Her Space Holiday - The young machines

Her Space Holiday- The young machines

Wichita / V2 / Zomba
VÖ: 26.01.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

format c:

Wer sich die aus Funk, Fern und Literatur bekannten Roboter unserer Zeit mal ein bißchen genauer vornimmt, stößt auf eine ganze Menge Verhaltensauffälligkeiten, Neurosen und ernsthafte Alkoholprobleme. Da wäre zum Beispiel Marvin, der manisch-depressive Blechhaufen aus Douglas Adams' "Anhalter". Oder Arnies Terminator, ganz gleich aus welchem Teil. Ein mittelschweres Aggressionsproblem können die ja wohl alle nicht leugnen. Und Bender natürlich, der kleinkriminelle, asoziale, notgeile Cyborg aus "Futurama", der sich längst einen mittelschweren Bug in die Schaltkreise gesoffen hat. Wirklich sauber ist keiner von denen. Aber wirklich krank auch nicht. Krank sind nämlich die Maschinen, die bei Marc Bianchi auf der Couch liegen. Dürfen wir vorstellen? "The young machines".

Trauer, Tod und Haß - es sind die wirklich dunklen Einzelteile des Lebens, aus denen die Geschichten dieser perspektivlosen Roboter bestehen. Einem davon ist die Oma gestorben. Er widmet ihr "Sleepy California", die rührendste Verlustmeldung, seit Wellblech und ein bißchen Elektronik weinen können. Dann ist da noch ein anderer, der ein Mädchen kennt, das nicht so will wie er. Sie kommt im trickreich tempomachenden "Something to do with my hands" an die Reihe. "I put my headphones on / And hear your favourite songs / And it kills me to know / That this won't be one of them." Gut geweint.

Natürlich machen die Maschinen auch Musik zu ihrem bizarren Trauerspiel. Und die ist gemütlich wie ein Gefrierschrank. Unrunde Elektronik-Loops, ungeschliffene Streicher-Samples, und nur manchmal eine Akustikgitarre als letzter lebendiger Bestandteil der Sache. Der Rest ist grau in grau. Breakbeats machen manchmal monotone Kreisbewegungen. Ins schleichende "My girlfriend's boyfriend" wird eine deplazierte Bratgitarre reingeballert. Die Musik der Roboter ist nicht halb so an-den-Stuhl-fesselnd wie ihre unglücklichen Geschichten. Aber das ist nicht schlimm. Schlimm ist, daß natürlich Marc Bianchi all diese Roboter ist. All der Schmerz und die Lebensmüdigkeit, die hier auf zehn stählerne Schultern verteilt wurden, lasten eigentlich nur auf ihm. Einem kleinen Mann mit Hornbrille und Hühnerbrust, dem jetzt auch noch die Freundin weggelaufen ist.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Something to do with my hands
  • Sleepy California
  • From South Carolina

Tracklist

  1. The young machines
  2. Something to do with my hands
  3. Tech romance
  4. Sleepy California
  5. Japanese gum
  6. Meet the pressure
  7. My girlfriend's boyfriend
  8. The luxury of loneliness
  9. Girl problem
  10. From South Carolina

Gesamtspielzeit: 44:33 min.

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