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Phosphorescent - Revelator

Phosphorescent- Revelator

Verve / Universal
VÖ: 05.04.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Apokalypse in Pastell

Matthew Houck ist nicht zufrieden mit sich selbst. "I got tired of sadness / I got tired of madness / I got tired of being a badass all the time", singt er im Titeltrack seines achten Albums "Revelator", später wird er noch verzweifelter: "How can I get it right? / I don't even like what I write / I don't even like what I like anymore." Zwischenzeitlich scheint er im Inneren ins Reine zu kommen, nur um anderweitig gegen Wände zu laufen: "Got my heart open wide / But the city been shut down." Rein inhaltlich hat sich bei dem als Phosphorescent bekannten Künstler im Laufe seiner Karriere wenig getan – doch breitete sich das existenzielle Unbehagen im brüchigen Spiritual-Folk eines "Pride" auch musikalisch aus, ist davon mittlerweile kaum noch etwas zu hören. So, wie sich in besagtem Opener Vocals und Pedal Steel aneinanderschmiegen, während Jim White sein sanftestes Drumming aus dem Repertoire holt, wird schnell klar: Der schon auf den Vorgängern angekurbelte Glattlutsch-Prozess von Phosphorescent hat seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Zwischen Soft Rock und pastellfarbener Americana fühlt sich Houck pudelwohl – das Titelstück sei sein bester Song überhaupt, sagt er –, doch driftet "Revelator" gelegentlich in Sphären des Egalen ab, die seine Texte nicht verdient haben.

Gerade das erste Albumdrittel zerfließt in dieser Hinsicht. Das aus der Feder von Jo Schornikow, Houcks Partnerin und Keyboarderin seiner Band, stammende "The world is ending" kontrastiert seine apokalyptischen Ahnungen mit paradiesischen Streichern. Der Klangbrei von "Fences" verschlingt konkret eingefangene Bilder einer verlorenen Beziehung: "The stars were out to shine, but you were way gone / I saw it in the way you laced your shoe." Wenn "All the same" später seine titelgebende Phrase um die 20 Mal wiederholt, kann man das als bewussten Meta-Kommentar auf die unendliche Gleichförmigkeit des Daseins interpretieren, oder einfach langweilig finden – da rettet auch das nach drei Minuten plötzlich loswirbelnde Schlagzeug nicht mehr viel. Dass sich die Songlängen fast konstant um fünf Minuten herum bewegen, hilft nicht gerade dabei, Ankerpunkte inmitten des leicht repetitiven Wohlklangs zu finden. Dieser kann jedoch auch Momente kontemplativer Schönheit abwerfen, wie das wundervolle "Wide as heaven" beweist: Die Melodie spiegelt das würdevolle Pathos von Zeilen wie "Time is a raven with a beak of blood / Crying at seven every morning", ehe der instrumentale Schlusspart einen auf der sonstigen Platte unerreichten Sog entwickelt.

Von solchen kleinen Offenbarungen hat "Revelator" genug, damit der Daumen insgesamt nach oben zeigt. Mit erstaunlichem Nachdruck treibt "Impossible house" nach vorne, gönnt sich neben ein paar Orchester-Ausbrüchen auch eine "Kevin – Allein zu Haus"-Referenz. Schwungvoller ist nur "A moon behind the clouds" , das sein Porträt eines "country on fire" mit Geige, Gitarre und Percussion sonnig umrahmt und ein bisschen so klingt, als hätte Paul Simon sein "Graceland" gemeinsam mit den späten The Velvet Underground aufgenommen. "A poem on the men's room wall" ist musikalisch zwar weniger der Rede wert, doch wie Houck hier Klohaus-Lyrik inklusive der "Dune"-Verballhornung "Beer is the fear killer" verarbeitet, zeichnet ihn erneut als virtuosen Texter aus. "You've done all right, but it's all untrue / It's a full-on nightmare", bilanziert der Mann aus Nashville schließlich das Ding namens Leben im finalen "To get it right" – doch ist der Schlussakkord ein optimistischer, wenn Houck "We get it right, it's what we do" über einem triumphalen Crescendo deklariert, in dem Schornikow die Tasten glühen lässt. Wie gut die Musik von Phosphorescent doch sein kann, wenn Wort und Ton im Einklang stehen.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Impossible house
  • Wide as heaven
  • To get it right

Tracklist

  1. Revelator
  2. The world is ending
  3. Fences
  4. Impossible house
  5. Wide as heaven
  6. A moon behind the clouds
  7. All the same
  8. A poem on the men's room wall
  9. To get it right

Gesamtspielzeit: 45:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26609

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-17 20:09:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Der Auferstandene

Postings: 3

Registriert seit 09.06.2018

2024-04-05 10:13:34 Uhr
Süffig, das Album und leider etwas klebrig. Das war bei "Here's To Taking It Easy" (seinem für mich besten Album) zwar ähnlich, nur nicht so schwülstig. Bin leicht enttäuscht... wenn es auch es kein fulminant schlechtes Album ist. In Punkten: eine 5.

captain kidd

Postings: 3652

Registriert seit 13.06.2013

2024-04-01 23:01:36 Uhr
Sorry, aber da war früher echt mehr Lametta

https://youtu.be/T0r3JIlGfGw?si=FyUWR805gWpC4YM2

kingsuede

Postings: 4152

Registriert seit 15.05.2013

2024-04-01 20:51:23 Uhr
Sogar noch besser.

MickHead

Postings: 691

Registriert seit 21.01.2024

2024-03-06 19:45:12 Uhr
2. Single "Impossible House" ist draussen.

https://www.youtube.com/watch?v=VGjqI0kB3z4
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