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Locrian - End terrain

Locrian- End terrain

Profound Lore / Membran
VÖ: 05.04.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Katastrophengebiet Mensch

Es war ein ganz schöner Brocken, den uns Locrian 2022 mit "New catastrophism" in Zeitlupe vor den Latz knallten. Auch wenn sich von den monströsen, stählernen Hieben aus Sludge, Doom Metal und Industrial, die aus "Infinite dissolution" einen gewaltigen Endzeit-Monolithen gemacht hatten, kaum mehr eine Spur fand, als Terence Hannum, André Foisy und Steven Hess in vier langen, wurmartig kriechenden Fast-Instrumentals ihre Vision einer flächigen, von Ambient-Drones und dezenten Post-Rock-Anflügen begleiteten Apokalypse entwarfen. Neben der unheilvoll schwelenden, ungemein bedrückenden Musik ebenfalls ein Brocken: derjenige auf dem Cover, das einen verstrahlten Glaswürfel mit Trinitit-Einschluss aus der Fukushima-Sperrzone zeigte. Ein glühender Beleg dafür, dass der Mensch sein Bestes tut, um seinen Lebensraum möglichst bald unbewohnbar zu machen. Ob Locrian unter diesen ziemlich desolaten Umständen wohl jemals wieder den Dreh zu etwas kriegen würden, das entfernt einer Rock-Platte ähnelt?

Aber ja! Nach kurzem einleitendem Maschinen-Getöse geht "End terrain" so offensiv, ruppig und tatsächlich rockig zur Sache, wie man es den Amerikanern nach einem mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne morphenden Longtrack wie "Mortichnia" fast nicht mehr zugetraut hätte. Zu abwechselnd erdrückendem Backbeat und rasenden Schlagzeug-Eruptionen schieben zornige Riffs und ein somnambules Keyboard den Opener "Chronoscapes" nach vorne, während Hannum zwischen entfesselten Screams und abgrundtiefen Growls deliriert – ist das noch Kreischsägen-Prog im Black-Metal-Outfit oder kann das schon in den Teilchenbeschleuniger? Eine ähnliche Frage stellt "The throes of petrefaction", das einen elektronischen Klopfer antäuscht und sich wenig später in Grund und Boden brüllen lässt, ehe Hess gegen Ende den rabiatesten Blastbeat dieses stetig mutierenden Albums rausholt. Ein Monument kontrollierten Lärms und potenzierter Hoffnungslosigkeit. Der Mensch hat's versaut – Locrian klauben gerade die Trümmer auf.

Und da global ohnehin wenig zu retten ist, hat das Trio es dabei längst nicht immer so eilig wie in diesen zwei erstaunlich konzisen Stücken. "Utopias" etwa nimmt sich die Hälfte von über acht Minuten Zeit für ein Drum-Vorspiel mit Synthie-Flausch, bis ein Break das Stück auf links zieht und eine stoische Gitarrensense alle sphärischen Ansätze niedermäht. "Excarnate light" funktioniert genau andersherum, prügelt zunächst knackige Leads vor sich her, kracht dann geräuschvoll zusammen und schwingt sich schließlich zu einem massiven Mosh-Groove auf, zu dem man dennoch bitteschön nicht Meddl sagen sollte. Ein ganz schöner Brocken ist "End terrain" also erneut – nur gelegentlich räumen "Black prisms of our dead age" oder der Closer "After extinction" den feinen Gitarren-Details Platz ein, die schon "Incomplete map of voids" vom Vorgänger versuchsweise zur Sonne dringen ließen. Und dass es beim Versuch bleibt, passt zu diesem triumphalen, zutiefst pessimistischen Statement aus dem Herzen des Katastrophengebiets.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Utopias
  • Excarnate light
  • In the throes of petrifaction

Tracklist

  1. Chronoscapes
  2. Utopias
  3. Umwelt
  4. The world is gone, there is no world
  5. Excarnate light
  6. Black prisms of our dead age
  7. Innenwelt
  8. In the throes of petrifaction
  9. After extinction

Gesamtspielzeit: 40:45 min.

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Armin

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2024-04-25 19:49:31 Uhr - Newsbeitrag
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