Lambchop - Aw c'mon / No you c'mon

Lambchop- Aw c'mon / No you c'mon

City Slang / Labels / EMI
VÖ: 09.02.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Unter einer Kappe

Der ehedem "abgefucktesten Country-Band von Nashville" kann man ja nun wirklich nicht vorwerfen, auf der Stelle zu treten. Krabbelten Platten wie "How I quit smoking" oder "Thriller" noch erkennbar in abseitigeren Americana-Gegenden herum, zogen spätestens mit dem beeindruckenden "Nixon" Soul, Schmelz und Streicher bei Lambchop ein. Und als hätte die unwahrscheinliche Bigband damit nicht schon genug Gefühliges geleistet, ließ sich das ganz und gar famose "Is a woman" zu sanften Klavieretüden die Morgensonne auf den Pelz scheinen. Im Laufe der Jahre hatte sich der Lambchop-Sound zu einem samtweichen Kuschelkissen entwickelt.

Das gewohnt schrullig betitelte Doppelalbum "Aw c'mon / No you c'mon" wirkt nun wie eine Zusammenfassung des bisher Erreichten. Basis dafür war die Einladung, F.W. Murnaus ersten amerikanischen Film "Sunrise" zu vertonen. Durch den Vorsatz, genau einen Song pro Tag zu schreiben, um sich nicht im eigenen Liedgut zu verheddern, konnte Kurt Wagner aus wahren Bergen von Stücken wählen. Und wie seine Klänge den schwarzweißen Bildern mehr Farbe verpassen sollten, wirkt Lambchops wiederentdeckte Fülligkeit auf beiden Silberlingen wie ein augenzwinkernd aufgemotztes "Is a woman".

Keine schlechten Voraussetzungen also. Doch wo der Vorgänger besonders in seiner Reduktion begeistern konnte, wirken die vielen Einzelheiten und sorgfältig betonten Augenblicke nicht mehr in allen Lebenslagen. So geschmackvoll hier Melodieführungen und Streicherarrangements ins Bild gesetzt werden, scheinen sie gelegentlich mehr bloße Atmosphäre als konkrete Handlung einzufangen. Bei aller Schönheit ein bißchen zuviel Unschärfe. Aber auch wenn manche der vielen Instrumentals beinahe wie Titelmelodien für postmoderne Ami-Seifenopern wirken, verpassen sie einem doch ein ums andere Mal einen kurzfristigen Ohrwurm.

Wagner croont derweil davon völlig ungerührt, nur knapp über der Flüstergrenze. Der zurückgelehnte Sound bereitet ihm ein weiches Bett, auf dem er sich so lange räkelt, bis vor lauter Lässigkeit Perlen wie "Low ambition" oder "Listen" herauskullern. Nie war Wagner dem Soul näher als bei dem delikaten Glitzern von "Something's going on", "I hate candy" oder "Steve McQueen". Still und leise changiert er dabei vom zarten Verführer über den geißelnden Spötter bis hin zum einmal mehr mit der eigenen Vernunft hadernden Raucher. Und kaum jemand bekommt diese vielen Rollenwechsel mit, denn auch wenn "No you c'mon" ein wenig dunkler wirkt, alles klingt wie Süßholzraspeln.

Ganz selten nur muckt einer von Wagners Erfüllungsgehilfen, namentlich Gitarrist William Tyler, spürbar auf. So ist "Nothing adventurous please" seinem Titel zum Trotz ein kleiner Kracher geworden. Und vielleicht handelt es sich hier gar um einen Vorboten für das, was der Mann mit der blauen Kappe angeblich als nächstes plant: ein Speedmetal-Bluegrass-Album. Aber soweit ist es noch nicht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Four pounds in one day
  • Something's going on
  • Low ambition
  • Nothing adventurous please
  • Listen

Tracklist

  • CD 1
    1. Being Tyler
    2. Four pounds in two days
    3. Steve McQueen
    4. The lone official
    5. Something's going on
    6. Nothing but a blur from a bullet train
    7. Each time I bring it up it seems to bring you down
    8. Timothy B Schmidt
    9. Women help create the kind of men they despise
    10. I hate candy
    11. I haven't heard a word I've said
    12. Action figure
  • CD 2
    1. Sunrise
    2. Low ambition
    3. There's still time
    4. Nothing adventurous please
    5. The problem
    6. Shang a dang dang
    7. About my lighter
    8. Under a dream of a lie
    9. Jan.24
    10. The gusher
    11. Listen
    12. The producer

Gesamtspielzeit: 92:19 min.

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