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Toechter - Epic wonder

Toechter- Epic wonder

Morr / Indigo
VÖ: 02.02.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der zweite Streich

Es wäre überhaupt kein Problem, sich die drei Musikerinnen Katrine Grarup Elbo, Lisa Marie Vogel und Marie-Claire Schlameus als ganz im Wortsinn klassische Formation vorzustellen. Mit Violine, Viola und Cello würden sie dort sitzen, von ihrer professionellen Ausbildung profitieren und stilsicher Stücke von Bach, Vivaldi oder Monti vortragen. Der Applaus wäre ihnen gewiss. Beim gemeinsamen musikalischen Projekt Toechter allerdings beschreitet das Trio bewusst andere Wege und greift beherzt im Regal der modernen technischen Möglichkeiten zu. Das gelang bereits auf dem Debütalbum "Zephyr" vortrefflich, diesem höchst spannenden, zuweilen geheimnisvollen Werk, das auf Basis von Streichern Grenzen auslotete. Die Künstlerinnen haben offenbar Gefallen gefunden an ihrem Tun, denn "Epic wonder" ist nach nicht einmal zwei Jahren schon der zweite Ausflug in eine Welt, die klassische Elemente und technische Versatzstücke vorzüglich miteinander in Verbindung bringt.

Die instrumentale Klangkunst steht auch diesmal im Mittelpunkt, vieler Worte bedarf es darauf nicht. Was allerdings nicht heißt, dass Stimmen eine zu vernachlässigende Rolle spielen. Gleich der Auftakt, ein "Prelude" genanntes Eröffnungsstück, experimentiert mit diesen. Da gibt es zwar keinen zusammenhängenden Gesangsvortrag, sehr wohl aber clever platzierte Fragmente und technisch bearbeitete Verlautbarungen. "Me she said" wagt dann tatsächlich längere Textpassagen, und auch die Streicher rücken mehr ins Zentrum. Darunter drängelt sich schließlich ein Beat, der dem Ganzen den klassischen Resonanzboden unter den Füßen wegzieht. Wie zuvor bei "Zephyr" gilt: Nebenher lässt sich diese Kunst nicht konsumieren. Man würde weder die Zusammenhänge begreifen noch die vielen Details angemessen wahrnehmen. Und von denen gibt es eine große Menge.

"Epic wonder" wirkt bei genauer Betrachtung wie eine Einladung. Denn während man all die kleinen Abzweigungen in den Songs nach und nach erkundet und die fein miteinander verwobenen Streicherparts einerseits und elektronischen Bearbeitungen andererseits zu verstehen versucht, entwickeln sich Bilder vor dem inneren Auge. Toechter gelingt es analog zu "Zephyr", ihrer Hörerschaft ein gedankliches Abschweifen zu ermöglichen. Wer tief eintaucht, kann sich im bequemen Sessel des Kopfkinos zurücklehnen und mit den Musikerinnen durch Landschaften, Räume und andere Imaginationswelten reisen. Ohnehin erweckt das alles den Anschein, als ließe sich das künstlerische Schaffen dieser Formation glänzend in Richtung Filmmusik erweitern. Versierte Spielkunst an klassischen Instrumenten, ein feines Gespür für elektronische Nachbearbeitung und ein exzellentes Händchen für Experimentelles ergeben bei diesem Trio eine prickelnde Mischung. Wie erfreulich, dass sie nicht in der Historie der Musik stecken geblieben sind. Was Vivaldi dazu wohl sagen würde?

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Me she said
  • Alive, abloom
  • Sea of serenity

Tracklist

  1. Prelude
  2. Me she said
  3. Epic wonder
  4. Celestine
  5. Alive, abloom
  6. Gossamery
  7. Sea of serenity
  8. Mellow splash
  9. Shift souls
  10. Melting in the green
  11. Mercury

Gesamtspielzeit: 37:01 min.

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Armin

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2024-01-31 22:10:16 Uhr - Newsbeitrag
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