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Elliott Brood - Country

Elliott Brood- Country

Six Shooter / Membran
VÖ: 12.04.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Baby, you're out of time

Nun ist sie da, die zweite Hälfte von Elliott Broods Doppelalbum-Projekt. Bereits im Herbst 2023 erschien "Town": eine kleine Hommage an Windsor in Ontario, die Heimatstadt der beiden Schulfreunde Mark Sasso und Casey Laforet, aber auch eine schonungslose Abrechnung mit den Städtern der ganzen Provinznester im Mittleren Westen. Bis zu einem gewissen Grad ist es Zuhause, aber mehr oder weniger auch ziemlich öde. Und es wird nicht besser, wenn man die Grenze Richtung Süden zu den USA überquert. Nun kommt das Gegenstück "Country" und beweist: Wer beim Vorgänger glaubte, hier mache sich ein Hinterwäldler-Trio nur über die Stadt lustig und verschone das Landleben, liegt aber dermaßen daneben. Mit "Country" legen die Kanadier erst richtig los und nehmen die Fly-over-Staaten so charmant aufs Korn, wie Neil Young es nicht besser hinbekommen hätte.

Gestartet wird mit "Wind and snow", einer richtigen Country-Rakete, in der sich Sänger Mark Lasso bereits in der ersten Strophe dazu hinreißen lässt, über das Reisen durch die USfA, die "United States of fucking America", zu singen. Dabei peitscht der Song so gekonnt nach vorn, dass noch gar nicht klar ist, ob das jetzt Satire sein soll oder ernst gemeint ist. Und genau darin liegt die Stärke von Elliott Brood, diese Ambivalenz aufrechtzuerhalten. Und während einigen Trump-Wählern die Halsschlagader schwellen dürfte, wenn sie diese Single im Radio hören, setzen die drei eine sehr geschmackvolle, aber in ihrer Botschaft eindeutige Coverversion des Rolling-Stones-Klassikers "Out of time" hinterher. Diese Ballade an die zweite Stelle des Albums zu packen, zeugt von Chuzpe und Gewitztheit. Und gerade, wenn man denkt, okay, die machen sich da einen Witz draus, kommen mit "They never want to sing along" und "Long since lost" zwei ganz hervorragende Beschreibungen des nicht leichten, aber doch romantischen Landlebens um die Ecke. Ja, "Country" geht es um einiges ruhiger an, als der Gegenspieler "Town".

In "C'mon let's go" wird mit Verve und Überzeugung der Zustand besungen, nicht allein in der Provinz hängen bleiben zu wollen – hier wird die Stadt doch wieder zum Sehnsuchtsort. Elliott Brood gelingt es tatsächlich, eine wunderschöne und dichte Atmosphäre zu weben und mit den Mitteln des Country-Rocks die großen Geschichten zu erzählen, voller Wehmut und trotzdem zuversichtlich. Das hat schon Qualitäten von Springsteen oder Mellencamp. Etwas verspielter wird es dann hinten raus mit "Bluebird wine" und "Postcard pretty", aber niemals albern. Wer bei den beiden Alben "Town" und "Country" jetzt den großen Showdown zwischen Land- und Stadtvolk erwartet, wird enttäuscht sein. "Country" ist von beiden das rundere, stimmigere Album. Es wirkt genauso wie die Gegend, die es beschreibt: provinziell. Das könnte die einzige Schwäche der sehr guten Songs sein, sie bleiben dann doch zu klein und eben zu starr im Genre Country verhaftet für den ganz großen Wurf. Aber ein kurzweiliges Hörvergnügen durch den amerikanischen Norden ist es allemal.

(Stephan Dublasky)

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Highlights

  • Wind and snow
  • Out of time
  • C'mon let's go

Tracklist

  1. Wind and snow
  2. Out of time
  3. They never want to sing along
  4. Long since lost
  5. C'mon let's go
  6. Bluebird wine
  7. Postcard pretty
  8. French exit

Gesamtspielzeit: 28:48 min.

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Armin

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2024-04-10 20:47:04 Uhr - Newsbeitrag
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