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Ulysse - Moi vs Moi

Ulysse- Moi vs Moi

Sichtexot
VÖ: 05.04.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kopfnicker ohne Kopfkino

Die EPs hießen "Je suis Ulysse" oder "Toujours Ulysse", das Debütalbum jetzt "Moi vs moi". Alles deutet darauf hin, dass es sich bei Ulysse, französisch für Odysseus, um einen Künstler aus unserem Nachbarland handelt. Tatsächlich wurde der 28-Jährige aber in Aachen geboren, rappt größtenteils auf Deutsch und flechtet nur einzelne Passagen und Punchlines auf Französisch ein. Ihn als besonders frankophil zu bezeichnen, greift jedoch zu kurz. Mutter und Vater stammen aus Kamerun, die französische Sprache hat also im Haushalt des Rappers eine Rolle gespielt. Dazu musste er selbst einige Jahre auf einem Internat für Schwererziehbare im Elsass verbringen.

Aufgewachsen ist Ulysse im badischen Karlsruhe, einer Stadt, die bekannt ist für ihr schmuckes Schloss, diverse Museen und als Sitz des Bundesverfassungsgerichts. Doch wie in den meisten mittelgroßen deutschen Städten gibt es auch in Karlsruhe Bezirke, die als soziale Brennpunkte bezeichnet werden. In einem solchen landete die Familie von Ulysse, der bis heute in seinen Songs das kleinkriminelle Leben im Block verarbeitet. Er ist kein großer Geschichtenerzähler. Seine Stories vom Straßenleben wirken distanziert, das Kopfkino bleibt geschlossen. Der Rap-Stil ist roh und direkt, mit vertrackten Schachtelsätzen hat Ulysse nicht viel am Hut. Er verzichtet weitestgehend auf den im Straßenrap üblichen bunten Blumenstrauß an Beleidigungen. Einzig beim Track "AVSM" gelingt ihm das nicht. Was an Erzählkunst fehlt, machen die nostalgische Atmosphäre und der Kopfnicker-Retrosound wett.

Ulysse ignoriert aktuelle Trends, rappt nicht über Trap-, Drill- oder gar Jersey-Club-Beats. Der Endzwanziger hat sich dem klassischen Boombap verschrieben und lebt seine Vorliebe für Eastcoast-Rap der 90er-Jahre aus. Die Drums von "Sandmann" scheppern wie bei Mobb Deep, "Lektion" hat den entspannten Vibe der Lost Boyz. Für diesen Track konnte Ulysse den hochdekorierten Mainzer Produzenten Shuko gewinnen, der mit Keith Murray, Talib Kweli und Kanye West schon für richtig große Namen des US-Raps an den Reglern saß. Großen Anteil am Sound hat außerdem Produzent Kevoe West, so auch für das Highlight des Albums, "Respect". Hier teilt sich Ulysse das Mic mit dem französischen Rapper Benjamin Epps, der mit seinem geschmeidigen Flow den Track auf ein anderes Level hievt.

Den verkifften "Kuranyi Freestyle" bestreitet Ulysse an der Seite vom Kölner Rapper Lugatti. In der Domstadt hat Ulysse seine neue Heimat gefunden. Es hat ihn wieder in einen Problembezirk verschlagen, nach Köln-Porz. Wie man bei "Hochhaus" erfährt, hat er sich offensichtlich gut eingelebt. Er "respektiert den Geißbock wie Davie Selke" und versucht sich sogar am lokalen Zungenschlag: "Homie, ich sag': Wat kütt dat kütt / Bin so weit gekommen durch Arbeit, das war kein Glück." Anpassungsfähig ist der Wandervogel also.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Welcome
  • Sandmann
  • Respect (feat. Benjamin Epps)

Tracklist

  1. Welcome
  2. Sandmann
  3. AVSM
  4. Kuranyi Freestyle (feat. Lugatti)
  5. Moi vs. Moi
  6. Plot Twist
  7. Respect (feat. Benjamin Epps)
  8. Hochhaus
  9. Wurzeln
  10. Lektion

Gesamtspielzeit: 24:41 min.

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User Beitrag

uselessDM

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Registriert seit 29.09.2016

2024-04-21 20:06:45 Uhr
Verdiente 6/10

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26609

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-17 20:10:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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