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White Dog - Double dog dare

White Dog- Double dog dare

Rise Above / Soulfood
VÖ: 05.04.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bleibt alles sandig

Der Süden der USA, namentlich Texas, ist nun nicht gerade dafür berühmt, besonders progressiv zu sein. Veränderungen werden eher widerwillig zur Kenntnis genommen; das Beste ist natürlich, wenn sich gar nichts verändert. Frei nach dem Motto: Das haben wir schon immer so gemacht, also fummel nicht dran herum! Die Jungs von White Dog passen sehr in dieses Klischee, und dann wieder überhaupt nicht. Und das kam so: 2020 erschien das Debütalbum "White Dog", was die Band als eine sehr traditionelle, aber leider auch sehr durchschnittliche Southern-Rock-Band bekannt machte. Nichts am Erstling wäre es wert gewesen, international besprochen zu werden, es war einfach eine lokale, ganz okaye Band aus Austin. Wahrscheinlich wäre das immer so weitergegangen, wenn nicht die Pandemie dazwischengegrätscht wäre und die Band zu Veränderungen gezwungen hätte. Sänger Joe Sterling ging von der Leine, und es musste ein neuer Frontman gefunden werden. Und gelegentlich bringt Veränderung auch echte Verbesserung. Mit Jake LaTouf ist nicht nur ein würdiger Nachfolger aus dem musikalischen Dunstkreis Austins nachgerückt, sondern die Band hat einen echten Sprung nach vorn gemacht. Hinzu kam die Entscheidung, dauerhaft Keyboards im Bandsound zu integrieren, und so kam auch noch Oscar Favian mit dazu. Jetzt hat man drei alte und zwei neue Bandmitglieder, die um den Sound ringen. Denn White Dog scheinen aus der Begebenheit eine Art Wettstreit zu machen. Auf dem Cover ist ein Waran zu sehen, der gerade einen Skorpion verschlingt. Jetzt ist nicht nur die Frage, wer ist hier Waran und wer ist Skorpion, sondern auch: Sticht der Skorpion im Überlebenskampf noch einmal zu oder frisst der Waran den Skorpion – auch das scheint nicht abschließend geklärt. Sie nennen es die Double-dog-Mutprobe.

Und was soll man sagen, diese Mischung beflügelt die nun zum Quintett angeschwollene Truppe zu einem ganz hervorragenden Album. Ja, es ist Southern Rock, jeder Song auf diesem Album knirscht vor Wüstensand, der in Sturzbächen aus den Boxen rieselt. Aber schon der Opener "Holy smokes" zeigt, wie sich der Sound der Band plötzlich auffächert. Der Südstaaten-Rock erinnert mit der jetzt präsenten Orgel nicht mehr nur an Sumpf und Wüste, sondern macht den Weg frei für Sounds, die an Free oder Foghat erinnern. Sänger LaTouf unterstützt diese Richtung und macht im Zusammenspiel mit der Band einen richtig guten Job. Vieles erinnert beim Hören des Titeltracks hin zu "FDIC" an den bluesigen Teil der British Invasion. White Dog zeigen mit synchron gespielten Gitarren und einem treibenden Beat die rollende Seite des Rock'n'Roll – eher untypisch für eine Band aus Texas. Da kämpfen wirklich zwei Musik-Stile um die Vorherrschaft im Song, und es tut jedem einzelnen gut. Auch das etwas ruhigere "Glenn's tune" sorgt für Abwechslung, bevor sich die Band einen kleinen Spaß erlaubt und einen Werbespot auf die Platte gepackt hat. Hat man die Vinylversion zu Hause, weiß man: jetzt habe ich noch 60 Sekunden, bis ich die Platte umdrehen muss – Service an den Hörer*innen, sozusagen! Auf der zweiten Seite stutzt man kurz, da der Sieben-Minuten-Klopper "Frozen shadows" doch schon arg an The Moody Blues' "Nights in white satin" erinnert, aber auf eine gute Weise. "Lady of mars" staubt dann noch einmal mit Wüstensand um sich, bevor sich Keyboarder Favian bei "The last 'dam' song" so richtig austoben darf. Das führt noch nicht zu einem Meisterwerk oder einer progressiven Weiterentwicklung eines Genres, wie beispielsweise bei Orville Peck.

Die Stärke von White Dog und ihrem mit diesem Album eingeschlagenen Weg besteht darin, dass sie sich als Südstaaten-Band vom Mythos der eigenen Herkunft komplett freischwimmen; keine Confederation Flag, kein White-Supremecy-Gehabe. Selbst Hörer*innen in den USA würden sie zuerst vermutlich eher nach Kalifornien sortieren. Hörer*innen aus Europa wahrscheinlich eher nach Großbritannien. Nur das Cover von "Double dog dare" weist eindeutig in die Wüste. Das kann eine echte Stärke sein. Schon Tom Petty schaffte es, das Image des Südstaaten-Rednecks abzustreifen und ist heute wohl eher als Kalifornier bekannt, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. White Dog zeigen mit diesem Album, dass es einen Ausweg aus dem Stillstand gibt, ohne die Tradition zu verraten. Schließlich ist aus den Songs genauso Lynyrd Skynyrd und Molly Hatchet herauszuhören. Dieses Album wird sie aber aus den Grenzen Texas' hinaustragen in die Welt, da ihr Sound weit über die ehemals lokale Szene in Austin hinausweist.

(Stephan Dublasky)

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Highlights

  • Double dog dare
  • F.D.I.C.
  • Frozen shadows

Tracklist

  1. Holy smokes
  2. Double dog dare
  3. F.D.I.C.
  4. Glenn's tune
  5. A message from our sponsor
  6. Frozen shadows
  7. Lady of mars
  8. Prelude
  9. The last 'dam' song

Gesamtspielzeit: 35:46 min.

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Armin

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2024-04-10 20:49:13 Uhr - Newsbeitrag
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