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Sia - Reasonable woman

Sia- Reasonable woman

Atlantic / Warner
VÖ: 03.05.2024

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vernunft über Kunst

Vernünftig sein ist etwas, das nicht immer leicht fällt, aber vielen oft nicht schaden könnte. Nicht immer erst sprechen, bevor der Gedanke fertig gedacht ist, nicht immer sofort aktionistisch handeln, bevor man sich über die Konsequenzen bewusst geworden ist. Die Australierin Sia scheint eine Frau der bewussten Entscheidungen zu sein. Nach den ruhigen Tönen ihrer früheren Karriere schien "1000 forms of fear" wie eine bewusste Wahl, dem Weltruhm jetzt mal eine Chance zu geben – das Talent war ja unweigerlich da und beste Beziehungen zu den Großen der Musikindustrie auch. Und auch die konzeptionelle Ausrichtung, die Ästhetik, sich hinter Perücken zu verbergen und das Gesicht nicht zu zeigen, alles ein Kind der Vernunft. Aber ist das erste reguläre Studioalbum seit acht Jahren auch ein vernünftiges Album?

Am besten ist Sia im Pop-Kontext immer dann gewesen, wenn sie zur dramatischen Hymne gegriffen hat, und so lässt sie auch nur wenige Sekunden vergehen, bevor sie nonchalant mit voller Fahrt ins kitschige "Little wing" reingeht. So kennt und schätzt man Sia, auch wenn die Melodie noch nicht ganz kleben bleiben will. Das nächste Ausrufezeichen versucht "Immortal queen" mit keiner geringeren als Chaka Khan zu liefern. Zwei Ikonen liefern ein stabiles Duett, Sia quiekt die Vokale, und die Queen of Funk ist eine routinierte Ergänzung. Das nächste zumindest auf dem Papier ikonische Duett steht mit "Dance alone" an. Die australische Kollaboration mit Kylie Minogue muss zum Glück nicht allein unter der Discokugel stampfen, aber der Refrain kommt einem so dermaßen bekannt vor, dass man nicht umhinkommt, von (fehlender) Originalität zu sprechen. Vor allem, weil Nu-Disco zuletzt von Künstlerinnen wie Beyoncé und Dua Lipa bessere Ideen hinzugefügt wurden.

"I had a heart" erinnert mit seinem opulenten Anklang zunächst an Lana Del Reys "Born to die"-Zeiten, wird dann aber zum wankenden Schleppboot und kommt nicht über eine solide Fingerübung hinaus, auch wenn Sia viel in den Gesang legt. Ein erstes Highlight findet sich in "Gimme love". Erst geht es die Tonleiter runter, und dann werden Vokale wieder ganz lang – das alte Rezept. Allerdings funktioniert die unmissverständliche Aufforderung mit weniger als 20 verschiedenen Worten so erfrischend direkt, und der Gesang klingt befreit von allen einengenden Gedanken, dass die Freudenfunken sprühen. Der Bruch in den letzten 30 Sekunden mit Sample-Flip und Trap-Bass ist die Kirsche auf der Erste-Sahne-Torte. Danach macht es sich Sia allerdings wieder auffällig einfach, wenn sie in "Nowhere to be" ein Gesicht in der "crow-au-auuuud" erkennt und "Towards the sun" im absolut neutralen Sinne egal ist.

In "Incredible" kommt sie wieder mal mit dem britischen Sänger und Freund Labrinth zusammen, mit dem sie als Trio mit Diplo auch als LSD eine Supergroup bildet, beide harmonieren wie immer gut. Allerdings wirkt der Song, obwohl er leicht reingeht, mit piependem Refrain ein bisschen veraltet für Pop-Musik 2024. Kein Wunder, konnte man eine erste Version des Songs schon 2018 hören. Ähnlich aus der Zeit gefallen wirkt "Champion", ein Representer-Track à la DJ Khaled, in dem nur Tierra Whacks Part positiv auffällt. Ein bisschen Rettung gibt es im anderen Highlight "I forgive you". Ein helles Piano sticht wie kleine Flammen, Streicher führen in einen Pre-Chorus, und Sia zeigt erneut, wie viel sie allein aus dem Buchstaben "I" rausholen kann. Und dann aus einem "E". Und dann aus einem "U". Ja, durchschaubar mag das immer noch sein, Gänsehaut kriegt man trotzdem. Ein bisschen schade dennoch, dass es sich nur um eine Solo-Version von "Je te pardonne (Pilule bleue)" mit dem kongolesisch-französischen Künstler Gims von vor acht Jahren handelt.

