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Klaus Johann Grobe - Io tu il loro

Klaus Johann Grobe- Io tu il loro

Trouble In Mind / Cargo
VÖ: 22.03.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Senator Lounge

Klaus Johann Grobe gibt es gar nicht. Es handelt sich dabei nämlich um einen Fantasienamen. Dahinter verbirgt sich ein Schweizer Pop-Duo, das aus dem Multiinstrumentalisten Sevi Landolt und dem Schlagzeuger Daniel Bachmann besteht und für Liveauftritte durch Gastmusiker ergänzt wird. Anders ginge es auch gar nicht, denn das Sounduniversum, das die Schweizer aufspannen, ist vielschichtig und wäre auf der Bühne zu zweit nur schwer zu bewältigen.

"Io tu il loro" bemüht musikalisch eine Zeit, in der es schon elektronische Instrumente gab, zu der jedoch – Musikerehre! – live gespielt statt programmiert wurde. Das Album beamt den Hörer unverzüglich und sehr authentisch in die Siebzigerjahre, und zwar genau an den Zeitpunkt, als sich Philly- und Disco-Sound zu einem schillernden Amalgam zusammenfügten. Landolt besitzt ganz offensichtlich einen umfangreichen Gerätepark an Vintage-Tasteninstrumenten: Fast in jedem Stück hören wir ein akzentuiert-quäkendes Fender Rhodes als Gegenspieler zu lässig-routinierter Rhythmusgitarre. Längst vergessene Solina-String-Sounds fungieren als Schmiermittel, mal dunkel-mumpfende, mal scharf hervorstechende Moog-Synths schwingen sich zu Soloeskapaden auf. Während der Bass präzise, unauffällig und zweckdienlich spielt, rauen die Drums die Songs kundig auf: Regelmäßig stellt der Schlagzeuger kleine Stolperfallen in Form kleiner Punktierungen auf, streut Ghostnotes wie Goldstaub in die Songs – oder tritt kurz auf die Kupplung und lässt ein paar Schläge aus. Minimalistisch, aber höchst effektiv ist das.

Wie sich unschwer an der Tracklist erkennen lässt, nehmen sich Klaus Johann Grobe auf "Io tu il loro" gerne etwas Zeit. Das ist nicht ohne Risiko: Da sämtliche Stücke im gleichen Soundgepräge daherkommen, muss im Songwriting schon einiges geschehen, damit's nicht eintönig wird. Genau das gelingt den Musikern hier ganz vortrefflich, wie sich gleich im Opener "Highway high" zeigt. Mehr als zwei Minuten lang reiten Landolt und Bachmann fast nur auf einem Akkord herum, die nachfolgende Bridge mit einigen Schlagzeug-Breaks steigert die Spannung, führt dann aber zunächst ins Leere – erst kurz vor der dritten Minute kommt der erlösende Refrain, der mit psychedelischen Harmonien aufwartet, gefolgt von einem virtuosen Synthesizer-Solo. So muss Dynamik, so muss Spannungsbogen! Und eigentlich ist damit auch schon erklärt, wie die Musik von Klaus Johann Grobe funktioniert: Das Grundgerüst sind enorm fußmittwippverdächtige Soul- und Funk-Licks, dazu Landolts leicht schnarrende Stimme. Von dieser sicheren Basis brechen die Schweizer in kunterbunte Refrains und gewagte, aber nie akademisch-verkopfte Soli auf. Und immer dann, wenn man denkt, man hätte einen Song verstanden, kommt eine kleine Überraschung daher: ein unerwartet-bittersüßer Dur-Moll-Wechsel, eine kurze Scat-Einlage oder auch ein erfrischender Windhauch aus dem Rauschgenerator. Und man ertappt sich dabei, regelmäßig zur Fernbedienung zu greifen, und alle paar Minuten noch etwas lauter zu stellen, weil das alles so großen Spaß macht. Dazu trägt mit Sicherheit auch die saubere Arbeit des Tonkutschers bei: Herrlich warm, analog, druckvoll, verzichtet aber auf erdrückendes Brickwall-Mastering und lässt auch ruhige Momente zu.

Bleibt noch die Frage: Was ist das jetzt eigentlich für eine Musikrichtung? Für Soul und Funk ist es nicht körperlich-verschwitzt genug. Für das, was man gemeinhin unter Lounge-Musik versteht, zu gewitzt und elegant. Und trotz einiger Synthie-Soli ist das Gehörte glücklicherweise meilenweit von muffigem Prog-Rock entfernt. Vielleicht muss man es wirklich Senator Lounge nennen.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Highway high
  • Getting down to Aida
  • Io sempre di tu

Tracklist

  1. Highway high
  2. Getting down to Aida
  3. Never going easy
  4. When you leave
  5. Try
  6. Bay of love
  7. Io sempre di tu
  8. Better do
  9. You gave it all

Gesamtspielzeit: 44:08 min.

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User Beitrag

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 3688

Registriert seit 14.03.2017

2024-03-23 16:04:09 Uhr
Im Sinne der Zeit fand ich ein gutes Album mit Highlights wie Wir Zwei und Regen Raus.
Bin etwas überrascht, dass da jetzt ein ganzes Album auf englisch kommt.
Ist auf Albumlänge wieder sehr nett. Opener und Closer find ich sehr gut.

Chrisb

Postings: 136

Registriert seit 08.04.2021

2024-03-22 14:35:52 Uhr
Sehr gutes Album.Das ältere Zeugs kenn ich noch gar nicht.

cargo

Postings: 674

Registriert seit 07.06.2016

2024-03-22 12:13:12 Uhr
Für mich das bisher ganz klar schwächste Album. Das ist mir dieses Mal zu viel Gleichklang und vielen Songs fehlt einfach der Pepp. Vielleicht kommt das aber besser, wenn man im Sommer irgendwo in der Hängematte liegt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26383

Registriert seit 08.01.2012

2024-03-20 21:55:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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