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Dua Lipa - Radical optimism

Dua Lipa- Radical optimism

Urban / Universal
VÖ: 03.05.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Solar power

Ein "polnischer Abgang" bezeichnet den Rückzug oder Abschied aus einer Situation ohne vorherige Ankündigung. Damit steht Deutschland idiomatisch allerdings recht exklusiv da, im europäischen Ausland schiebt man es dagegen wahlweise auf die Engländer oder die Franzosen – "vyparit se po anglicku" heißt es beispielsweise in Tschechien, "despedida a la francesa" dagegen in Spanien. Und die Betroffenen? Schieben sich den Kram gegenseitig in die Schuhe. "French exit / Filer à l'anglaise", so sagt man es in den jeweiligen Ländern und so formt sich zugleich im Song "French exit" die cleverste Metapher auf Dua Lipas drittem Album hinsichtlich der verschiedenen Perspektiven auf eine Liebschaft, die sich besser nicht weiterentwickeln sollte: "It's not a broken heart if I don't break it / 'Goodbye' doesn't hurt if I don't say it." Dass die perlenden Gitarren dazu den Traum-Sonnenuntergang malen, ist ein Kontrast, der auf dieser Platte häufiger zu hören ist.

Leicht machen ist für Lipa auch so ein Stichwort. Wie will man denn ein "Future nostalgia" toppen, eines dieser Pop-Alben voller Banger, das in dieser Form nur alle Jubeljahre daherkommt? Dazu bräuchte man in der Tat "Radical optimism", wie der Nachfolger nun betitelt ist. Die Leadsingles "Houdini" und "Training season" haben sich zumindest im Airplay und in den Charts einigermaßen festgekrallt und das zurecht. Ersterer ist eine zackige beatgetriebene Nummer mit der Warnung: "I'm not here for long / Catch me or I go Houdini." Dabei soll "Radical optimism" doch eigentlich das Gegenteil bewirken und "Training season" arbeitet genau daran mit funkigem Unterbau, der die Wunschliste an den Zukünftigen unterstützt. "Are you somebody who can go there? / 'Cause I don't wanna have to show ya / If you ain't that, then let me know, yeah / 'Cause training season's over."

In den Credits fallen zwei bekannte Namen auf: Bei sieben Songs drückt Tame Impalas Kevin Parker seinen Stempel als Writer und Produzent auf, der Rest wird von Andrew Wyatt beackert, Indie-Pop-Fans noch als Teil von Miike Snow bekannt. Ein echter Unterschied im Sound besteht zwischen den beiden Fronten aber nicht und gerade diese Einheit ist die Stärke von "Radical optimism". Ganz gemäß dem Albumtitel hängen sich die Stücke lieber ein Stündchen mit Cocktail an den sommerlichen Strand, ob es in den Lyrics nun gerade romanzt oder eben nicht. Der Opener "End of an era" macht das direkt mit einem Gruppenschrei wie aus der Wasserrutsche klar und bis zum Powerpop-Ausklang von "Happy for you" hält die Stimmung an. Nach eineinhalb- bis zweistündigen Werken von anderen Pop-Größen ist die konzentrierte Kürze und der Fokus von "Radical optimism" sowieso eine wahre Wohltat.

"Whatcha doing?", fragt Lipa im Soft-House von "Illusion", der ein wenig den ähnlich gelagerten Tracks hinterherhinkt, obwohl doch ein anderer Track schon so heißt, der wiederum wie einst "Pretty please" rhythmisch umhertapst. Beide Songs mögen zu den schwächeren gehören, aber von einem Ausfall sind sie weit entfernt. Dagegen überzeugen das Latin-Flair von "Maria" oder die etwas erhöhte Vokakrobatik in "Falling forever" umso mehr. "If these walls could talk / They'd tell us to break up", singt Lipa im wunderbar melodischen "These walls", dem Song, der noch am ehesten etwas wie Wehmut transportiert. Sonst ist "Radical optimism" nämlich einfach effizienter Sonnenschein-Pop, der seine Sache verteufelt gut macht und die kleinen und großen Ohrwürmer mit Treffsicherheit platziert. Die Antwort auf die Frage, ob das nun mit "Future nostalgia" mithalten kann, lautet also: scheißegal.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Houdini
  • Training season
  • French exit
  • Happy for you

Tracklist

  1. End of an era
  2. Houdini
  3. Training season
  4. These walls
  5. Whatcha doing
  6. French exit
  7. lllusion
  8. Falling forever
  9. Anything for love
  10. Maria
  11. Happy for you

Gesamtspielzeit: 36:35 min.

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User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 21678

Registriert seit 21.08.2019

2026-03-16 10:50:49 Uhr
*Livenation

fuzzmyass

Postings: 21678

Registriert seit 21.08.2019

2026-03-16 10:50:17 Uhr
"Diese superteuren Spezialtickets und Pakete gibt's ja inzwischen leider scheints bei allen Konzerten dieser Größenordnung"

Ja, gab's auch bei Radiohead z.b. ... in der Größenordnung gibt's halt immer irgendein VIP Whateva Package, das gehört wohl mittlerweile zum Deal mit Veranstalter/Ticketladen (Licebation, Ticketmaster, Eventim etc)

Unangemeldeter

Postings: 2609

Registriert seit 15.06.2014

2026-03-16 10:39:15 Uhr
Aber die 300€ waren ja wohl irgendein VIP-Ticket-Bums, Stehplätze laut Kojiro oben ja 90€.
Diese superteuren Spezialtickets und Pakete gibt's ja inzwischen leider scheints bei allen Konzerten dieser Größenordnung - das schließe ich aber auch schon aus Prinzip kategorisch für mich aus, egal welcher Act.

BunteKuh

Postings: 631

Registriert seit 17.07.2022

2026-03-16 10:23:50 Uhr
"300€ für einen Plastikpop-Act? Really?"

Würde ich nicht bezahlen. Aber im Vergleich zu Taylor Swift wohl noch günstig..... Und sie singt erkennbar live

Shadow Talk

Postings: 515

Registriert seit 05.02.2024

2026-03-16 08:36:59 Uhr
300€ für einen Plastikpop-Act? Really?

Ich find 100€ für ne große Show ist ja noch ok, vorausgesetzt man ist ein wirklich großer Fan. Alles darüber geht ja schon Richtung Enkeltrick.
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