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USA Nails - Feel worse

USA Nails- Feel worse

One Little Independent / Bertus
VÖ: 22.03.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im Schleudergang

"Ich jonn su unwahrscheinlich jähn met Dir enn der Waschsalon / Weil Du häss Ahnung vun dä Technik, vunn der ich nix verstonn", sang Wolfgang Niedecken einst mit BAP. Und brachte damit zum Ausdruck – auch Nicht-Rheinländer werden es erraten haben –, dass er in Geschäften für private Textilreinigung Wert auf fachkundige Gesellschaft legt. Nicht so wie im Artwork von "Feel worse", wo die weniger gut betuchten Leute offenbar nicht mal genug Kohle haben, um die Wäschetrommeln mit befleckten Klamotten zu befüllen. Irgendwie verkehrte Welt – was dazu passt, dass eine Londoner Band USA Nails heißt. Wer soll sich denn da noch auskennen? Da "Feel worse" schon ihr sechster Longplayer ist, immerhin vielleicht jene, die eine Schwäche für noisigen Brit-Punk haben. Und alle anderen sollten ruhig ein bisschen Geld für die Musik des Quartetts verwaschpulvern.

Egal, wie viele Münzen man in einen der verwaisten Lavamaten auf dem Cover werfen soll und wo die überhaupt rein gehören: Die Dinger machen sicher nicht so einen vorzüglichen Krach wie "Feel worse". Dieses Album schwitzt sein mieses Befinden in einer sehr knappen halben Stunde nämlich aus jeder lärmgeweiteten Pore. Wenn das kein "Cathartic entertainment" ist. Vor allem im streng durchgepaukten, kraftstrotzenden Opener, der mit vier Minuten Spielzeit in dieser sich oft selbst überholenden, punkrockigen Umgebung annähernd episch wirkt, ehe es ab dem Titelstück in zumeist hoher und herzlich angekotzter Schlagzahl in den Schleudergang geht. Dazu schmirgelt sich Gareth Thomas die Stimmbänder wund, und die weißglühenden Gitarren lodern genauso lautstark wie sämtliche im Post-Brexit-Land auf der Strecke gebliebene Seelen.

"What is the meaning of pleasure / What is the meaning of failure?" fragt der Frontmann in "Networking opportunity". Zumindest auf Letzteres kennt er die Antwort vermutlich nur zu gut und kann von einem "Holiday sea" nur träumen. Andererseits: Wenn es sich dabei ohnehin um einen von knarzigen Synth-Kriechströmen und querschießenden Riffs durchsetzten Dreckstümpel handelt, will da sowieso niemand hin. Zwar ist es genau genommen auch keine Option, auf dem heimischen Stinkesofa Reality-Shows wegzuglotzen, doch läuft dabei das ungemein dicht rotierende "On computer screen", hat auch dieser zweifelhafte Zeitvertreib eine coole, sardonische Note. Klingt furchtbar, ist es wahrscheinlich auch – hätte das knackige, bassige Polter-Uptempo von "The sun in the sands" und "Pack of dogs" kurz vorher nicht schon den gröbsten Unrat weggeräumt.

All das erinnert in seiner plärrenden Wucht an die Kollegen von Blacklisters oder an McLusky beziehungsweise Future Of The Left – wobei USA Nails der diebische Spaß an Titeln wie "I don't know what you ketamine (but I think I love you)" ob der politischen und sozialen Großwetterlage auf der Insel längst vergangen sein dürfte. Wenigstens "Beautiful eyes!" fühlt sich "safe in the knowledge they're always clever clever clever" – genau wie dieser ruppig klirrende, kleine Racker von einem Song, den das hämische "I love it when you succeed" muskulös potenziert. Ein angemessener Abschluss des wunderbar speckigen Albums einer Band, die sich – Maniküre-Fans werden es erraten haben – nach einem Nagelstudio benannt hat. Und nicht etwa nach einem Stück von The Blood Brothers oder gar nach einem Waschsalon. Denn dazu müsste man Ahnung von Technik haben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Cathartic entertainment
  • Pack of dogs
  • Holiday sea
  • I love it when you succeed

Tracklist

  1. Cathartic entertainment
  2. Feel worse
  3. The sun in the sands
  4. Pack of dogs
  5. Networking opportunity
  6. Holiday sea
  7. On computer screen
  8. Beautiful eyes!
  9. An audience of love
  10. I love it when you succeed

Gesamtspielzeit: 26:42 min.

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Armin

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2024-03-27 21:24:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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