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The Dandy Warhols - Rockmaker

The Dandy Warhols- Rockmaker

Sunset Blvd. / Bertus
VÖ: 15.03.2024

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nothing matters when we're Danzig

Come on, werden The Dandy Warhols am Ende doch noch Karrieristen? Was ist das plötzlich für eine Feature-Liste? Slash! Frank Black (mal wieder als Black Francis)! Debbie Harry! Alle auf einem Album – bei einer vermeintlich doch abgehalfterten Band, deren letzte Hits mehr als 20 Jahre alt sind und deren Platten allerseits immer stärkeres Stirnrunzeln hervorgerufen haben. Frontmann Courtney Taylor-Taylor machte sich ja schon selbst darüber lustig, dass jedes neue Werk quasi auf der Stelle floppte. Mit "Rockmaker" – saublöder Titel, again – machen sie das Dutzend voll und die spannende Frage ist: Kommen sie aus ihrem spinnerten Kokon, den sie für "Distortland" und "Why you so crazy" (und, Gott bewahre, "Tafelmuzik means more when you're alone") kaum verlassen wollten, oder wird es wieder ein spleeniges Album, das ihnen wieder keine neuen Fans einbringen wird? Nach den elf Songs steht die Antwort fest: beides.

Dass die Dandys ihrem eigenen Erfolgspotenzial immer noch stolz kontra geben, zeigt gleich der Opener "The doomsday bells". "Ring dong / Ring a ding dong / Ring dong / Ring a ding ding dong", heißt es zu einem düsteren, motzigen Beat ohne Charme, bei dem man sich fragt, wo denn hier die "Rockmaker" bitte genau sind. Drei Minuten lang möchte man die Platte eigentlich schon für beendet erklären, dann knallt einem das Quartett zuzüglich Herrn Black / Francis eine fuzzende Breitseite um die Ohren, dass es nur so scheppert. "Danzig with myself" poltert sich herrlich mit Sprechgesang durch die Strophen, damit der Refrain das schönste Falsett auspacken kann. "I don't think that I have any answers / I don't think that I have any questions / And exactly what the truth is now is anyone's best guess then." Das ist mehr als eine Entschädigung für den verbockten Einstieg.

Erfreulicherweise bleibt der Spaßfaktor erst mal weit oben. "Teutonic wine" hat ein paar räudigere Gorillaz-Tracks – oder auch "St. Charles Square" vom letzten Blur-Album; – intus und rollt in Schräglage gutgelaunt durch den Pub. Die schon 2023 veröffentlichte erste Single "The summer of hate" springt zwar nicht mit der Hook ins Gesicht, entpuppt sich aber genau deshalb als langlebige Referenz an die Class of 2004, als Indie-Musik den Rhythmus wiederentdeckte. "I don't really know even what that feeling is" – klar ist, dass auch auf "Rockmaker" nichts wirklich klar ist, aber doch nachvollziehbarer als zuletzt. Der Slash-Auftritt im psychedelischen "I like to help you with your problem" erinnert stark an "Wasp in the lotus" von "Earth to The Dandy Warhols", und von da an schaltet das Album einen Gang zurück. Auch "Love thyself" kopiert das bandeigene "Enjoy yourself" später nur mit respektablen Ergebnissen.

Dass sich "The cross" und mehr noch das durchgeknallte "Root of all evil" mit tanzbaren Rhythmen auseinandersetzen, geht als überraschend gelungen durch. Speziell im letzten Track hauen die Psychobläser die letzten Sicherungen raus, die der Gaga-Refrain nicht erwischt hat. Weniger gebraucht hätte es hingegen "Alcohol and cocainemarijuananicotine", denn den Gag haben Queens Of The Stone Age schon 24 Jahre früher besser umgesetzt. Noch weniger braucht es das Gestolper und Gestümper von "Real people", gnädigerweise das kürzeste Stück hier, das nur noch Fragezeichen hinterlässt. Doch auch diesen Schwachpunkt fegen die Dandys gleich vom Tisch – mit dem überraschend hübschen "I will never stop loving you". Hier in einer elegischeren Version als die Four-to-the-floor-Single im Jahr zuvor mit der Plattendreherin Nala aus Miami, weil Taylor-Taylor die Blondie-Legende Debbie Harry im Refrain viel schöner ancroont. Mit "Rockmaker" haben The Dandy Warhols zwar erneut kein durchgehend gutes oder einfaches Album gemacht, ein Trend nach oben ist jedoch klar erkennbar. Totmalochen bleibt aber weiter keine Option bei der immer noch durchscheinenden Scheißegal-Haltung. Auch wieder sympathisch.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Danzig with myself (feat. Black Francis)
  • Teutonic wine
  • The summer of hate
  • I will never stop loving you (feat. Debbie Harry)

Tracklist

  1. The doomsday bells
  2. Danzig with myself (feat. Black Francis)
  3. Teutonic wine
  4. The summer of hate
  5. I'd like to help you with your problem (feat. Slash)
  6. The cross
  7. Root of all evil
  8. Alcohol and cocainemarijuananicotine
  9. Love thyself
  10. Real people
  11. I will never stop loving you (feat. Debbie Harry)

Gesamtspielzeit: 41:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 31779

Registriert seit 07.06.2013

2024-03-17 19:38:45 Uhr
Der komische Albumtitel wird von dem furchtbaren Cover noch getoppt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 31779

Registriert seit 07.06.2013

2024-03-17 19:35:29 Uhr
Wow, der Closer mit Debbie Harry ist echt toll.

Lordran

Postings: 193

Registriert seit 09.10.2023

2024-03-15 10:01:04 Uhr
Ich bin wirklich positiv überrascht.
Die ersten drei Vorabsongs klingen ziemlich gut und fast nach den alten Dandys.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 9382

Registriert seit 26.02.2016

2024-03-14 15:45:46 Uhr
Bin ich grundsätzlich dabei, "This Machine" hatte aber schon einige Highlights noch, die beiden danach waren echt durchwachsener. Die neue würde ich wieder Richtung "This Machine" sehen, vielleicht auch ein Stück davor, hätten sie sich 1-2 Songs in der zweiten Hälfte gespart.

Lordran

Postings: 193

Registriert seit 09.10.2023

2024-03-14 10:31:14 Uhr
Bis "Odditorium" war das eine meiner Lieblingsbands.
"Earth to..." hatte auch noch ein paar Hits, danach ging es aber sowas von bergab.
Eventuell höre ich hier mal wieder rein.
Auf die ersten drei Alben lasse ich aber nichts kommen. Bis heute unfassbar gut.
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