Eine deutliche Erwähnung ist noch der glitzernde Synthietraum "Fame won't love you" wert, auf dem Sia ein bisschen wie Miley Cyrus klingt und eine schmachtende Paris Hilton alles andere als ein Totalausfall ist. Der Song kann als Reaktion auf das negative Feedback zum Musical-Film "Music" verstanden werden, für den der Popstar sicher nicht die Resonanz bekommen hat, die er sich erhofft hat. In diesem Sinne ist es fast schon ein geniales Meta-Statement, sich für einen Song über Berühmtheit die streitbare Paris Hilton als Feature zu greifen. Ein Gedanke, der allerdings dadurch torpediert wird, dass Sia wohl als ausführende Produzentin des kommenden Albums von Hilton fungieren wird.

Und auch an anderer Stelle passen solche Momente nicht kohärent mit Stücken wie erwähntem "Champion" zusammen oder Party-Zeilen wie "Rooftops in Manhattan / Paris for the fashion", die doch eher auf ein Traumleben hinweisen. Sia ist schon ewig keine Albumkünstlerin mehr, was nicht so schlimm war, war sie doch zeitgleich eine großartige Hitschreiberin. Diese Qualität ist auf "Reasonable women" fast vollständig verschwunden. Vernünftig sein bedeutet meistens auch, kein Risiko einzugehen. Ein bisschen mehr davon hätte ihrem neuen Album aber nicht geschadet. Vernünftig wäre es vielleicht sogar gewesen, dieses Album so nicht rauszubringen.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Gimme love
  • I forgive you

Tracklist

  1. Little wing
  2. Immortal queen (feat. Chaka Khan)
  3. Dance alone (feat. Kylie Minogue)
  4. I had a heart
  5. Gimme love
  6. Nowhere to be
  7. Towards the sun
  8. Incredible (feat. Labrinth)
  9. Champion (feat. Tierra Whack, Kaliii, Jimmy Jolliff)
  10. I forgive you
  11. Wanna be known
  12. One night
  13. Fame won't love you (feat. Paris Hilton)
  14. Go on
  15. Rock and balloon

Gesamtspielzeit: 47:21 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26581

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-25 19:50:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 669

Registriert seit 21.01.2024

2024-04-20 17:12:36 Uhr
4. Song "Fame Won't Love You Feat. Paris Hilton"

https://www.youtube.com/watch?v=1zR-eP5xhnM

MickHead

Postings: 669

Registriert seit 21.01.2024

2024-04-05 14:25:46 Uhr
3. Single "Incredible Feat. Labrinth"

https://www.youtube.com/watch?v=czaqssCwpT0

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26581

Registriert seit 08.01.2012

2024-02-07 17:25:30 Uhr - Newsbeitrag
SIA BESTÄTIGT 3. MAI ALS VERÖFFENTLICHUNGSDATUM
FÜR IHR NEUES ALBUM
“REASONABLE WOMAN”


VORAB GIBT ES HEUTE DIE NEUE SINGLE
„DANCE ALONE” MIT KYLIE MINOGUE


Zu den weiteren Beteiligten des Albums gehören unter anderem Chaka Khan, Paris Hilton, Tierra Whack, Labrinth

7. Februar 2024 – Seit Sia im September die Veröffentlichung ihres ersten regulären Soloalbums seit acht Jahren in Aussicht stellte, warten die Fans der Pop-Ikone gespannt auf ein Veröffentlichungsdatum. Nun ist es so weit: Die Australierin hat den 3. Mai 2024 als offizielles Release-Date für „Reasonable Woman“ bestätigt. Das Album erscheint über Atlantic Records und wird Gastauftritte von Kylie Minogue, Chaka Khan (die ebenso wie Sia im November in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurde), Paris Hilton, Tierra Whack, Labrinth, Kaliii und Jimmy Jolliff bereithalten. Ein weiteres Feature wird zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt.


Keinen Tag länger warten muss man auf den nächsten Vorboten des Albums. Er heißt „Dance Alone“, ist eine Kollaboration mit einer anderen globalen Pop-Queen aus Australien, der frisch Grammy-ausgezeichneten Kylie Minogue, und bietet knapp drei Minuten Pop-Perfektion. Hier gibt es das Lyric Video zum Song zu sehen, der davon handelt, dass man auf dem Dancefloor seine Alltagssorgen wegtanzt. Fans der beiden Künstlerinnen werden wissen: Sia und Kylie arbeiteten vor zehn Jahren schon einmal erfolgreich zusammen, seinerzeit auf Minogues Album „Kiss Me Once“.




