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The Holy - Ländmark

The Holy- Ländmark

PME
VÖ: 16.02.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Noch da?

Im Herbst 2020 gestaltete sich die globale Lage schwierig. Das Corona-Virus rüstete sich hämisch grinsend für eine dunkle pandemische Jahreszeit, und Musiker, die auf Konzerte und andere leibhaftige Präsenz angewiesen waren – also praktisch alle –, schauten in die Röhre. Auch The Holy aus Helsinki, deren Zweitling in diesem Zeitraum erschien und nach dem hervorragenden Debüt "Daughter" zum Rohrkrepierer statt zum Durchstarter wurde. Wohlgemerkt ob der ungünstigen Umstände, denn auch "Mono freedom", vom Quintett inzwischen als sein "lost album" bezeichnet, enttäuschte keineswegs. Zumal die neun Songs passenderweise von Alan Weismans Sachbuch "The world without us" inspiriert waren, das zum Schluss kommt, dass die Erde ohne den Menschen besser dran ist. Über drei Jahre später sind wir und The Holy immer noch da – auch wenn das "Twilight of the idiots" nach wie vor weltweit funzelt. Und Eetu Henrik Iivari setzt ihm samt Band weiterhin knorrig-maschinellen Post-Punk mit Stadiondimensionen entgegen.

Trotzdem richten The Holy auf "Ländmark" den Blick ob der omnipräsenten widrigen Rahmenbedingungen zusehends nach innen – sowohl ins Gefühlszentrum als auch auf die lieben Menschen. Dem Opener "Familia" kann es sogar nicht schnell genug gehen, nach Hause zu kommen: So rasant waren die Finnen zuletzt auf dem durch Schneewüsten hetzenden "Land before time" unterwegs und fahren den motorischen Anteil mit brutzelnden Synthie-Läufen und Iivaris gurgelig bearbeiteter Stimme hoch. Und die Nächsten am heimischen Herd danken für wallende Hitze und auf absehbare Zeit offenbar nicht versiegende Elektrizität. Sowie die Angebetete für ein tief empfundenes "I need you", das einen irrlichternden Orgel-Loop mit liebestrunkenem Schweinsgalopp vermählt. Da haben die beiden Schlagzeuger mal wieder alle Hände voll zu tun – vielleicht nicht der subtilste Kniff, um Druck auf dem Kessel zu machen, aber ein äußerst effektiver, der auch speckigere Tracks wie "Any given day" oder "All this joy" zu tosenden Arena-Rockern aufpumpt.

Und nicht nur die. Vor allem "The incredible Ibex" tut sich nach dem fast allzu überschwänglichen Auftakt in Sachen Vielschichtigkeit hervor und lässt die Keyboards zu rollenden, perkussiven Drums wie Sirenen heulen, während Iivari sich kehlig an hymnischen Riffs hochzieht. Das gefällt vermutlich nicht nur Editors, obwohl die mittlerweile eher einen auf "EBM" machen – und trotzdem sind The Holy auch auf "Ländmark" oft nicht weit von den Briten entfernt. Wenn es krautig, länglich und repetitiv wird, spielt die Stimme des Frontmanns außerdem eine zusehends untergeordnete Rolle: Treibt das nach einer heimischen Plombenzieher-Süßigkeit benannte "Pihlaja" funkensprühende Gitarren vor sich her und zieht der instrumentale Closer "Savages" von Elektro-Wumms bis hin zu Piano-Perlmutt noch einmal alle Register, verträgt das eben kaum oder gar keine Vocals. Aber alles halb so schlimm, beziehungsweise Weltlage hin oder her: Solange The Holy Pflöcke wie "Ländmark" in die Gegend pflanzen, dürfen sie diese auch mit "ä" schreiben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The incredible Ibex
  • All this joy
  • Savages

Tracklist

  1. Familia
  2. The incredible Ibex
  3. Any given day
  4. Disobedience
  5. All this joy
  6. Pihlaja
  7. I need you
  8. Heretic anthem
  9. Savages

Gesamtspielzeit: 44:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

NeoMath

Postings: 1722

Registriert seit 11.03.2021

2024-03-27 09:30:31 Uhr
Oho, erster Durchlauf. Da geht was.
Die Gesangslinien könnten vielleicht noch etwas ausgefeilter und prägnanter sein aber die Mucke zieht.

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Postings: 1916

Registriert seit 25.09.2014

2024-02-18 05:05:02 Uhr
Jo, 7/10 haut hin. Bei 'Savages' denk ich noch an The War On Drugs als Referenz.

TOMTHEOMAN

Postings: 4

Registriert seit 08.09.2020

2024-02-16 20:44:24 Uhr
Gefällt und Live zünden sie alles ab.

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Postings: 1916

Registriert seit 25.09.2014

2024-02-14 20:46:14 Uhr
Der Link zu "Mono Freedom" fuehrt zum falschen Album.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26431

Registriert seit 08.01.2012

2024-02-14 20:33:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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