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Maximilian Hecker - Neverheart

Maximilian Hecker- Neverheart

Blue Soldier
VÖ: 19.01.2024

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Band ab

Kaum ein Song war Anfang des Jahrtausends so pathetisch und gleichzeitig wunderschön für studentische Liebeskummer-Tapes geeignet wie "The days are long and filled with pain" von Maximilian Heckers fantastischem Debütalbum "Infinite love songs". Und nahezu unendlich ist auch die Zahl weiterer bittersüßer Liebeselegien, die der Wahlberliner in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat. Meist waren dies verhuschte Balladen mit viel Klavier, jedoch auch immer wieder Exkursionen in Richtung Folk, Dreampop oder Indie britischer Prägung. Mit Heckers neuntem Album "Wretched love songs" stellte sich eine Reduzierung auf fast kunstliedartige Klavierstücke ein. Diesen Weg geht der Maestro der Melancholie konsequent weiter: Die Tage bleiben lang und schmerzerfüllt, die Liebe bleibt erbärmlich unerfüllt, und die Songs sind diesmal allesamt hypnotisch herzerweichende Pianopreziosen. Denn der Titel der neuen Platte "Neverheart" ist freilich glatt gelogen: Hier kommt jeder Ton von Herzen und berührt auch ebendort.

Der sehnsuchtsvolle Opener "Two-toned love (part 1)" beschäftigt sich in Titel und Text mit dem Spannungsverhältnis von Anziehung und Zurückweisung, Sehnsucht und Rückzug, Hoffnung und Enttäuschung: "Win me over / And hold me under / And drive me away / And pull me into your heart." Diese Dichotomien sind programmatisch für Heckers Texte, nicht nur für den Rest dieses Albums, sondern letztlich im Gesamtwerk des 46-Jährigen. Spannungen und Zerrissenheit in den Lyrics spiegeln sich musikalisch jedoch keinesfalls wider. Keine Rhythmen, die sich reiben, keine kollabierenden Melodien, stattdessen herrscht durchgehend fein temperierter Wohlklang aus Klavier und meist gehauchtem Falsett. Hecker selbst bezeichnet seinen Sound auch als "Wiegenlieder für Erwachsene" und scherzt dabei nicht. Seine Kunst ist ernsthaft und aufrichtig, dreht sich formal und inhaltlich mit feinen Variationen immer weiter um sich selbst und zerfasert dennoch niemals zur Beliebigkeit.

Für den in Songs wie "Suspended heart" gar so verletzlichen und unmittelbaren Klang der Produktion, als auch für etwa die Hälfte der Instrumente, inklusive des schmeichelnden Klaviers, ist wie schon bei den beiden Vorgängerplatten erneut Johannes Feige zuständig. Gemeinsam mit Feige erschafft Hecker eine intime und trotz ihrer Unaufgeregtheit packende und fast atemberaubende Atmosphäre, dies gilt besonders für die wunderschöne, zögernd tastende Ballade "Long-lost crazy love". Etwas luftiger kommt da der verspielte, mit Akustikgitarre angereicherte "Leave-taking song" daher, der zumindest für den heckerschen Kosmos beinahe so etwas wie eine fröhliche Melodie aufweist, so als sei der nächste Schritt für den Erzähler ebenso selbstverständlich wie unausweichlich: "And I will leave you now that I'm falling for you." Den Soundkosmos noch weiter öffnet einzig "Fall in love, fall apart", dessen Refrain mit einem Hauch von Bombast aus warmen Synthieflächen und Orchesterschlagzeug an die poppigeren Klänge von "I'll be a virgin, I'll be a mountain" erinnert. Im abschließenden Titelsong, dessen schwelgerische Streicher für manches Ohr vielleicht hart an der Kitschgrenze surfen, taumelt der Erzähler subtil von Hoffnung über Verzweiflung bis zur Akzeptanz seiner Untauglichkeit für die Liebe. "I'm leaving home forevermore, my love / I'm leaving home for good", beteuert er zum Ende. Schade eigentlich, dass das Liebeskummer-Tape aus der Mode geraten ist.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Long-lost crazy love
  • Fall in love, fall apart
  • Neverheart

Tracklist

  1. Two-toned love (part I)
  2. Suspended heart
  3. Falling star
  4. Long-lost crazy love
  5. Losing heart
  6. Leave-taking song
  7. Two-toned love (part II)
  8. Trying hard to never understand
  9. Fall in love, fall apart
  10. Neverheart

Gesamtspielzeit: 41:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2024-02-19 22:20:36 Uhr
"Infinite love Songs bleibt ein Album für die Ewigkeit."

Vergesse immer, dass es das gibt und alle paar Jahre gibt es so einen Post.

Die nächste dreiviertelstunde mal nutzen für das Werk hier. Einstieg ist schon mal (gewohnt) schön.

