war, muss ich nachprüfen. Für mich eigentlich bislang „The Circle“. Aber nett verpackter Motivationsschub, da mal wieder einzutauchen.

Kalle

Postings: 366

Registriert seit 12.07.2019

2024-05-15 08:24:10 Uhr
Hatte mir bei den Referenzen mehr erhofft. Ist mir zu schrammelig.
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