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Morgan Harper-Jones - Up to the glass

Morgan Harper-Jones- Up to the glass

PIAS / Rough Trade
VÖ: 22.03.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Stück vom Glück

Es beginnt mit einem Gefühl: Das Debütalbum der Britin Morgan Harper-Jones hat die Superkraft, glücklich zu machen. Das steht schon nach wenigen Minuten fest. Jetzt gilt es im Nachgang, die Gründe dafür herauszufinden, die These zu validieren und in einer Langzeitstudie zu schauen, wie nachhaltig dieser Effekt ist. Und da Musikrezensionen naturgemäß erst mal nur eine Person als Proband*in haben, sagt das dann immer noch nichts über eine mögliche universelle Anwendbarkeit aus. Aber bleiben wir erst mal bei dem Gefühl.

So richtig glücklich fängt es in "Swimming upstream" nämlich eigentlich gar nicht an: "Just a couple weeks back / I met this guy / Who got hit by a bus / When he turned 18." Doch was Harper-Jones aus dieser Begegnung mitnimmt, ist Resilienz. Eine einfache Aussage: "Less fear, more hope." Die Art, wie sie über eine motiviert auf der Stelle tänzelnde Gitarre von diesem Treffen erzählt, erinnert an die besten Momente von Julien Baker. Überhaupt erzählt die Ende-Zwanzig-Jährige von Momenten. Jeder der zwölf Songs auf "Up to the glass" ist aus ihrem Leben gegriffen, und vieles handelt von der Liebe oder ihrer Abwesenheit. Wie das wunderschön dudelnde Highlight "Boombox", in dem die Protagonistin metaphorisch lautstark und verzweifelt unter dem Fenster des Angebeteten steht und ihr langsam die Steine zum Werfen an die Fensterscheibe ausgeben. Ein Song, der an Alex Laheys großen Power-Pop erinnert.

Das ist gleichzeitig auch eine von Harper-Jones' Stärken und, so man denn etwas aussetzen möchte, Schwächen gleichzeitig: Sie klingt auf ihrem ersten Langspieler manchmal wie andere Künstlerinnen. "Forever for now" ist fast allein an der Akustikgitarre mit Laura Marling verwandt, ähnlich wie "Joshua", dessen Backinggesänge an deren Frühphase erinnern, als einzelne Songs leise von Marcus Mumford unterstützt wurden. Aber wen sollten solche Referenzen abschrecken? Und natürlich finden sich auch einzigartige Momente, besonders in der ruhigeren zweiten Albumhälfte. "Lose a tooth" gelingt die unerhörte Prämisse, einen ausgefallenen Zahn mit der Leere zu vergleichen, die Menschen hinterlassen, wenn man sie verliert. Ein Song über ihre verstorbenen Großeltern, bei denen sie aufgewachsen ist und in dem sie sich selbst mit mehreren Spuren Kraft zu geben scheint: "It's sad to lose a tooth / Even harder losing someone you / Thought would always hold you to the roots." Oder das herzzerreißende, geduldig aufbauende "Main character", das sein eigenes Verhalten in einer zurückliegenden Beziehung kritisch reflektiert: "I saw your new love / She looks like me but kind." Bevor es am Ende mit überraschend viel Rücksicht explodiert: "I can't be the hero, I'm too fucking selfish."

Das alles sollte also nicht zwangsläufig glücklich machen. Aber die einfache Wahrheit hinter "Up to the glass" ist, dass sich jede Emotion aus Morgan Harper-Jones – und an dieser Stelle ist es absichtlich simpel ausgedrückt – ganz, ganz doll menschlich anfühlt. Es ist nicht das warme Gitarrenspiel in "Amelia", sind nicht die Streicher im sehnsüchtigen "Forever for now", ist nicht die den Hang herunterfallende Intonation in "Little avalanches", es sind die Emotionen dahinter. Die Musik der jungen Frau aus Rochdale macht glücklich. Hoffentlich stellt sich dieser Effekt bei so vielen Menschen wie möglich ein.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Swimming upstream
  • Boombox
  • Main character
  • Lose a tooth

Tracklist

  1. Swimming upstream
  2. Boombox
  3. Leaves
  4. Alone with you
  5. Main character
  6. Forever for now
  7. Lose a tooth
  8. Joshua
  9. Little avalanches
  10. 2D
  11. Amelia
  12. Easy

Gesamtspielzeit: 46:23 min.

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Armin

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2024-03-27 21:22:30 Uhr - Newsbeitrag
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