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Brittany Bindrim - Velella velella

Brittany Bindrim- Velella velella

Metropolis
VÖ: 08.03.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die elektronische Windseglerin

Erste Eindrücke sind oft entscheidend, heißt es. Wenn man also mit einer Künstlerin konfrontiert wird, deren Name einem vorher nicht so geläufig war, schaut man womöglich erst einmal auf das Plattencover oder in die zur Veröffentlichung gehörigen Videos hinein. Und denkt sich vielleicht, soso, schöne Frau wuschelt sich gerne durch die Haare und singt verträumt und perfekt gestylt in die Kamera, das ist doch bestimmt wieder so ein Kunstprodukt. Schwupps, schon ist man(n) in die Falle alter Vorurteile und eigener sexistischer Denkmuster getappt.

Zunächst: "Velella velella" ist zwar Brittany Bindrims Debütalbum, aber die Chicagoerin ist mitnichten eine Newcomerin. Und selbstverständlich auch kein Hochglanzprodukt, hinter dem ein Stapel Auftragssongwriter Songs mittels seelenloser Algorithmen zusammengeklöppelt hat. Bindrim schreibt ihre Songs alle selbst und ist außerdem schon seit gut 20 Jahren im Geschäft. Als Sängerin von I:Scintilla nämlich, von deren elektronischem Industrial-Rock man dann doch schon einmal gehört haben könnte. "Velella velella" hat Bindrim mit Matt McJunkins aufgenommen, der unter anderem bereits für A Perfect Circle und Puscifer als Produzent gearbeitet hat. Wer nun mit all diesem Vorwissen einen rockigen Sound erwartet, sieht sich jedoch abermals getäuscht. Solo erkundet Bindrim stattdessen die dunklen Winkel der elektronischen Musik. Vieles klingt hier ein bisschen so, als würde Madonna eine Dark-Wave-Platte aufnehmen, und das ist als Kompliment gemeint.

Wobei Bindrim die kräftigere Stimme hat. Aber wenn man sich zu diesen vielseitig vibrierenden Sounds Madonna in ihrer künstlerisch stärksten Phase – also zur Zeit von "Ray of light" – vorstellt, passt das schon nicht schlecht. Man höre sich nur den getragenen und druckvollen Opener "Obelisk" an, der auch als erste Single herauskam, oder wenig später das ähnlich gelagerte "One fixed point". Dazwischen wartet mit dem knuspernden "Cast" allerdings ein ganz anders klingender Song, in dem Bindrim auch ihren Gesangsstil geschickt variiert. Diesem Trio folgt mit "Fever dreams" dann ganz und gar geradliniger Elektropop der eingängigsten Sorte. Ein Stück wie "Hearsay" schafft es gar, sowohl an den Industrial, dem Gary Numan seit Längerem frönt, als auch an den abseitigen Pop von La Roux anzudocken. Und das war erst Hälfte eins, die Rückseite der Platte hat kaum weniger zu bieten, vom düsteren "Fast" bis hin zum hymnenhaften Highlight "Currents".

Als Ausstieg zurück zum Einstieg: nächstes Mal vielleicht lieber den Albumtitel nachschlagen? Velella velella bezeichnet nämlich die Segelqualle, poetisch auch "Segler vor dem Wind" genannt. Und wie vom Anblick eines solchen Schwarms auf dem Atlantik darf man sich auch von diesem Album gefangen nehmen lassen.

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Obelisk
  • Fever dreams
  • Hearsay
  • Currents

Tracklist

  1. Obelisk
  2. Cast
  3. One fixed point
  4. Fever dreams
  5. Hearsay
  6. The well
  7. Fast
  8. Volcano
  9. Currents
  10. Atlas

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

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Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2024-04-10 20:46:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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