Immermusik

Postings: 495

Registriert seit 04.11.2021

2024-02-19 21:07:54 Uhr
Ich bin irgendwann nach I‘ll be a virgin, I‘ll be a mountain ausgestiegen. Mit Neverheart bin ich wieder an Bord. 8/10
Infinite love Songs bleibt ein Album für die Ewigkeit.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26105

Registriert seit 08.01.2012

2024-01-24 20:36:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26105

Registriert seit 08.01.2012

2023-11-10 18:55:42 Uhr - Newsbeitrag
*** Maximilian Hecker veröffentlicht neues Video zu LONG-LOST CRAZY LOVE ***

*** Album NEVERHEART erscheint am 19.01.24 ***

*** Roman LOTTEWELT seit Ende Oktober in den Buchhandlungen ***


Einen Roman über das Verhältnis zu seiner schwerstbehinderten und früh gestorbenen Schwester hat Maximilian Hecker mit Lottewelt ja bereits geschrieben,

LONG-LOST CRAZY LOVE ist nun das Lied, mit dem der Berliner Musiker seiner »immerwährenden, lange verschollenen«, großen kranken Liebe huldigt,

seiner »Niemalsglühenden«, wie er seine Schwester im klaviergetriebenen Geschwisterliebeslied nennt,

seiner Sœur fatale letztendlich, die vielleicht sogar der Grund dafür ist, dass Hecker die Musik macht, die er macht, dass er singt, wie er singt,

und dass er jener hoffnungslose und in seiner Konsequenz beinahe autistisch wirkende Romantiker geworden ist, der seit nunmehr zwanzig Jahren auf hohem Niveau dichtet, kriecht, haucht und jammert.



»She’s my demon ... But she’s my angel, too. A scatterbrained butterfly ... sitting on my shoulder and watching over me.«

Mit diesen Worten beschreibt der Musiker und Debütautor in Lottewelt seine Schwester Liselotte, die er als Chimäre zeichnet,

als Mischwesen aus Femme fatale und Schwester, als »Schutz- und gleichzeitig gefallenes Engelskind«, wie er schließlich im Refrain von LONG-LOST CRAZY LOVE singt.

Und abermals, wie auch schon in The Whereabouts of Love (2012), Kastrup, (2015) und Hennigsdorf (2015), aber natürlich auch im Titellied seines im Januar 2024 erscheinenden zehnten Studioalbums NEVERHEART,

greift der Hauch- und Jammersänger in LONG-LOST CRAZY LOVE das Thema der Isolation auf, des Rückzugs von der Gesellschaft, ja der Nimmerherzenskälte.



Video zu LONG-LOST CRAZY LOVE hier anschauen:





Unterstützt wurde Maximilian Hecker bei der klanglichen Umsetzung ebendieser Nimmerherzenskälte von seinen kongenialen Partnern Johannes Feige (Produktion) und Peter »Jem« Seifert (Mix) –

Erstgenannter bereits Produzent von Heckers Alben Spellbound Scenes of My Cure (2015) und Wretched Love Songs (2018),

Letztgenannter Produzent von u.a. Udo Lindenberg, Andreas Bourani und Ich + Ich –,

die LONG-LOST CRAZY LOVE eine beklemmende Weite und definierte Undefinierbarkeit verleihen

und der Erbärmlichkeit des lyrischen Inhalts eine klangliche Anmut entgegensetzen,

einen Sound, den man zurecht als »larger-than-low-life« bezeichnen könnte.

Der Titel von Maximilian Heckers zehntem Studioalbum spielt zwar auf J. M. Barries Neverland an, auf die Insel also, auf der Peter Pan ewige Jugend beschert ist,

allerdings ist Heckers NEVERHEART nicht, so wie Barries Neverland, positiv besetzt, muss die augenzwinkernde Wortschöpfung doch letztendlich wie ein Wilhelm Hauffsches kaltes beziehungsweise steinernes Herz verstanden werden – das steinerne Herz, mit dem der Protagonist von NEVERHEART in den zehn erbärmlichen, genauer gesagt: zweifarbigen Liebesliedern fortwährend konfrontiert ist.



Des Weiteren hat Maximilian Hecker am 26. Oktober 2023 seinen ersten Roman LOTTEWELT veröffentlicht.

Das Buch beschreibt die Geschichte eines Mannes, dessen (Liebes-)Leben nachhaltig durch die Geburt und den frühen Tod seiner Schwester Liselotte geprägt ist.

Die traumatische Vergangenheit holt ihn mit großen Schritten ein, als er sich während eines Korea-Aufenthalts in die Schauspielerin Charlotte Lee verliebt

– eine Seelenverwandte, wie es scheint, wenn nicht sogar »Körperverwandte« -

an die der Protagonist augenblicklich sein gebrochenes Herz verliert, obwohl oder gerade weil die junge Frau in ihm das merkwürdige Gefühl auslöst, in ihr seine »Schicksalsschwester« Liselotte wiedergefunden zu haben.

