Franz Ferdinand - Franz Ferdinand

Franz Ferdinand- Franz Ferdinand

Domino / Rough Trade
VÖ: 16.02.2004

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

History repeating

Elfte Klasse, Grundkurs Geschichte. Imperialismus und so. Wer nicht gerade hinter der Turnhalle kiffen ist, lernt: Franz Ferdinand ist Thronfolger der österreich-ungarischen Donaumonarchie. Was sich allerdings und verständlicherweise ändert, als er 1914 per Attentat aus der Welt geschafft wird und selbige sich deswegen in den Krieg begibt. Zwischen den Zeilen möchte uns die Geschichte damit sagen: Rockbands sollen in 90 Jahren bitte nicht Franz Ferdinand heißen. Sondern allerhöchstens The Franz Ferdinands. Echt mal. Weil, wenn sie es doch tun, kommt doch keiner von selbst drauf, daß sie vielleicht die heißeste Sache sind, seit der Imperialismus wieder eingeführt wurde.

Elftes Semester, Studium der bildenden Künste. Ein paar Männer erkennen zeitgleich die Aussichtslosigkeit ihrer akademischen Laufbahnen und beschließen deshalb, eine Band aufzumachen. Nach einem Jahr im Proberaum werden sie von Domino geschluckt und bringen die "Darts of pleasure"-EP heraus. Und damit wären wir endlich bei besagter heißer Sache. Was hier nämlich mit dem Ziel, Mädchen zum Tanzen zu bringen, aufgenommen wurde und sich hinter einem "Guckt mal, unser erstes Cover"-Cover versteckt hält, ist der schiere Interpol-auf-Lachsfisch-in-der-Disco-Wahnsinn. Man denkt: Hölle, die können ihre Instrumente ja jetzt auch wegschmeißen. Weil, mehr kann da nicht mehr drin sein. Und dann fangen sie an, Deutsch zu singen.

Die folgenden Monate werden Franz Ferdinand damit verbringen, der Fachpresse merkwürdige Geschichten zu erzählen, in denen Bügeleisen eine wichtige Rolle spielen. Nach Feierabend nehmen sie außerdem ihr Debütalbum auf und als jenes dann rauskommt, passiert es schon wieder. Man wird über den Haufen gerannt. "Jacqueline" heißt der Song jetzt. Tappt 45 Sekunden im Dunkeln, geht dann geradewegs durch die Decke und reißt gleich die ganze Platte mit. Der Blick auf den Spielstand verrät: Franz 2. Wir 0. Von nun an werden nur noch sagenhafte Sachen passieren.

"Franz Ferdinand" ist ein Album, wie sich das gehört. Es rockt mit nonchalanter Gitarre und macht den Zappelphilipp für die Tanzfläche. Es spielt Frühsiebziger-Glam genauso gern wie Spätsiebziger-Postpunk und Frühachtziger-Disco. Hauptsache immer gleichzeitig. Und bevor es souverän in nicht mal 40 Minuten durchs Ziel läuft, wirft es eben noch ein Päckchen Hits ab, wie man das seit der ersten Strokes-Scheibe nicht erlebt hat. Richtige Popsongs zum Ausschneiden und Einkleben. Voll von Momenten, die man sich merken sollte. Einmal singt der Front-Franz "A fire that burns" und hinter ihm stürzt die ganze Geschichte des Rock'n'Roll in sich zusammen. Ohne Scheiß.

Aber es passiert ja noch so viel mehr auf dieser saumäßigen Platte. Die zweite Single "Take me out" bricht sich beim spontanen Durchdrehen fast die Haxen, "Auf Achse" setzt sich ans Klavier, um Manfred Krug die Ehre zu erweisen. Und ganz am Schluß verpulvert "40 ft" seine drei Leben für ein verwegenes Gitarrenabenteuer in Saus und Braus. Ständig fällt denen noch ein Gag ein, der irgendwie in die engen Songs reingemogelt wird. Immer wieder überschlägt sich die Platte vor lauter Witz und Kraft und Raffinesse. Und am Ende schießt sie so hoffnungslos over the top, das die auch noch damit durchkommen. "Ich heiße Superfantastisch." Das ist die Sache.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Jacqueline
  • Take me out
  • This fire
  • Darts of pleasure
  • 40 ft

Tracklist

  1. Jacqueline
  2. Tell her tonight
  3. Take me out
  4. Matinee
  5. Auf Achse
  6. Cheating on you
  7. This fire
  8. Darts of pleasure
  9. Michael
  10. Come on home
  11. 40 ft

Gesamtspielzeit: 38:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gavrilo Princip
2014-04-14 12:00:35 Uhr
Ich werde erscheinen!

2012-08-26 16:55:07 Uhr
hab gestern das album hoch und runter gehört. mit 16 hatte man irgendwann mal die nase voll von dem ganzen indie zeug, alles gleich, alles neue gabs schonmal, und alles alte war auch nur die vereinfachte form des ganz alten. aber nach 5 jahren pause ballert das zeug schon gut rein. später noch strokes, bloc party und white stripes. ach, wie nostalgisch das ganze doch ist...
Tanztheater
2011-03-21 18:16:14 Uhr
Ich trau denen in Zukunft auch noch Meisterwerke zu. Live haben sie sich mit ihrem letzten Album zumindest nochmal stark verbessert.
farts of pleasure
2011-03-21 18:14:28 Uhr
7th Seeker 16.02.2008 - 05:49 Uhr
8/10

das ist die richtige bewertung fuer diese scheibe


9/10

Das ist die richtige Bewertung für diese Scheibe, für den heißen Scheiß hier.

Ich heiße Superfantastiisch.
hm
2010-02-17 19:42:04 Uhr
trotzdem findet es sich in sehr vielen jahrzent-bestenlisten, was ich auch nicht verstehe.

generell hat dieses indie-zeugs bei mir eine unglaublich kurze halbwertszeit...ff, kaiser chiefs, subways, vines, maximo park...der rest fällt mir gar nicht mehr ein, was auch ein zeichen ist. :)

ausnahmen gibts natürlich...die debüts von den strokes und vor allem bloc party.
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