Jaw - No blue peril

Jaw- No blue peril

Mega / Edel
VÖ: 04.09.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zähne zeigen

Blau macht glücklich - das will uns schon die Automobilwerbung glauben machen. Eine Truppe junger Elektroniker Anfang 20 aus Lüneburg erklärt nun, es gäbe keine blaue Gefahr. Die drei Jungs nennen sich Jaw (Kiefer). Bei einem derartigen Namen erhofft man sich natürlich auch gleich den rechten Biß. Und tatsächlich: Düster und doch packend sind die Songs, die Jaw in ihrem Kämmerlein zusammengebastelt haben. Ohrenscheinlich an Rockschemata orientiert, bricht die fertige Soundkonstruktion durch andere Dämme. Wo im Hintergrund dezent die Gitarren quengeln, pochen die Breakbeats umso mitreißender. Die atmosphärischen Songs zeigen weichgespülten Kollegen wie Vivid oder Reamonn die Zähne. "No blue peril" macht da weiter, wo bei Vivids Debüt nach zwei Tracks schon Schluß war.

Die recht komplexen Rhythmen von Beatboxer Kristian Draude wollen ihre Herkunft aus Jungle, Big Beat und Drum'n'Bass nicht verleugnen und die schüchternen Gitarren wissen zumindest, wo Seattle auf der Landkarte liegt. Sound-Aristokratie nennt man so etwas wohl. Jaw verstehen sich dabei nicht nur als Band, sondern vielmehr auch als Gesamtkunstwerk. Musik und Optik gehen hier Hand in Hand. Die Texte zeichnen Bilder, und die Musik schafft eine Atmosphäre aus Farben dazu. Wenn Jaw die Fenster weinen lassen oder vom schüchternen Alec singen, der erst in der Abgeschiedenheit tanzend aus sich heraus kommt, stehen sie zu ihren Gefühlen. Ihre Erkenntnis, sich selber ernst zu nehmen und die Masken fallen zu lassen, die einem andere aufgesetzt haben, zieht mit seiner beseelten Melodie in den Bann. Aus Gedichten werden Songs.

In Worten wie "They caress the fur of a lion put in chains" zeigt sich ein Ansatz, der auch musikalisch immer wieder bemüht wird: die Verbindung von Gefahr und Schönheit. Chaos und Ordnung. Lärm und Stille. Wenn der Verzerrer gegen die Beatbox kämpft und Sänger Pascal Finkenhauer fast mantrahaft Zeilen wie "We will survive" beschwört, tastet man sich langsam an die Seele der Songs heran, die man ihnen beim ersten Rendevouz auf der Tanzfläche nicht zugetraut hätte. Der Fuß wippt mit und dennoch lächelt man eher gedankenversunken. Melancholie ist eine Stärke, wenn man sich zu ihr bekennt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Liquefied (Like a stone)
  • Alec is amused
  • Creature of masquerade

Tracklist

  1. Liquefied (Like a stone)
  2. Alec is amused
  3. Survive
  4. Interlude 1
  5. Window
  6. Interlude 2
  7. Raid
  8. Horizon
  9. Speech for the defence: our love hates morality
  10. Cocoon
  11. Creature of masquerade
  12. Ride the wave
  13. Interlude 3
  14. Two poems
  15. Ago
  16. Outro

Gesamtspielzeit: 54:23 min.

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  • Jaw (11 Beiträge / Letzter am 08.07.2011 - 17:28 Uhr)