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Philipp Poisel - Neon acoustic orchestra

Philipp Poisel- Neon acoustic orchestra

Holunder / Sony
VÖ: 08.03.2024

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Melancholy Metzingen

Well played, Philipp Poisel! Da möchte der Rezensent schon zur obligarotischen "Ja muss denn das mit dem Greatest-Hits-Akustik-Gedöns wirklich sein?"-Miesmuschel-Tirade ausholen – bis er einen Blick auf den Beipackzettel zu "Neon acoustic orchestra" wirft. Denn: Ebendiese Blöße gibt sich Poisel nicht, sondern setzt auf seiner neuen Liveplatte den Fokus zu einhundert Prozent auf die behutsame Neuvertonung seines letzten Studioalbums "Neon", das 2021 erschienen ist. So liegen zwischen Urwerk und Akustik-Session zwar beinahe drei Jahre, was der offensichtlichen Liebe Poisels zu den Stücken seines aktuellsten Studiowerkes aber offenbar nicht abträglich ist. Durchaus erfrischend im Kontext sonstiger Werke dieser Art. Und so fanden sich der 40-Jährige und seine musikalischen Mitstreiter*innen in den nicht gerade klassisch-romantischen Gemäuern der Motorworld in Metzingen zusammen, um der Melancholie zu fröhen. Welch skurriler Ort für eine solche Darbietung, möchte man meinen. Aber: Soll bei entsprechender musikalischer Qualität auch nicht weiter stören.

Die Arrangements auf "Neon acoustic orchestra" verstehen sich laut Poisel explizit nicht als Konkurrenz oder Ersatz für ihre Studio-Pendants, sondern als Ergänzung im hiesigen Klangkosmos. So weit, so gut. Allerdings funktioniert das Konzept nicht durchgängig – was keineswegs an mangelndem Talent oder fehlender Leidenschaft der Beteiligten liegt. Vielmehr scheint es streckenweise, als wüsste Poisel seine neugewonnene Instrumentenvielfalt auf der Bühne nicht so recht zu nutzen. Songs wie "Wunder", "Das Glück der anderen Leute" oder "Auge des Sturms" sind nun beileibe nicht schlecht performt – wissen aber abseits eines reduzierten Pegels und obligatorischen Streichern oder Bläsern kaum zu überraschen. Natürlich ist "Wie viele Sommer" auch 2024 noch ein schöner Song, der hier eindringlich mit Klavierbegleitung und Gastsängerin Alin Coen vorgetragen wird – für die gewollte Erweiterung des Poisel-Kosmos passiert jedoch zu wenig Aufregendes. Hier schlägt niemand Haken, hier schießt niemand quer.

Was möglich gewesen wäre, zeigt sich nur vereinzelt. Etwa beim angenehm düster interpretierten "Keiner kann sagen", das sich sehr getragen und schüchtern gibt, nur um im Anschluss von der Streicher-Fraktion behutsam nach vorne getrieben zu werden. Oder ganz besonders auch im neu gekleideten "Zu weit", das sich ausufernde zwölf Minuten Zeit nimmt, um sich vom reduzierten Beginn in ein smooth-jazziges Bläsersolo hineinzusteigern. Hier hat das Arrangement Luft zum Atmen und betont das Wechselspiel zwischen Poisel und seinen Bühnenkolleg*innen. Bezeichnend: Zum Ende des Songs startet der Sänger die obligatorische Vorstellungs- und Dankesrunde für seine Band und leitet den Closer "Alles an Dir glänzt" ein. "Neon acoustic orchestra" hört also auf, als es gerade spannend wird. Irgendwie frustrierend.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Wie viele Sommer
  • Zu weit

Tracklist

  1. Wunder
  2. 10 Gründe
  3. Wie viele Sommer
  4. Das Glück der anderen Leute
  5. Alt und grau
  6. Benzin
  7. Was von uns bleibt
  8. Keiner kann sagen
  9. Auge des Sturms
  10. Immer wenn einer
  11. Zu weit
  12. Alles an Dir glänzt

Gesamtspielzeit: 62:28 min.

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Armin

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2024-03-06 21:02:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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