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Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys - Es leuchten die Sterne

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys- Es leuchten die Sterne

Warner
VÖ: 01.03.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Tatort Tanzpalast

Der überaus empfehlenswerte Facebook-Kanal von Plattentests.de postet regelmäßig in der Rubrik "Sonntag Abend. Tatort vorbei. Zeit für die extralangen Songs." Zur Abwechslung gibt es hier nun einmal extra alte Songs von einem Tatort-Darsteller. Ulrich Tukur ermittelt seit 2010 als Kriminalhauptkommissar Felix Murot für den Hessischen Rundfunk in oftmals eher ungewöhnlich inszenierten Krimis. Besonders erwähnt sei hier das zitatenreiche und quasi tarantinoeske Highlight "Aus Schmerz geboren", das nicht nur wegen der höchsten Opferzahl aller Tatortfolgen Klassikerstatus erreicht hat. Bereits seit 1995 allerdings zelebriert Tukur als Musiker gemeinsam mit seinen Rhythmus Boys die Unterhaltungsmusik der ersten Hälfte der 20. Jahrhunderts. Diesem Liebhaberprojekt merkt und hört man in seinen Auftritten und Aufnahmen zu jedem Zeitpunkt an, dass es aus Leichtigkeit und Spielfreude geboren wurde.

"Es leuchten die Sterne" ist das erste Album der selbst erklärten "ältesten Boygroup der Welt" nach längerer Pause. Der Vorgänger "Let's misbehave" hatte einen engeren Fokus auf US-amerikanischen Swing gelegt, die neue Platte bietet ein mehrsprachig buntes Potpourri populärer Melodien von Jazz bis Schlager vornehmlich der Dreißiger- und Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Darunter sind zwar einige auch heute noch allgemein sehr bekannte Gassenhauer, spannender sind jedoch die weniger offensichtlichen Kleinodien, die das Quartett hier präsentiert. Das Titelstück stammt aus dem gleichnamigen deutschen Revuefilm von 1938. Und auch wenn eine eröffnende Zeile wie "Die Sonne versinkt und still kommt die Nacht", noch eine politische Dimension haben könnte, bleibt die historische Dimension des Schreckens hier, ebenso wie bei den anderen während der NS-Diktatur entstandenen Liedern, nur ein mitgedachter Schatten auf dem eskapistischen Vergnügen. "Langsam schließen sich die müden Lider und das trübe Bild der Welt versinkt", heißt es fast beschwörend in der hypnotischen "Traummusik". Mit viel Augenzwinkern und Verve vorgetragen ist die enervierte Beziehungsbeschwerde "Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade", die 1941 ein großer Hit war und zugleich auf einer jiddischen Komposition basiert. Die von Jazz unterlegte Rezitation "Nasse Lyrik" stellt die hinreißenden, expressionistischen Zeilen aus der Feder von Barry Landau gebührend ins Zentrum: "An einem Damenbein läuft heimlich eine Masche / Hinab, hinab / Wer weiß, was sie damit bezweckt."

Aber Tukur und seine Truppe können es nicht nur auf Deutsch: Die Evergreens "Tuxedo junction" und vor allem das völlig entfesselte "Anything goes", samt interpoliertem Rock'nRoll-Part, stehen den Vorlagen von Glenn Miller beziehungsweise Cole Porter in nichts nach. Als Stargast ist bei "Music, maestro, please" Jazz-Trompeter Till Brönner mit einem berührenden Solo dabei. Und während der gesangliche Duktus sowie das gerollte R bei Tukur durchaus dem Geist der Vortragskunst von seinerzeit nachfühlen, vermeidet er doch konsequent die näselnde Larmoyanz des musikalischen Bruders im Geiste Max Raabe. Noch internationaler wird es mit dem schmissigen Tango "Guarda che luna", der melancholischen Moritat "Il vecchio frack" mit Tukur am Akkordeon und der hektisch groovenden Astronomie-Miniatur "Le soleil et la lune". Anything goes! Mit viel Lässigkeit, Variabilität und mühelosem Können bringen Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys nicht nur die Sterne, sondern auch die Herzen zum Leuchten.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Anything goes
  • Le soleil et la lune
  • Guarda che luna

Tracklist

  1. Es leuchten die Sterne
  2. Anything goes
  3. Music, Maestro, please
  4. Il vecchio frack
  5. Between the devil and the deep blue sea
  6. Nasse Lyrik
  7. Das Großstadtlied
  8. Le soleil et la lune
  9. Guarda che luna
  10. Tuxedo junction
  11. Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade
  12. Get out and get under the moon
  13. Traummusik
  14. Kleiner Bär von Berlin

Gesamtspielzeit: 40:35 min.

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Saschek

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2024-03-07 00:40:10 Uhr
Der Schwurbel-Uli macht Musik?

Armin

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2024-03-06 21:03:50 Uhr - Newsbeitrag
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