Reasonable Woman

Album


VÖ: 03.05.24


Es gibt auf der Welt keine zweite Künstlerin wie Sia, das verdeutlicht schon ein Blick auf ihren bisherigen Weg: Nachdem sie bereits über zehn Jahre eine gefragte Indiepop-Sängerin war, vollzog sie den Schritt zum globalen Pop-Superstar. In dieser Rolle schrieb und produzierte sie zudem Musik für einige der berühmtesten Stars unserer Zeit. Sie blickt auf unfassbare weltweite Streamingzahlen von über 50 Milliarden (Position 6 im „Milliarden-Club“ bei Spotify) – und all das, ohne je ihr Gesicht zu zeigen, ohne Kompromisse für ihre künstlerische Vision einzugehen und ohne, dass sie sich von außen diktieren lässt, was die Definition eines Popstars zu sein hat. Wie gesagt: es gibt auf der Welt keine zweite Künstlerin wie Sia.


Ihr bisheriger Karriereweg war dabei so facettenreich wie die Künstlerin selbst. Die Spanne reicht von ihren frühen Tagen als Gastsängerin bei Zero 7 über Musik für die Schlussszene der beliebten HBO-Serie „Six Feet Under“ bis hin zu Songwriting, Co-Songwriting und Gastauftritten in Songs anderer Artists, darunter Rihanna, David Guetta und Flo Rida (deren Kollaborationen mit Sia allesamt gewaltige Charterfolge wurden).


Ihr Song „Chandelier“ aus dem 2014 veröffentlichten, Grammy-nominierten Album „1000 Forms Of Fear“ prägte den Sound der Popmusik über Jahre, und nicht nur das: das bahnbrechende Video mit Maddie Ziegler revolutionierte die Kunst des Musikvideos. Weitere Welterfolge ließen nicht lang auf sich warten, zu nennen wären etwa „Elastic Heart“, „Big Girls Cry“, „Alive“, „Together“, „Dusk ‘Til Dawn“ mit Zayn und „Cheap Thrills“ (das sich allein in den USA acht Wochen auf Platz 1 der Billboard- Singlecharts hielt und auch hierzulande Platz 1 eroberte).

Sias 2017 veröffentlichtes Weihnachtsalbum brachte mit „Snowman“ einen der zehn weltweit meistgehörten Weihnachtssongs aller Zeiten hervor, 2021 führte sie bei ihrem ersten Spielfilm „Music“ Regie und 2022 wurde „Unstoppable“ – ein Song aus dem 2016 erschienenen Album „This Is Acting“ – zu einer viralen Sensation, die den Song über die Milliarden-Grenze bei Spotify katapultierte und ihn sieben Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung in zahlreichen Ländern auf der Welt zurück in die Charts brachte. Daneben schrieb Sia in den jüngsten Jahren an Tracks für internationale Stars wie Miley Cyrus, Diljit und andere mit. Ferner erfreuen sich ihre Songs weiterhin großer Beliebtheit in Film- und Fernsehsendungen auf der ganzen Welt – und als riesiger Fan des TV-Formats „Survivor“ lobt sie seit vielen Jahren einen Geldpreis an ihre liebsten Teilnehmer:innen aus.


Und nun also „Reasonable Woman“, Sias erstes richtiges Album seit 2016. Neben den oben genannten Gastsänger:innen war eine Vielzahl herausragender Kreativpartner:innen, Producer:innen, Co-Songwriter:innen und Tontechniker:innen an der Entstehung beteiligt, darunter Jesse Shatkin, Greg Kurstin, Benny Blanco, Jim-E Stack, Rosalía, bülow, Mark „Spike“ Stent und viele mehr – ein absolutes Who’s who der Pop-Welt.
Cover Artwork groß

Reasonable Woman Tracklisting:

01. Little Wing

02. Immortal Queen (feat. Chaka Khan)

03. Dance Alone (Sia and Kylie Minogue)

04. I Had A Heart

05. Gimme Love

06. Nowhere To Be

07. Towards The Sun

08. Incredible (feat. Labrinth)

09. Champion (feat. Tierra Whack, Kaliii, Jimmy Jolliff)

10. I Forgive You

11. Wanna Be Known

12. One Night

13. Fame Won’t Love You (feat. Paris Hilton)

14. Go On

15. Rock and Balloon

fakeboy

Postings: 4878

Registriert seit 21.08.2019

2023-09-13 21:39:53 Uhr
Gimme Love ist nett - mehr nicht. Ach Sia… So sehr ich Chandelier mag - am liebsten ist mir immer noch Breathe Me (Six Feet Under anyone?).
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  • Sia (1 Beiträge / Letzter am 23.11.2016 - 00:34 Uhr)

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