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König Boris - Disneyland after dark

König Boris- Disneyland after dark

Buback / Indigo
VÖ: 26.04.2024

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Er wär' gern wie Mike

"Mike, Mike, ich wär' gern wie Mike / Denn Mike zeigt mir meine Mittelmäßigkeit." 2015 zog der Münchener Rapper Fatoni auf dem Album "Yo, Picasso" den Hut vor dem großartigen Mike Skinner. Skinner ist als Kopf von The Streets mit seinem eigenwilligen Rap-Stil und seinem konsequenten Negieren gängiger HipHop-Konventionen ein Kritikerliebling und über Szenegrenzen hinaus bekannt. Auch Boris Lauterbach hat ein Faible für den Londoner Musiker und versucht sich auf "Disneyland after dark" an einer hanseatischen Interpretation desselben. Ganz im Stile von Skinner gibt Lauterbach in seinen Texten den stillen Beobachter, der durch Hamburgs Viertel stromert und die Parallelität von Glanz und Schmutz seiner Heimatstadt beschreibt.

Bis vor kurzem war Lauterbach noch ein Drittel von Fettes Brot. Das Trio ist nach Best-Of-Album und Abschiedstournee erst seit wenigen Monaten Geschichte, da veröffentlicht der umtriebige Lauterbach unter altbekanntem Künstlernamen König Boris schon die erste Soloplatte. Bereits 2012 nutzte er eine Bandpause und tobte sich mit "Der König Tanzt" mit einem eigenwilligen Wave- und Synthiepop-Projekt aus. Derlei Experimente sind passé. König Boris bleibt diesmal beim Deutschrap, ist dabei aber nicht so klamaukig wie Fettes Brot, die das Label der Spaßrapper im Laufe ihrer Karriere nie ablegen konnten. In "Stadtratte" beschreibt er das freudlose Leben als vereinsamter Außenseiter, "Das Blaue vom Himmel" erzählt vom grauen Citylife. Bei "Lieferservice" schlüpft König Boris in die Rolle eines deutlich jüngeren Protagonisten, der sich in die Pizzabotin verknallt: "In Deiner Uniform sahst Du aus wie 'ne Fluglotsin oder ein Postbote / Und ich dachte: Wow, von Dir hätt' ich gern 'ne Kostprobe." Aus dem Mund eines fast 50-Jährigen lösen die Zeilen ähnlich mulmige Stalking-Gefühle aus wie der 70er-Jahre-Schlagerhit "Im Wagen vor mir". Immerhin fühlt man überhaupt irgendwas bei dem Song. Allzu oft wabert "Disneyland after dark" nämlich seltsam egal vor sich hin.

Das liegt bei Tracks wie "Zuhause angekommen" oder "Kiss me kiss me" vor allem am hölzernen Vortrag des Rappers, bei "Unten an der Ecke" an den schablonenhaften Beschreibungen von Junkies, Bettlern und süßen Mädchen. Die zusammen mit Arne Diedrichson, dem ehemaligen Live-Bassisten von Fettes Brot, produzierten Instrumentals zünden ebenfalls nicht. "Auf dem Balkon" kopiert den Deichkind-Sound, bleibt aber so bieder wie die im Song beschriebene Party. Hier wird zu Bill Withers und argentinischem Tango der Sekt von der Tanke gesüffelt. Klingt nach Wahlparty der Jungen Liberalen. Ein seltenes Highlight ist "Elefantenhaus". Für diesen Song hat König Boris zwar wiederum beim bereits erwähnten Fatoni und seinem Haus-und-Hof-Produzenten Dexter genau hingehört. Das Storytelling sitzt aber, noch dazu gibt sich Heinz Strunk für die Hook die Ehre. Bei "Alle wach" wildert der König in Gefilden von Peter Fox. Der hüftsteife Track taugt aber höchstens für die nächste Gruppen-Choreografie der örtlichen Tanzschule. "Beste" ist eine Liebeserklärung an die Hansestadt, das Instrumental erinnert an "Blinded by the lights" vom The-Streets-Meisterwerk "A grand don't come for free". Doch Hamburg ist halt nicht London. Und Boris Lauterbach beileibe nicht Mike Skinner

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Elefantenhaus
  • Bunker

Tracklist

  1. Zuhause angekommen
  2. Auf dem Balkon
  3. Kiss me kiss me
  4. Elefantenhaus
  5. Lieferservice
  6. Unten an der Ecke
  7. Alle wach
  8. Disneyland after dark
  9. Stadtratte
  10. Bunker
  11. Das Blaue vom Himmel
  12. Beste

