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Chapel Of Disease - Echoes of light

Chapel Of Disease- Echoes of light

Ván / Soulfood
VÖ: 09.02.2024

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Und jetzt?

Es kommt ja nun des Öfteren vor, dass eine neue Platte mehr Fragen stellt als beantwortet. Meist geht es um stilistische Ausbrüche, mitunter auch um die generelle Qualität. Bei der Kölner Death-Metal-Band Chapel Of Disease stellt sich die Lage geringfügig anders dar. Denn im Februar 2023, die Aufnahmen zum neuen Album "Echoes of light" waren bereits abgeschlossen, verkündete Frontmann Laurent Teubl den Abgang aller übrigen Bandmitglieder, inklusive seines eigenen Bruders. Mehr als dünne Statements über die üblichen Differenzen ließ sich Teubl bislang nicht entlocken, einzig ein Live-Line-Up für die nächste Tour wurde benannt. Was nun ist "Echoes of light" wirklich wert? Schwanengesang oder das letzte Ausrufezeichen einer Band, die mit dem Vorgängeralbum "...And as we have seen the storm, we have embraced the eye" überhaupt erst außerhalb des Undergrounds für Aufsehen sorgte?

Lassen wir die Nebengeräusche einmal beiseite und tauchen ein in die faszinierende Vielfalt des Albums. Denn auch wenn die Kölner ihre musikalischen Wurzeln nicht verleugnen können – insbesondere Teubls Gesang erinnert gerne einmal an Genre-Vorreiter Chuck Schuldiner (Death) – die Grenzen des Death Metal sind längst nicht mehr existent. Der Titeltrack beispielsweise beginnt mit postmetallischen Riffs, bevor plötzlich filigrane Gitarrenläufe einsetzen, jedoch nur, um sich mit Teubls Growls gegenseitig zu befeuern. Die jedoch nicht von Tod und Verderben brüllen, sondern eine tiefe Sehnsucht herausschreien: "With a restless kind and a doubtful mind / I write these lines in the dark of night / Because I am nothing and you seem to be all / And still I strive for the echoes of light!" Und auf einmal sind die legendären The Devil's Blood ganz nah.

"A death though no loss" wirft im Anschluss nur eine Frage auf: Was muss passiert sein, damit dieses so unfassbar aufeinander eingespieltes Brüderpaar Laurent und Cedric Teubl plötzlich nicht mehr klickt? Stunden über Stunden könnte man dieser Gitarrenarbeit zuhören, und es würden immer noch neue Nuancen auftauchen. Plötzlich eine nahezu unmerkliche Tempoverzögerung, das Solo eskaliert – und tritt plötzlich brutalst die Bremse. Verschwindet hinter feinstem Classic Rock. Wird von Takt zu Takt orgiastischer, bis endlich wieder Vocals die Ekstase zerreißen. Völlig egal, wie man das noch nennen soll, das ist schlicht mitreißende, ganz große Kunst. Dass "Shallow nights" gegen diesen Überfluss kaum eine Chance hat, ist da nicht verwunderlich, zumal Teubls Klargesang hier erstaunlich wackelig, gar unbeholfen daherkommt. Das mag der fragilen Stimmung des Songs zuträglich sein, wenn man aber wie hier auf dem Spielfeld von The Ocean mitmachen möchte, darf es auch gerne noch etwas mehr von der Souveränität eines Loïc Rossetti sein.

Am Ende jedoch ist das Jammern auf Höchstniveau. Denn "Selenophile" würde, sofern es sie heute noch gäbe, die Tanzflächen der Düster-Rock-Discos zum Brodeln bringen, vereinigt auf seltsame, aber doch faszinierende Weise das Sinistre von Fields Of The Nephilim mit den enthemmten Riffs von Tribulation und reißt so mit in eine andere Welt. In der plötzlich erhabene Gitarrenläufe perlen und in Form von "Gold / dust" zu einer betörenden Reise zurück in die Achtziger einladen. Wo auch immer also Laurent Teubl eine derart unüberbrückbare Hürde in der Zusammenarbeit mit seinem Bruder und mit Schlagzeuger David Dankert gesehen hat, dass er die Band quasi neu zusammenstellt, es ist nicht wirklich erkennbar. "Echoes of light" steht nämlich seinem Vorgänger in nichts nach, mehr noch – Es reißt Genregrenzen ebenso ein, wie es die Labelkollegen von Sulphur Aeon mit dem mindestens ebenso großartigen Album "Seven crowns and seven seals" vorgemacht haben. Mag sein, dass die Zukunft der Band noch mit einem Fragezeichen versehen ist, hinter "Echoes of light" steht ein donnerndes Ausrufezeichen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • A death though no loss
  • Selenophile
  • Gold / dust

Tracklist

  1. Echoes of light
  2. A death though no loss
  3. Shallow nights
  4. Selenophile
  5. Gold / dust
  6. An ode to the conqueror

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kiste

Postings: 214

Registriert seit 26.08.2019

2024-02-15 11:55:10 Uhr
Platte ist Top Pick der Woche bei:
https://www.heavyblogisheavy.com/2024/02/09/release-day-roundup-2-9-24/

Schön, dass das Album auch international Aufmerksamkeit erfahren!

kiste

Postings: 214

Registriert seit 26.08.2019

2024-02-13 10:30:01 Uhr
Der Bandname, die spannende Rezension und auch das Cover machten mich neugierig. Recht witziges Album aber für mehr als 2 Durchläufe fehlte mir der nötige Kick. Der Gesang fühlte sich für mich auf die Dauer auch eher störend an. Aber kann schon verstehen, wenn man mit dem Ding Spaß hat.

Hierkannmanparken

Postings: 681

Registriert seit 22.10.2021

2024-02-10 14:12:22 Uhr
Du meinst sowas wie FLAAMEEETHROWEEEEER?

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2024-02-10 13:57:57 Uhr
Vorhin gehört, das ist in meinen Ohren recht handzahmer, leicht doomiger Hardrock/Metal. Gefiel. Muss ja nicht immer tiefster Winterblackmetal sein.

Euroboy

Postings: 321

Registriert seit 14.06.2013

2024-02-10 12:42:07 Uhr
Nach dem ersten Hören bin ich leider noch nicht überzeugt von dem Album. Ist doch sehr Gitarrenlastig fast schon Jamrockig. Die tolle Vorgängerplatte hatte noch deutlich mehr Deathmetalparts, die hier bis auf den Gesang fast vollständig fehlen. Auch die coolen Dire Straits Gitarren gibt es so nicht mehr, ist leider mehr so Gedudel/Gefrickel.

Kann schon verstehen das es währen der Aufnahme dieser Platte zu einem Bruch in der Band kam.
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