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Coogans Bluff - Balada

Coogans Bluff- Balada

Noisolution / Edel
VÖ: 26.01.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heiße Luft in neuen Schläuchen

Es hätte alles, aber auch alles, schiefgehen können. Da treffen sich vier Freunde in Rostock, beschließen, zusammen Musik zu machen und dümpeln zu Beginn im Dunst- und Labelkreis der Punker von Dritte Wahl herum. Sie spielen jahrelang die übliche Mischung aus Punk, Grunge und Stoner-Rock, finden aber keinerlei Beachtung. 2011 laden sie dann einen Posaunisten und einen Saxofonisten in den Proberaum ein. Spätestens hier wären 97 Prozent der üblichen Musiker*innen in die Ska-Punk-Falle getappt, und aus Coogans Bluff wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Kapelle geworden, die im besten Fall auf dem Ruhrpott Rodeo die bierseligen Altpunks aus dem Nachmittagsglimmer trötet. Im schlimmsten Fall: Stadtfest in Güstrow vor acht Leuten – fünf davon sind mit der Band angereist.

Allein die Existenz dieser Rezension zeigt: Es ist dann doch alles ganz anders gekommen. Denn Coogans Bluff gehen nicht gern den einfachen Weg, sondern den, bei dem zu Beginn noch nicht mal klar ist, ob es sich nur um einen Trampelpfad handeln könnte – egal, hier war noch niemand, also ist das richtig. Das führt zu einem Stilmix, der gar nicht so leicht zu beschreiben ist. Es ist keine Genre-Einordnung möglich, sondern es gibt eher feine, experimentelle Blitzlichter, die an Mike Patton, Les Claypool oder Motorpsycho erinnern. Vier Alben lang hat das Label Noisolution diesen Ritt mitgemacht, der sich nun auszahlt. "Balada" ist der bisherige Höhepunkt einer musikalischen Reise, die immer weiter weg vom Stoner-Rock der Anfangsjahre führt.

Der Titeltrack begeistert schon, weil dort eher erratisch hineingerufen wird, anstatt zu singen. Hier macht sich auch eine seltene Eigenschaft sofort deutlich, die Coogans Bluff sehr gut beherrschen: die Bläser schleichen sich organisch in den Song. Wer sonst eine Holzblasallergie besitzt, wird hier angenehm überrascht sein. "And here I stand" kommt ruhig, aber gewaltig angerollt, und lässt den Ursprung im Stoner-Rock erkennen. Der erste Knaller ist mit "Farewell" erreicht, das nicht nur cineastisch großspurig auftritt, sondern dann auch noch eine Überraschung parat hat. Hier soll nicht gespoilert werden, aber wer bei Minute 5:25 nicht verwirrt zum Player schaut, um dann zu grinsen, dem ist nicht mehr zu helfen.

Fast klassischen Blues-Rock bekommt man bei "If you make it there", wenn der Song nicht auf einem Motown-Groove gebaut wäre und die große Zeit von Sly & The Family Stone heraufbeschwören würde. "Pipe & pouch" kommt sogar komplett ohne Gesang aus, ohne langweilig zu werden. Und ein Coversong ist auf dem Album vertreten, "One more time" von Joe Jackson. An dem ist nicht nur zu sehen, wie technisch versiert die Band ist, sondern auch, was möglich wäre, wenn diese fünf Jungs noch größeres Hitmaterial in die Finger bekommen sollten. Der Song sticht kurz vor Ende so markant heraus, dass man sich wünscht, Coogans Bluff hätten selbst ein oder zwei solcher Songs geschrieben. Aber vielleicht muss auch noch Luft nach oben sein, dann könnte "Balada" die Platte vor dem großen Druchbruch sein, bei der Coogans Bluff schon mal die Muskeln haben spielen lassen.

(Stephan Dublasky)

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Highlights

  • Balada
  • Farewell
  • One more time

Tracklist

  1. Living in danger
  2. Balada
  3. And here I stand
  4. Farewell
  5. If you make it there
  6. Pipe & pouch
  7. One more time
  8. No one's brother

Gesamtspielzeit: 40:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 858

Registriert seit 22.10.2021

2024-04-04 10:05:12 Uhr
Vielleicht liegts daran, dass es der letzte Song ist, aber Noones Brother fällt mir gerade erst auf. Der Song ist ja auch nochmal ne Welt für sich. Lustig finde ich den angetäuschten Ska-Einschlag, den die Bänd ja eigentlich immer zu umgehen versucht! :D

VelvetCell

Postings: 6601

Registriert seit 14.06.2013

2024-03-25 12:17:07 Uhr
Jau, das beamt einen tatsächlich auf einen anderen Planeten.

Hierkannmanparken

Postings: 858

Registriert seit 22.10.2021

2024-03-25 11:45:28 Uhr
Flying to the Stars war live so mit das Intensivste, was ich jemals auf einem Konzert hab... Neben Desire Lines von Deerhunter

VelvetCell

Postings: 6601

Registriert seit 14.06.2013

2024-03-25 11:06:35 Uhr
Ich liebe die letzten beiden Alben. Auch mit diesem etwas trockenem Sound. Aber live ist das einfach noch mal eine andere Welt, fast schon eine andere Band.

pounzer

Postings: 307

Registriert seit 24.08.2019

2024-03-25 10:53:31 Uhr
Ich denke mal, das soll halt irgendwie retro klingen. Ich finde den Sound okay, habe aber zugegebenermaßen die Band aber auch noch nicht live gesehen.
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