Der Titel von Maximilian Hecker Debütroman bezieht sich allerdings nicht nur auf die beiden Lottes im Leben des Protagonisten,

denn LOTTEWELT (als Anspielung auf den Seouler Vergnügungspark Lotte World) kann darüber hinaus auch als Synonym für die koreanische Unterhaltungsindustrie (Stichwort »Hallyu«) verstanden werden,

deren schillernde Akteure die gewundenen Wege des Protagonisten fortgesetzt kreuzen und ihn zur Reflexion über die koreanische Seele und die koreanische (Populär-)Kultur inspirieren.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26105

Registriert seit 08.01.2012

2023-10-10 20:50:58 Uhr - Newsbeitrag
*** Maximilian Hecker veröffentlicht neues Video NEVERHEART ***

*** Veröffentlichung des Album NEVERHEART auf den 19.01.24 verschoben ***

*** Der Roman LOTTEWELT erscheint am 26. Oktober ***

Der Titel von Maximilian Heckers dritter Single seines gleichnamigen Albums spielt zwar auf J. M. Barries Neverland an, auf die Insel also, auf der Peter Pan ewige Jugend beschert ist,

allerdings ist Heckers Neverheart nicht, so wie Barries Neverland, positiv besetzt,

muss die augenzwinkernde Wortschöpfung doch letztendlich wie ein Wilhelm Hauffsches kaltes beziehungsweise steinernes Herz verstanden werden

– das steinerne Herz, mit dem der Interpret von NEVERHEART, dieser enigmatische Musiker mit dem tiefen Falsett, der davon singt, wie er »seine Hände ausstreckt, um emporzusteigen und dennoch zu fallen«,

»nachhause zu kommen, um seine Liebe in Einklang zu bringen« und schließlich davon, »die Heimat in alle Ewigkeit zu verlassen«,

mit dem Maximilian Hecker also fortwährend konfrontiert ist in seinem wiegenliedartigen Liebeskummerlied.



Sei es das eigene Nimmerherz oder jenes der Adressatin seiner gehauchten Worte – eine Geliebte vielleicht, die eigene Mutter gar,

oder eben all jene Umweggefährtinnen, mit denen sich der Falsettsänger halbherzig oder vielmehr: nimmerherzig zu verbinden versucht.



Video hier streamen:




Unterstützt wurde Maximilian Hecker bei der klanglichen Umsetzung seines Nimmerherzschmerzes von seinen kongenialen Partnern Johannes Feige (Produktion) und Peter »Jem« Seifert (Mix) –

Erstgenannter bereits Produzent von Heckers Alben Spellbound Scenes of My Cure (2015) und Wretched Love Songs (2018).

Letztgenannter Kollaborateur und Produzent von u.a. Udo Lindenberg, Andreas Bourani und Ich + Ich –,

die NEVERHEART eine beklemmende Weite und definierte Undefinierbarkeit verleihen und der Erbärmlichkeit des lyrischen Inhalts eine klangliche Anmut entgegensetzen,

einen Sound, den man zurecht als »larger-than-low-life« bezeichnen könnte.



Das Album NEVERHEART erscheint am 19. Januar 2024.

Des Weiteren hat Maximilian Hecker für den 26. Oktober 2023 seinen ersten Roman LOTTEWELT angekündigt.

Das Buch beschreibt die Geschichte eines Mannes, dessen (Liebes-)Leben nachhaltig durch die Geburt und den frühen Tod seiner Schwester Liselotte geprägt ist.

Die traumatische Vergangenheit holt ihn mit großen Schritten ein, als er sich während eines Korea-Aufenthalts in die Schauspielerin Charlotte Lee verliebt

– eine Seelenverwandte, wie es scheint, wenn nicht sogar »Körperverwandte«, an die der Protagonist augenblicklich sein gebrochenes Herz verliert,

obwohl oder gerade weil die junge Frau in ihm das merkwürdige Gefühl auslöst, in ihr seine »Schicksalsschwester« Liselotte wiedergefunden zu haben.



Der Titel von Maximilian Hecker Debütroman bezieht sich allerdings nicht nur auf die beiden Lottes im Leben des Protagonisten,

denn LOTTEWELT (als Anspielung auf den Seouler Vergnügungspark Lotte World) kann darüber hinaus auch als Synonym für die koreanische Unterhaltungsindustrie (Stichwort »Hallyu«) verstanden werden,

deren schillernde Akteure die gewundenen Wege des Protagonisten fortgesetzt kreuzen und ihn zur Reflexion über die koreanische Seele und die koreanische (Populär-)Kultur inspirieren.


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