Gesamtspielzeit: 34:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

nagolny

Postings: 1233

Registriert seit 06.11.2022

2024-05-03 14:55:34 Uhr
Habe nur so einen schon wieder weitgehend vergessenen Song daraus gehört, aber der war irgendwo zwischen leider nur beinahe egal und dann doch wieder viel zu nervig schlagerig (wie nahezu alle Charthits aus dem spießigen Kartoffelpop der letzten zehn, zwanzig Jahre) angesiedelt - und hatte noch dazu auch so einen typisch vergessbaren Titel, wie all diese latent depressiven "Feier"-Befindlichkeitssongs einer übersättigt sinnlos vor sich hin konsumierenden Alterskohorte kurz vor dem Nervenzusammenbruch, die nach zu lang anhaltender Quarter- und zu früher Midlife-Crisis nur noch Statussymbole anhäuft oder eben notorisch berufsjugendlich langsam aber sicher ins Junkietum abgleitet. Zum Abgewöhnen. Den Titel habe ich dennoch nicht mal beim Lesen der Albumtrackliste wiedererkannt, was man zynisch als durchaus insgesamt symptomatisch für den deutschen Gegenwartspop in der Murmeltierschleife sehen könnte. Unentschlossener als 'Jein', denn da konnte man wenigstens noch ein, zwei mal drüber schmunzeln und die Trompete war okay, wenn auch nicht Cake. Nun ist also auch Boris auf dem Endlevel der Verschlagerung angekommen. Was hat ihn nur so ruiniert?

joseon

Postings: 466

Registriert seit 04.09.2023

2024-05-03 12:14:20 Uhr
Unhörbarer Schrott.

Robert G. Blume

Postings: 905

Registriert seit 07.06.2015

2024-05-03 12:10:56 Uhr
Hat irgendjemand eine Idee, warum er das Album nach dem originalen Bandnamen von D:A:D benannt hat?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26581

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-25 19:49:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26581

Registriert seit 08.01.2012

2024-01-19 18:14:11 Uhr - Newsbeitrag
König Boris veröffentlicht heute mit "Zuhause angekommen" einen neuen Song und kündigt damit sein Soloalbum "Disneyland After Dark" an, das am 26. April 2024 via Buback Tonträger erscheinen wird.

Berlin, 19.01.2024
Ohne ein Wort über seine Band Fettes Brot kann wohl keine Pressemeldung über König Boris auskommen. Waren die drei Freunde doch über 30 Jahre lang musikalische Heimat, Spielwiese, Teil des Lebens. Doch nach 50.000 Menschen auf der Trabrennbahn in Hamburg, einem "Brotstock"-Festival der Superlative, 20 Abschiedskonzerten und einem "Hitstory" Greatest Hits Album, haben sich Fettes Brot zum September 2023 fulminant aufgelöst. Nun beschreitet König Boris Solopfade.



Nachdem er bereits im Jahr 2012 mit dem Wave-Dance-Pop-Projekt "Der König tanzt" aus der Reihe tanzte, hat er zehn Jahre später das zweite Soloalbum aufgenommen.

Während die Welt auf C-Pause drückte, tippte er auf Play. Über einen längeren Zeitraum hinweg schrieb und produzierte er gemeinsam mit Kumpel Arne Diedrichson (Fettes Brot, DJ Koze, Parcels) das Album "Disneyland After Dark". Es ist Garage, Rap-Storytelling in der Art von Mike Skinner/The Streets. Manchmal düster wie Anne Clark, mit Beats & Synths. Künstlich und intelligent.

Die Texte mit gewohntem Witz, doch subtiler und nachdenklicher. Es geht um das Leben in einer (seiner) großen Stadt. Eine Reise vom Anfang seines Tages bis ans Ende seiner Nacht. König Boris schreibt aus einem Beobachtungsposten heraus, hält mit Gefühlen nicht hinter dem Berg und liefert wundervolle Zeilen wie z.B. "deine Eltern sind scheiße, meine Eltern sind tot und wir wissen beide: Gott ist ein Idiot".

Mit "Disneyland After Dark" öffnet König Boris das nächste Kapitel seiner Musikkarriere. Die erste Single "Zuhause angekommen" zeigt gut, wo die Reise hingehen wird: melancholisch-augenzwinkernd, ernsthaft-schön, mitreißend und clubbig. "Der leuchtende Stern über mir ist ein Satellit, das Licht am Horizont ein Containerschiff unten am Hafen, der Hoffnungsschimmer ein helles Fenster im Wohngebiet, bitte lass das Licht an, ich kann im Dunkeln nicht schlafen".

Das Album "Disneyland After Dark" von König Boris erscheint am 26. April 2024 via Buback Tonträger.

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