Incubus - A crow left of the murder

Incubus- A crow left of the murder

Epic / Sony
VÖ: 02.02.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gut gegen Böse

Ein Mörderalbum sollte es werden. In jeglicher Hinsicht. Die Voraussetzungen dazu waren bestens: Mit "A crow left of the murder" wurde bereits Monate vorher ein lustig mysteriöser Albumtitel publik gemacht. Und wenig später wurden Fans und Freunde von einem nicht minder lustig mysteriösen Cover geschockt. Mit einem Heiligenschein, ganz viel Rosen- und Dornenmetaphorik und fünf Köpfen in Schwarz-Weiß. Sieht aus wie Photoshop für Anfänger, macht aber nichts. Titel und Cover waren nur zwei kleine Randnotizen weit vor Veröffentlichung, die doch schon einiges erwarten ließen: Vorbei die wohlige Relaxtheit von "Morning view". Es sollte wieder gerockt, geschrien, gebrüllt, gegroovet und vor allem Gift und Galle gespuckt werden.

Und tatsächlich: Die Vorabsingle "Megalomaniac" erfüllt die Erwartungen nicht nur, sie übertrifft sie sogar. Ein furioser, alles dem Erdboden gleich machender Song, der nicht zu knapp an "Bullet with butterfly wings" von den Smashing Pumpkins erinnert. Und auch textlich kein Blatt vor den Mund nimmt: "Hey! Megalomaniac! You're no Jesus! Yeah, you're no fucking Elvis! Wash your hands clean of yourself, baby, and step down! Step down! Step down!" Sowas bietet den aufkeimenden Spekulationen natürlich Auftrieb, der Albumtitel (wörtliche Bedeutung von "a murder of crows" = "ein Krähenschwarm") sei keine düstere Vision aus dem Esoterik-Volkshochschulkurs, sondern ein verschlüsselter, herzlicher Gruß ans eigene Staatsoberhaupt. Wer weiß das schon?

Sicher hingegen ist, daß dieser Opener erst einmal getoppt werden muß. Und Incubus unter der Regie von Produzentenlegende Brendan O'Brien (Pearl Jam, Stone Temple Pilots, Rage Against The Machine) in der Folge dreizehn mal am Versuch scheitern. Auch wenn insbesondere die erste Albumhälfte noch einige Highlights bereit hält: den düsteren Titelsong, nach dem man aber leider immer noch nicht weiß, wer denn hier welche Krähe zurückgelassen hat. Das traumhaft gesungene Midtempo-Stück "Agoraphobia". Das sechseinhalbminütige "Sick sad little world". Das deftige "Pistola", welches mit diffusen Soundeffekten verstört. Und vor allem die beiden wunderschönen Balladen "Talk shows on mute" und "Southern girl".

Schade nur, daß nach "Southern girl" noch sechs weitere Songs folgen müssen, von denen manche besser von der Tracklist gestrichen worden wären. Zum Auftakt von "Priceless" jault Brandon Boyd auf, als ob ihn irgendwas gestochen hätte und klingt auch den ganzen Song lang so. Im sinnig betitelten "Made for TV movie" passiert etwa so viel wie in einem Rosamunde-Pilcher-Schinken, bei "Smile lines" und "Here in my room" zeigt der Daumen aber immerhin wieder nach oben, bevor "Leech" das Album wenig versöhnlich ausklingen läßt.

Zwei Albumhälften, eine toll, eine leider etwas mittelmäßig. Vielleicht gehört das ja zum Konzept von Incubus. Licht und Schatten, Himmel und Hölle, Welt und Unterwelt. Ein lustig mysteriöser Kampf von Gut gegen Böse, bei dem es am Ende keinen Sieger gibt. Sondern nur ein zweischneidiges Album. Und eine zurückgelassene Krähe, die selbst nicht so recht weiß, was sie da soll.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Megalomaniac
  • Talk shows on mute
  • Pistola
  • Southern girl

Tracklist

  1. Megalomaniac
  2. A crow left of the murder
  3. Agoraphobia
  4. Talk shows on mute
  5. Beware! Criminal
  6. Sick sad little world
  7. Pistola
  8. Southern girl
  9. Priceless
  10. Zee deveel
  11. Made for TV movie
  12. Smile lines
  13. Here in my room
  14. Leech

Gesamtspielzeit: 58:35 min.

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Affengitarre

Postings: 4879

Registriert seit 23.07.2014

2019-06-25 10:38:43 Uhr
Ja, das könnte gut sein.

Jaggy Snake

Postings: 309

Registriert seit 14.06.2013

2019-06-25 10:18:58 Uhr
Ich würde auch so weit gehen und sagen, dass es ihr bestes Album ist.

Affengitarre

Postings: 4879

Registriert seit 23.07.2014

2019-06-25 09:38:56 Uhr
Höre ich aktuell sehr sehr gerne. Der Opener, Titeltrack und das tolle "Sick Sad Little World" sind Karrierehighlights, generell ist die Phase von Track 1-6 sehr gut. Danach verläuft sich das Album ein wenig. Immer noch coole Sachen wie beispielsweise das experimentellere "Zee Deevel", in welchem die unmöglichsten Sounds aus der Gitarre gekitzelt werden, aber manche Songs wie "Made for TV Movie" oder "Priceless" (da hat man sich übrigens den Schlagzeugsound der "St. Anger" geliehen) wirken so, als würden sie nicht wissen, wo es hingehen soll.

Ausfälle gibt es trotzdem nicht, und auch so steht denen der etwas komplexere Zugang zur Musik sehr gut. Schönes Album.
Castorp
2010-01-29 19:13:57 Uhr
Von dem Song bekomme ich immer ganz besonders gute Laune.
Dan
2009-02-10 10:48:28 Uhr

joa, halte es auch für ihr bestes Werk
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