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Wine Lips - Super mega ultra

Wine Lips- Super mega ultra

Stomp / Rough Trade
VÖ: 05.04.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hit me with your rhythm stick

Bei manchen Türen wüsste man gern, was dahinter lauert, bevor man hindurchgeht. Wine Lips haben in der Stadt eine neue Kneipe eröffnet, das "Super mega ultra". Der Name ist Programm, so sind die Zuhörenden keinen Meter hinter der Schwelle schon in ein Handgemenge verwickelt und nach nicht einmal zehn Sekunden hat man sich die erste Schelle eingefangen. Nach "Derailer" schmerzt die Wange – was ist denn hier los? Zügelloser Garagenrock ballert einem um die Ohren. Und das mit einer rotzigen Aggressivität, die jeden zwei Schritte zurückweichen lässt, der noch alle Sinne beisammen hat. Das Adrenalin ist natürlich sofort in den Kopf geschossen. Erst mal an die Bar. Die Tresenkraft sieht den hochroten Kopf, aus dem sie zwei aufgerissene Augen anstarren. Anstatt mit dem bestellten Wein die Lippe kühlen zu dürfen, bekommt man mit mickrigen 72 Sekunden nur einen Kurzen serviert, zusammen mit einem trockenen "Scarface"-Zitat: "Don't get high on your own supply!" Puh, dann runter mit dem Zeug, brennt ein wenig und ist schon wieder vorbei, bevor es richtig angefangen hat.

Der derangierte Typ an der Bar klärt auf: Das sind hier alles Kanadier, die seit dem Erfolg ihrer letzten Veranstaltung, der "Mushroom death sex bummer party", auf der Überholspur unterwegs sind. Seitdem brüllen durch die Boxen im Laden mehr Fuzz und noch mehr Keyboard-Sounds, durch alle Arten von Effektgeräten gejagt. Er hätte gerade "Fried IV" von der Karte bestellt, eigentlich Pommes, die in Tabasco schwimmen. Jetzt spürt er nur noch die rhythmischen Muskelkontraktionen seiner Bauchdecke, aber lecker ist das Zeug irgendwie schon, jedenfalls hält er's mit einem eisernen Grinsen im Gesicht aus. Endlich kommt der ersehnte Wein und man kann einmal durchschnaufen. Aus der Anlage schallt jetzt "New jazz", eine schöne, bluesrockige Lo-Fi-Nummer – sind das The Black Keys? Nein, hier wird nur Wine Lips gespielt, sonst nichts, kräht die Tresenkraft. Das sorge für die nötige "Stimulation", die wieder an die brutale Rhythmusarbeit vom Anfang anschließt und dank der sich schon wieder zwei Kanadier in einer Ecke prügeln.

Auf der Tanzfläche pogt derweil Wine-Lips-Schlagzeugerin Aurora Evans mit Flasche in der Hand, während sie brüllt: "I've got a sixpack, drinking with my left hand! / I've got a six pack, drinking with my best friends!" Das könnte eine Partyhymne werden, wenn sie sich morgen früh noch daran erinnern kann. Der Typ neben ihr scheint Sänger und Songschreiber Cam Hilborn zu sein, der sich von seiner Drummerin nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und zu den Klängen von "Serotonin" eine Art Schlangenbeschwörer-Tanz aufführt. Doch der Laden bleibt gefährlich. Auf einmal brüllen alle "Stella" – auf die scheint man irgendeinen Hass zu schieben, denn es fliegen Gläser und Schuhe durch den Raum, nach 30 Sekunden ist der Spuk wieder vorbei. Als "Lemon party" erklingt, verschwindet Hilborn nach hinten; denn der Song funktioniert auch ohne Gesang oder weitere Eskalation.

Irgendwie ganz schön hier, auch wenn man ständig aufpassen muss, was als Nächstes passiert. Offensichtlich gab es im Hinterzimmer synthetische Substanzen, denn es wird nun mitten in der Kneipe zu entrückten psychedelischen Sounds und Trommeln im Kreise aller eine symbolische Hexe verbrannt. Der Abend wabert ein wenig auseinander, alle sind etwas geschafft und mit "Cash man" wird der Gott des Mammons angerufen. Wer bis jetzt nicht genug hat, muss morgen wiederkommen, auch wenn man gerade einmal eine halbe Stunde im "Super mega ultra" verbracht hat – kaum zu glauben!

(Stephan Dublasky)

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Highlights

  • Derailer
  • High on your own supply
  • Fried IV
  • Six pack

Tracklist

  1. Derailer
  2. High on your own supply
  3. Killjoy
  4. Fried IV
  5. New jazz
  6. Stimulation
  7. Six pack
  8. Serotonin
  9. Stella
  10. Lemon party
  11. Burn the witch
  12. Cash man

Gesamtspielzeit: 33:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Arne L.

Postings: 855

Registriert seit 27.09.2021

2024-05-14 13:32:24 Uhr
Eigentlich ziemlich gut, aber hin und wieder irgendwie ein bisschen generisch, finde ich. Aber auf hohem Niveau natürlich.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26609

Registriert seit 08.01.2012

2024-04-10 20:49:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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