Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Modern English - 1 2 3 4

Modern English- 1 2 3 4

InKind / The Orchard
VÖ: 23.02.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Let there be rock

1981 warfen die in Colchester, Essex gegründeten Modern English mit ihrem Album "Mesh & lace" einen wütenden, schwarzen, nihilistischen Monolithen hin, der mit seinem zu keiner Zeit um Gefälligkeit bemühten Post-Punk ein echtes Brett war. Garstig-beißende Synthies, ein Schlagzeug mit nahezu lächerlich tief gestimmter Snare, rumpelnder Bass, monotone Gitarren und über alledem der übellaunige Sprechgesang von Robbie Grey, der sich zuweilen in ein verzweifeltes Bellen verwandelte. Das musste man erst mal verdauen. Auf den beiden Nachfolgern "After the snow" und "Ricochet days" entwickelte sich die Band stringent weiter und experimentierte mit fast kammermusikalischen, deutlich poppigeren Arrangements, und dann wurde es schwierig: Es folgten Splits und Umbesetzungen, das Aufkochen alter Erfolgs-Tracks, eher uninspirierte Longplayer – und alte Fans spürten instinktiv: Die Luft war raus.

Das hat sich erfreulicherweise geändert: Mit dem neuen Album "1 2 3 4" gelingt den Briten nämlich nicht nur die Quintessenz ihrer kreativsten Jahre von 1981 bis 1984, sondern vielleicht sogar die musikalische Quintessenz der gesamten Bandgeschichte der Achtziger – und das mit erheblich modernisierter Fassade. Geblieben ist der Markenkern von Modern English: Grays fast in allen Stücken verzerrter Gesang, die flirrenden Gitarren, der raffinierte Einsatz von Synthesizern. Neu hingegen ist die Hinwendung zu einem insgesamt etwas gefälligeren und auch konservativeren, damit aber umso eingängigeren Songwriting. Ja, einen Großteil der Refrains kann man nach dem ersten Durchlauf fehlerfrei mitsingen, unerwartete Harmoniefolgen sucht man vergebens, noch dazu hat die Produktion durchgehend einen angenehm fetten Druck – manch ein Track wie "Not my leader" oder "Plastic" lugt fast schon zum Stadion-Rock Marke U2 oder Simple Minds zu deren besten Zeiten. Und der Song "Crazy lovers" spielt außerordentlich gekonnt mit der Synth-Pop-Soundästhetik der achtziger Jahre, wie sie einst Fiction Factory mit "Feels like heaven" oder Nik Kershaw etablierten.

Der große Verdienst dabei ist, dass "1 2 3 4" weder beliebig noch langweilig wirkt. Mick Conroy spielt ähnlich treibende, ja singende Basslinien wie weiland Peter Hook bei New Order, auf den geradlinigen Gitarrenlicks von Gary McDowell kann man sorglos einen randvollen Drink abstellen, ohne dass ein Tropfen danebengeht – und die intelligente Keyboardarbeit von Stephen Walker bürstet die Songs immer gerade noch rechtzeitig gegen den Strich, bevor es zu simpel wird. Fast alle Tracks gehen vom ersten bis zum letzten Ton mit Doppelwumms nach vorne, zwei Ausnahmen bestätigen die Regel: "Exploding" kommt mit einem elegischen Mittelteil, der schwirrende Synthies und fiepende Gitarrenverstärker nach vorne mischt, während der Drummer Mittagspause macht. Und der Rausschmeißer "Voices" schlägt ganz am Ende geradezu versöhnliche Töne an, mit mäandernden Delay-Gitarren, dumpfen Beckenwirbeln, schimmernden Synth-Flächen und einer fast schon bekifften Atmosphäre. Nein, die Luft ist nicht raus. Modern English haben einen langen Atem.

(Jochen Reinecke)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Exploding
  • Out to lunch
  • Voices

Tracklist

  1. Long in the tooth
  2. Not my leader
  3. Not fake
  4. Exploding
  5. Plastic
  6. Crazy lovers
  7. I know your soul
  8. Genius
  9. Out to lunch
  10. Voices

Gesamtspielzeit: 36:38 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Talibunny

Postings: 2043

Registriert seit 14.01.2020

2024-02-15 17:58:07 Uhr
Bin für mesh & lace.

carpi

Postings: 1484

Registriert seit 26.06.2013

2024-02-14 22:30:39 Uhr
After the snow gerade heute in die 80er Liste aufgenommen, eigentlich gehört das Debüt Mesh & Lace auch rein, bloß gibt's mittlerweile leider kein Platz mehr:). Das Debüt ist jedenfalls düsterer und roher als After the snow. Lohnt sich meiner Meinung nach sehr. Ricochet Days als Nr.3 auch ansprechend und im Stil des Vorgängers, After the snow aber für mich besser.

Glufke

Postings: 508

Registriert seit 15.08.2017

2024-02-14 22:19:10 Uhr
Witzig, bin erst vor wenigen über deren Album "After the Snow" von 1982 gestolpert, das mir echt gut gefällt. In die neue höre ich dann auch auf jeden Fall mal rein.

Kennt sich hier wer mit der Band aus und kann weitere Alben empfehlen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26431

Registriert seit 08.01.2012

2024-02-14 20:34:07 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify