Bikini Atoll - Moratoria

Bikini Atoll- Moratoria

Bella Union / Rough Trade
VÖ: 02.02.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Analog ist besser

Eine weitere Anekdote aus der Reihe "Bandnamen und ihre Intention": Eine Insel im Pazifik gilt seit den fünfziger Jahren als Synonym für die amerikanischen Atomtests im Pazifik. Es war die Schönheit des Bösen, die ästhetische Optik einer Atomexplosion, die Bikini Atoll zu ihrer Namensgebung inspirierte und sich auch in der Gestaltung des Artworks von "Moratoria" widerspiegelt.

Ein Debüt zwischen EP und LP. Neun Songs gibt es auf "Moratoria" zu hören, inklusive zweier Instrumentals, die allerdings durchaus Spuren hinterlassen. So ist der Opener "Moratoria" auch ohne Vocals ein würdiger Titeltrack und gleichzeitig Vorbote des verstörten "Then amplify", dem energischsten Stück des Albums. Das unstete "Cinnamon" geht zwar in dieselbe Richtung, doch die starken Momente liegen woanders: in "Black dog" beispielsweise, dem zweiten Stück, das ohne die Stimme des Frontmans und Songwriters Joe Gideon auskommt. "Desolation highway", der vielleicht bedeutendste Moment auf "Moratoria", könnte sogar Cineasten bekannt sein - es begleitete im Jahre 2002 den Abspann des Horrorfilms "My little eye". Gideons Stimme klingt hier dermaßen versonnen und so angenehm beiläufig, daß es nicht wundert, wenn sie sich im Laufe des Stückes in dessen epischen Aufbau verliert.

Es schwirrt hier und rauscht dort, bis schließlich doch immer wieder Gideons Gitarre das Leitmotiv übernimmt. Letztendlich hat Keyboarderin Viva aber großen Anteil daran, daß "Moratoria" funktioniert. Ihr Tastenspiel und die psychedelischen Effekte des analogen Synthesizers sind durchaus charakteristisch für diese Platte: Woran man sich bei "Black dog" soeben gewöhnt hat, kommt einem auf "Cheap trick" schon vertrauter vor, um auf "Desolation highway" sogar zu erfreuen.

Trotz derlei Recycling ist "Moratoria" ein variables Debüt. Geradezu konträr zur eher düsteren Stimmung des Albums überrascht "Cheap trick" urplötzlich mit einem Sing-a-long-Background. Da sei dann auch das über zehnminütige "Clear water gravity" verzeihen, das diese Platte etwas fade abschließen läßt. Zwar klingen Bikini Atoll insgesamt in der Tat britisch, doch haben sie unbeirrt von Zeitgeist und Stilvorgaben das kultiviert, womit The Verve nach "A storm in heaven" aufgehört haben. Und daran sind im Gegensatz zu Bikini Atoll schon viele andere gescheitert.

(Jan Schimmang)

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Highlights

  • Moratoria
  • Cheap trick
  • Desolation highway

Tracklist

  1. Moratoria
  2. Then amplify
  3. Cinnamon
  4. Black river falls
  5. Black dog
  6. Cheap trick
  7. Perfect method flawed
  8. Desolation highway
  9. Clear water gravity

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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