Limbeck - Hi, everything's great

Limbeck- Hi, everything's great

Doghouse / Defiance / Zomba
VÖ: 19.01.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Postkarten aus Authenti-City

"Limbeck + Doghouse Forever" stand auf einem Zettel, der einst zusammen mit einer Demo-CD der Südstaatler im Briefkasten des Labels landete. So einfach kann es sein. Überhaupt macht die Band nichts komplizierter als notwendig: Die zwölf Songs sind so authentisch, natürlich, leicht und ehrlich, so wenig konstruiert oder unnötig aufgemotzt, daß es eine Freude ist. Welche leider ein wenig davon getrübt wird, daß das hier alles zwar unglaublich sympathisch und solide ist, musikalisch allerdings nichts wirklich Neues oder besonders Auffälliges. Der Limbeck-Zweitling ist ein gutes Album beispielsweise zum Autofahren. Nicht umsonst sagt die Plattenfirma: "The century has its first essential road record."

Als außergewöhnlich hervorzuheben ist jedoch das großartige Artwork. Sänger Robb MacLean ist passionierter Hobby-Fotograf, der natürlich auch auf Tour fleißig herumknipst. Und sich dann wiederum von manchen dieser Fotos zu Songs inspirieren läßt. Wer das Booklet zu "Hi, everything's great" sucht, dem purzeln zwölf Mini-Postkarten entgegen. Die Motive sind Fotografien, die Robb vornehmlich auf Tour gemacht hat. Und er hat wirklich ein Auge für wunderschöne Bilder, ob es nun die Lichter einer belebten Stadt am Abend, der in bezaubernde Sonnenfarben getauchte Highway oder verlassene Fahrräder am Straßenrand sind. Auf der Rückseite steht jeweils, handgeschrieben, der zum Bild passende Songtext samt Linernotes. 10/10 für diese großartige audiovisuelle Symbiose.

Warum das Album trotzdem aber nur einen knapp überdurchschnittlichen Gesamteindruck hinterläßt, liegt vor allem daran, daß Limbeck die werte Hörerschaft zwar mit der energetischen Uptempo-Rock-Nummer "Honk & wave" gehörig anfixen, dieser Opener dann aber bedauerlicherweise der beste Song einer Platte bleibt, die leider nicht hält, was der Appetizer verspricht. Alles schmeckt nach ähnlichem Americana-Rock mit einer Prise Emotion und einem Eßlöffel Indie. Produziert hat Ed Rose (The Get Up Kids), was nicht überhörbar ist. Kein Titel überschreitet die dreieinhalb Minuten-Grenze, man konzentriert sich aufs Wesentliche, auch textlich. Und da geht es vor allem um große Freundschaften ("I wrote this down" ist ein fast rührendes Abschiedsgeschenk für einen Freund der Limbecks, der aus Kalifornien wegzog), das Musiker-Leben auf Tour (da werden die letzten Dollars an einer Tankstelle in Lottoscheine investiert) und natürlich: Frauen ("Julia"). Wie schon erwähnt, nichts Neues eben. Aber jeder Akkord klingt so euphorisch und jede Textzeile so aus tiefstem Herzen herausgelassen, als ginge es immer noch darum, sich einen Plattenvertrag zu erspielen. Das ist viel wert. Und doch gar nicht so einfach.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Honk & wave
  • This place is deserted
  • I wrote this down

Tracklist

  1. Honk & wave
  2. Silver things
  3. Julia
  4. This place is deserted
  5. I wrote this down
  6. The sun woke the whole state
  7. Tan & blue
  8. Gamblin' man
  9. In Ohio on some steps
  10. Brand new orange
  11. Albatross & Ivy
  12. Comin' from Tucson

Gesamtspielzeit: 36:58 min.

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  • Limbeck (1 Beiträge / Letzter am 11.07.2008 - 19:49 Uhr)